Kurpark in Cuxhaven-Döse wird 90 Jahre alt: Ist die Tierhaltung noch zeitgemäß?
Am 12. Juli 1936 - vor 90 Jahren - öffnete der Kurpark in Döse seine Tore. Tiere waren von Anfang an ein fester Bestandteil der Anlage. Doch nach 90 Jahren steht diese Tradition zur Debatte: Ist Tierhaltung im Kurpark noch vertretbar - und zeitgemäß?
Wie kleine Frackträger watscheln die Pinguine zum Futter. Kinderfinger schnellen in die Höhe, Eltern halten ihre Kinderwagen am Gehege an. Daneben hoppeln Kaninchen übers Grün. Aus den Volieren dringt ein vielstimmiges Vogelkonzert.
So erleben Einheimische und Urlaubsgäste den Cuxhavener Kurpark bis heute: als grüne Oase, Ausflugsziel und kleinen Tierpark zugleich. Seit Generationen gehören Tiere für viele Besucher zu einem Spaziergang durch die rund 15 Hektar große Anlage in Döse. Doch während Pinguine und Co. noch immer Familien anlocken, wird zunehmend diskutiert, ob Wildtiere in Volieren und Gehegen in einen modernen Kurpark passen.
Diese Frage begleitet den Park ausgerechnet in einem besonderen Jahr: Am 12. Juli 2026 jährt sich seine Eröffnung zum 90. Mal. Als der Kurpark 1936 angelegt wurde, sollte er Erholung, Unterhaltung und Naturerlebnis verbinden. Seine Geschichte ist geprägt von Festen und Konzerten, Stürmen und Bränden - und von Seehunden, Pfauen, Pinguinen und dem legendären "Tiervater Brandt".
Eröffnet wurde der Kurpark anlässlich des 120-jährigen Bestehens des Nordseebades Cuxhaven am 12. Juli 1936. Die Planung übernahm der Gartenbauarchitekt Karl Plomin, der auch an der Gestaltung von "Planten un Blomen" in Hamburg mitwirkte.
"Tiervater Brandt" kümmerte sich um Heuler
Von Beginn an spielten Tiere eine wichtige Rolle. Anfangs brachten Seeleute Tiere mit von See, die im Kurpark den Besuchern gezeigt wurden. Bereits 1937 entstanden ein Seehundbecken und eine Seevogelwiese. Eng verbunden ist diese Entwicklung mit Alwin Brandt, dem bekannten "Tiervater Brandt". Er kümmerte sich schon vor der Parkeröffnung um aufgefundene Heuler und war bis zu seinem Ruhestand 1957 für den Tierbestand verantwortlich. Auf seine Initiative hin wurde der kleine Zoo aufgebaut. Ein Gedenkstein erinnert heute an ihn und seine Frau Frieda.

In den 1950er-Jahren wuchs der Bestand deutlich. Unter anderem kamen Pinguine hinzu. Besonders beliebt waren das Hasendorf mit Kaninchen und Meerschweinchen sowie die frei laufenden Pfauen. Zugleich entwickelte sich der Kurpark zu einem wichtigen Veranstaltungsort. Konzerte, Weinfeste, Shantychor-Treffen, Winterzauber und politische Auftritte fanden hier statt. Auch bei der Landesgartenschau 2034 soll die Anlage eine Rolle spielen.
Heute leben im kleinen Kurpark-Zoo noch zahlreiche Vogelarten, darunter Uhu-Dame Rosi, Wasservögel sowie Zier- und Wildvögel. Die größten Publikumslieblinge sind die Humboldtpinguine, deren Fütterungen viele Besucher anziehen. Außerdem gibt es Lisztäffchen, Meerschweinchen und Kaninchen. Seehunde werden seit etwa 15 Jahren nicht mehr gehalten. Das Tierwohl stand bei dieser Entscheidung im Mittelpunkt.

Doch auch die übrige Tierhaltung wird zunehmend kritisch betrachtet. Der veränderte gesellschaftliche Umgang mit Tieren führt zu einer Debatte über die Zukunft des kleinen Zoos. Natur- und Tierschutzorganisationen kritisieren die Haltung von Wildtieren in den zum Teil alten und begrenzten Anlagen. Sie bezweifeln, dass ein moderner Kurpark überhaupt noch einen Tierbestand benötigt.
Kritik kommt auch aus der Cuxhavener Politik. FDP-Ratsherr Günter Wichert erklärte, er habe "Schwierigkeiten mit dem gesamten Tierpark, einem Ensemble aus den 70er-Jahren". Vor allem die Haltung von Vögeln wie Säbelschnäblern und Uhus in Volieren sieht er kritisch. Sie sei nicht mehr zeitgemäß und aus seiner Sicht nicht tiergerecht. "Warum sperren wir diese Vögel ein? Freiheit und Vögel - das sind doch eins", lautet seine zugespitzte Frage.
Die Kritik spiegelt einen grundlegenden Wandel wider. Was früher als Attraktion und Möglichkeit zur Begegnung mit exotischen oder heimischen Tieren galt, wird heute an strengeren Maßstäben des Tierwohls gemessen. Dabei geht es nicht nur um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Entscheidend ist auch, ob die Gehege den natürlichen Bedürfnissen der Arten gerecht werden und welchen pädagogischen oder naturschutzfachlichen Zweck ihre Haltung erfüllt.

Das Betreiben des Kurparks gehört zu den Aufgaben der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH. Einen Tierpark innerhalb der Anlage zu unterhalten, ist dagegen keine Pflicht. Damit stellt sich für die kommenden Jahre die Frage, ob die Tierhaltung modernisiert, verkleinert oder grundsätzlich neu ausgerichtet werden sollte.
Mit Blick auf die für 2034 geplante Landesgartenschau könnten im Kurpark ohnehin Veränderungen, Modernisierungen oder eine grundlegende Neugestaltung einzelner Bereiche anstehen.
Ihre Meinung ist gefragt
Gehören Pinguine, Uhus und andere Tiere auch künftig in den Cuxhavener Kurpark? Soll die Tierhaltung modernisiert, verkleinert oder ganz beendet werden? Schreiben Sie uns, wie Sie darüber denken - gern auch mit Ihren persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen. Senden Sie Ihre Meinung per E-Mail an mangels@cnv-medien.de.
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