Schule: Landräte aus Cuxhaven und Stade fordern Kultusministerin zum Handeln auf
Ihre beiden Landkreise als Schlusslicht bei der Unterrichtsversorgung - das wollen die Landräte Thorsten Krüger (Cuxhaven) und Kai Seefried (Stade) nicht mehr hinnehmen. In einem Brief an Kultusministerin Julia Willie Hamburg fordern sie Initiative.
Das gemeinsame Schreiben hatten die Landräte aus Stade und Cuxhaven - Kai Seefried (CDU) und Thorsten Krüger (SPD) - formuliert und an die niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Die Grünen) gerichtet. In dem Schreiben, das in Medienkreisen kursiert, steht allerdings nichts, was der Öffentlichkeit nicht im Großen und Ganzen schon bekannt wäre: Es geht um die schlechte Lehrkräfteversorgung.


Am Mittwoch im Kreistag die Politik informiert
Thema war das Schreiben am Mittwochnachmittag auch im Cuxhavener Kreistag. In Abwesenheit von Landrat Thorsten Krüger, der wegen eines privaten Termins nicht an der Kreistagssitzung teilnehmen konnte, nahm dessen Stellvertreter Friedhelm Ottens dazu Stellung, dass der Brief an die Medien - von wem auch immer - durchgestochen wurde. Ziel der gemeinsamen Initiative der Kreise sei es, die Unterrichtsversorgung zu verbessern und mit dem Land entsprechende Gespräche zu führen. Man habe auch in Absprache mit dem Schulausschussvorsitzenden des Cuxhavener Kreistages eine entsprechende "Initiative" gestartet, die eigentlich gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sei.
Die Landräte räumen zu Beginn des Schreibens an die Ministerin die bekannt schwierige Lage an den Schulen - bedingt vor allem durch die geringe Zahl an Studierenden und die hohe Teilzeitquote - ein. Dass aber gerade ihre beiden Landkreise bei der Unterrichtsversorgung das Schlusslicht in Niedersachsen bilden, damit wollen sie sich nicht zufriedengeben.
Zustand sei der Bevölkerung nicht mehr vermittelbar
Stade (90,3 Prozent) und Cuxhaven (93,3 Prozent) lägen in der Unterrichtsversorgung (Stichtag 1. August 2023) deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 96,9 Prozent. Das - und schon gar nicht die durch die Schulträger prognostizierte weitere Verschlechterung - sei der Bevölkerung in zwei Kreisen, die durch eine attraktive Lage im Speckgürtel Hamburgs (Stade) und in einer touristischen und wirtschaftlich boomenden Region (Cuxhaven) durchaus punkten könnten, nicht zu vermitteln.
Studienseminare nicht genügend berücksichtigt
Einen Knackpunkt sehen die Landräte in der mangelnden Beachtung der lokalen Studienseminare. Die Zahl der verabschiedeten Lehrkräfte sei in den vergangenen Jahren stetig gesunken, klagen sie.

In Cuxhaven befindet sich zum einen das eigenständige Studienseminar für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen (Abendrothstraße) und zum anderen das für das Lehramt an Gymnasien (Elfenweg); Letzteres ist eine Außenstelle des entsprechenden Studienseminars in Stade.
Studienseminar ist "Personalschmiede" für lokale Schulen
Der "Klebeeffekt" macht stabile Durchgänge so wichtig. Viele Referendarinnen und Referendare (Bezeichnung an Gymnasien) und Anwärterinnen und Anwärter bleiben der Region über die Ausbildung hinaus treu. Bei der Außenstelle Cuxhaven des Regionalen Landesamts für Schule und Bildung gilt das Studienseminar in der Abendrothstraße als "Personalschmiede" für die Schulen in Stadt und Kreis; es verhindert ein personelles Fiasko.
Landesregierung soll für Gleichheit der Lebensverhältnisse sorgen
Hier setzen auch Kai Seefried und Thorsten Krüger an: Es sei nicht hinzunehmen, dass die Seminare in anderen Landesteilen so reichlich Anwärterinnen und Anwärter zugewiesen bekämen, dass zum Teil schon Plätze aufgestockt würden, während andere Regionen abgekoppelt blieben. "Wir erwarten von Ihnen und der Niedersächsischen Landesregierung, dass die Herstellung gleicher Lebensverhältnisse auch bei der Unterrichtsversorgung gerecht und flächendeckend erfolgt", schreiben sie an die Kultusministerin.
Landräte wollen Beitrag leisten

Gerechte Zuweisungen an die Seminare, Anreize für die Ausbildung in ländlichen Regionen (wie Zulagen oder verkürzte Wartezeiten) und Personalgewinnungszulagen in unterversorgten Gebieten empfehlen sie als geeignete Maßnahmen. Als Landräte seien sie bereit, in Kooperation mit der Schulverwaltung eine Willkommenskultur in ihren Landkreisen zu etablieren; auch durch gezieltes Marketing.
Die Folgen eines "Weiter so"-Kurses sähen sie hingegen als bedenklich an: Der drohe höchstens den Frust der Bevölkerung über mangelnde staatliche Handlungsfähigkeit zu verstärken, befürchten sie.
Nach Tageblatt-Informationen hat Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg übrigens auf das Schreiben der beiden Landkreise inzwischen reagiert und Gesprächsbereitschaft signalisiert. Ein Abbau oder eine Schließung der Studienseminare in Cuxhaven und Stade sei nicht zu befürchten. (mr / es / kw)