Helgolands Seenotrettungskreuzer unter neuem Kommando
Die "Hermann Marwede", der größte DGzRS-Seenotrettungskreuzer, hat einen neuen Vormann und Stationsleiter auf Helgoland. Und auch sonst stehen beim Retter, der regelmäßig Gast an der Hafenkante in Cuxhaven ist, Neuheiten an.
Klar es gibt viel Liegezeit im Hafen, doch wenn ein Notruf eingeht, muss die Besatzung pfeilschnell fertig zum Auslaufen sein. Es geht um Notlagen auf hoher See. Dass dann schönstes Wetter herrscht, ist eher selten. Die Besatzung des Seenotrettungskreuzers der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist gefordert, mit schwerem Seegang, Sturm und schlechter Sicht umzugehen. Die Crew fährt raus, wenn andere Schiffe den sicheren Hafen ansteuern. Und ein Drehbuch existiert dann nicht: "Jeder Einsatz ist ein Unikum - und man muss sehr viel improvisieren, die nötige Ruhe haben und einen kühlen Kopf bewahren", sagt der neue Vormann Gregor Jeske (34). So wie vor kurzem beim Einsatz bei der Havarie vor Helgoland am 24. Oktober. Dabei hatte er die Verantwortung als Einsatzleitung. "Ein heftiger Einsatz", so der Kapitän. Das Stückgutschiff "Verity" und der Frachter "Polesie" waren südwestlich von Helgoland zusammengestoßen. Die "Verity" sank. Die Behörden gehen davon aus, dass fünf Seeleute bei dem Unglück ums Leben kamen, zwei Besatzungsmitglieder wurden gerettet.

Dass Gregor Jeske jetzt schon als Vormann und Stationsleiter das Kommando hat, hat einen traurigen Hintergrund, den krankheitsbedingten Tod seines Vorgängers Thilo Heinze, der ihm mehr Freund als Kollege war.
Seit über sechs Jahren ist Gregor Jeske bereits als Seenotretter auf der "Marwede" tätig und avancierte in 2022 zunächst zum stellvertretenden Vormann.
Alle zwei Wochen Schichtwechsel
Zur Stammbesatzung zählen 16 Seenotretter, die aufgeteilt sind auf zwei Schichten. Sie wechseln im Törn von zwei Wochen. Und das ist keine reine Männersache mehr. Der Vormann und Stationsleiter freut sich sehr darauf, in diesem Jahr wieder zwei Kolleginnen an Bord begrüßen zu dürfen.
Seit mehr als 20 Jahren hat der Seenotkreuzer "Hermann Marwede" im Südhafen auf Helgoland seinen festen Liegeplatz. Eigner ist die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Gebaut wurde der Rettungskreuzer in Berne an der Weser auf der Fassmer-Werft. Am 27. Juni 2003 wurde er getauft und seit September 2003 ist er auf Station Helgoland/Deutsche Bucht. Er zählt zur 46-Meter-Klasse und ist 10, 66 Meter breit. Die Maschine der "Hermann Marwede" verfügt über drei MTU-Motoren (Mittelmaschine mit 3700 PS, zwei Seitenmaschinen mit jeweils 2775 PS). Sie lassen eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Knoten (46 Stundenkilometer zu. Tochterboot ist die 8,90 Meter lange "Verena".
Dass er einmal Kapitän auf dem größten deutschen Seenotrettungskreuzer wird, ist Gregor Jeske nicht an der Wiege gesungen worden. Er erblickte im Binnenland im Mai 1989 in Bielefeld das Licht der Welt und wuchs in der Nähe auf. "Es war mein Vater, der mich an die Seefahrt herangeführt hat. Beim Besuch des Hamburger Hafengeburtstags hat mich das Fieber gepackt", lacht Gregor Jeske.
Nach dem Abitur leistete er - obwohl er es nicht musste - seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr. "Allerdings hat es bei der Marine nicht geklappt - und so landete ich heimatnah bei der Panzerartillerie." Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Und so heuerte er anschließend als Kadett in der Kühlschifffahrt an und brachte Bananen und Ananas aus Costa Rica nach Europa. Sein Seefahrtstudium absolvierte er in Leer und im fuhr im zweiten Praxissemester sechs Monate auf einem Schwergutschiff des Schifffahrtskontors Altes Land (SAL). Schließlich verschlug es ihn nach Helgoland. Anstatt mit seinem Patent auf großer Fahrt dicke Pötte zu steuern, fuhr er kleine Boote bei der Helgoländer Firma E.M.T. Danach wechselte er in die Offshore-Versorgung und fuhr auf der "Seewind I", die im Südhafen nur wenige Schritte von dem Seenotretter entfernt lag. "Durch Kantenschnack" landete er schließlich bei der DGzRS und schwärmt über seinen "anspruchsvollen und abwechslungsreichen Job, der sehr speziell ist und eine Nische darstellet".
"Sind im Ernstfall aufeinander angewiesen"
Wichtig sei es besonders auf einer kleinen Insel wie Helgoland, eng zusammenzuarbeiten. Und so pflegt Gregor Jeske gute Kontakte zu Freiwilliger Feuerwehr, Rettungsdienst und Feuerwehr. "Wir sind ja im Ernstfall aufeinander angewiesen und können nicht mal eben Kräfte aus dem Nachbarort mobilisieren."
Seinen Job auf dem Wasser und auf Helgoland liebt Gregor Jeske, aber es sei auch immer schön, alle zwei Wochen nach Hause zu kommen. Das liegt seit einigen Jahren in Baden-Württemberg. Daher kommt seine Frau Jasmin, die er während des Studiums kennengelernt hat. Ihr kleiner Sohn ist mittlerweile 15 Monate alt.
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