Bild aus vergangenen Tagen: Bis April 2022 vertrat Anton Werner Grunert die Alternative für Deutschland im Cuxhavener Rat. Nach eigenen Worten kehrte er der Partei den Rücken, nachdem völkisch-nationale Töne die Oberhand gegenüber wirtschaftsliberalen Strömungen gewonnen haben. Foto: Koppe
Bild aus vergangenen Tagen: Bis April 2022 vertrat Anton Werner Grunert die Alternative für Deutschland im Cuxhavener Rat. Nach eigenen Worten kehrte er der Partei den Rücken, nachdem völkisch-nationale Töne die Oberhand gegenüber wirtschaftsliberalen Strömungen gewonnen haben. Foto: Koppe
Nach Aufstellungsversammlung

Kommunalwahl: Anton Grunert tritt für die FDP an 

von Kai Koppe | 26.05.2026

"Die FDP steht mir politisch am nächsten": Anton Werner Grunert, parteiloser Ratsherr mit AfD-Vergangenheit, kandidiert im Stadtzentrum auf Listenplatz 3 der Freien Demokraten.

Bei der Stadtratswahl im September bewirbt sich der Kommunalpolitiker Anton Werner Grunert (parteilos) auf der Kandidatenliste des FDP-Stadtverbands um ein Ratsmandat. Als Kreisvorsitzender und Chef der Stadtratsfraktion der Freien Demokraten bestätigte Günter Wichert die Kandidatur Grunerts; im selben Atemzug trat er der Vorstellung entgegen, dass sich hinter der Nominierung ein bestimmtes politisches Kalkül stehe. Grunert, der abseits seiner politischen Tätigkeit an der Seefahrtschule Cuxhaven lehrt, gehörte einst der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) an, hatte diese aber im April 2022 verlassen.

FDP-Ratsfraktionsvorsitzender:  Nicht am rechten Rand "fischen"

"Es wäre absurd, zu glauben, dass wir am rechten Rand Stimmen fischen wollen", sagte Wichert in einem Telefonat mit der CN/NEZ-Redaktion. Die FDP sei eine dezidiert weltoffene Partei, als solche habe sie sich sehr genau mit der politischen Vita des neuen Mitstreiters auseinandergesetzt. "Ich selbst habe ihn in viereinhalb Jahren Ratsarbeit beobachtet", sagte Wichert, der bei der Kommunalwahl am 13. September als Oberbürgermeisterkandidat antreten wird. In besagtem Zeitraum sei ihm der Genannte unter anderem durch "gute haushaltspolitische Reden" aufgefallen. Im Rahmen eines Termins, zu dem ihn die FDP eingeladen habe, sei Anton Grunert kritisch zu seinem vormaligen Engagement bei der vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuften AfD befragt worden. Grunerts Stellungnahme sei so ausgefallen, dass man gesagt habe "Damit können wir leben."

Auf Nachfrage hin schloss Günter Wichert nicht aus, dass die Personalie in der Wählerschaft der Freien Demokraten, die in ihrer Geschichte durch liberale Persönlichkeiten wie Ralf Dahrendorf oder Gerhart Baum geprägt wurden, polarisieren könnte. Baum hatte die AfD kurz vor seinem Tod als "größte Gefahr für unsere Demokratie seit Gründung der Bundesrepublik" beschrieben. Davon ausgehend sprach Wichert sich aber dafür aus, dass es so etwas wie eine "Resozialisierung" für ehemalige AfD-Mitglieder geben müsse, die ihrer früheren politischen Heimat aufgrund der eigenen, freiheitlich-demokratischen Überzeugung den Rücken gekehrt haben.

Grunert über AfD: "Mein Austritt war richtig"

Anton Grunert selbst beschrieb am Freitag die FDP als diejenige Partei, "die mir politisch am nächsten steht". Identifizieren könne er sich etwa mit der Idee eines schlanken Verwaltungsapparats, der sich auf Kernaufgaben konzentriere. "Es ist aber nicht so, dass ich mich der FDP aufgedrängt habe", sagte er und betonte, eine Mitgliedschaft bei den Freien Demokraten derzeit nicht in Erwägung zu ziehen. Am 13. September als Parteiloser auf der FDP-Liste für den Wahlbereich 1 zu kandidieren, sei ein Schritt, den er sich "lange überlegt" habe - auf Anfrage des FDP-Ratsfraktionsvorsitzenden Wichert.

"Als ich in die AfD eingetreten bin, war es nicht so, dass es diese Strömungen nicht gegeben hätte", rekapitulierte Grunert mit Blick auf rechtsextremistische Narrative. Seinerzeit habe die Partei, was ihre spätere Ausrichtung anging, aber noch "auf der Kippe gestanden": Er habe damals gehofft, dass sich die wirtschaftsliberalen Stimmen um Personen wie den Ökonomen Lucke durchsetzen würden. Als Kräfte, die ein zweifelhaftes Staatsverständnis vertreten, auch auf Kreisverbandsebene die Oberhand bekamen, habe er die Konsequenzen gezogen. 

"Mein Austritt war richtig", erklärte der Cuxhavener gegenüber der CN/NEZ-Redaktion. So sehr er einige Ziele aus den Gründungstagen der "Alternative für Deutschland" bis heute vertreten könne, so sehr schäme er sich im Nachhinein dafür, einer Partei angehört zu haben, die heutzutage eine völkisch-nationale Politik propagiere. "Davon distanziere ich mich ausdrücklich, das war nie meine Richtung", so Grunert.

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Kai Koppe

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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