Auf Restaurant-Rechnungen sollte er (so wie hier) seit dem 1. Januar 2026 ausgewiesen sein: der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen. Foto: Koppe
Auf Restaurant-Rechnungen sollte er (so wie hier) seit dem 1. Januar 2026 ausgewiesen sein: der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen. Foto: Koppe
Interview

Mehrwertsteuer-Senkung: "Luft" für Gastronomen - und ein Preiswunder für Gäste?

von Kai Koppe | 10.01.2026

Ab sofort werden Speisen, die man im Restaurant verzehrt, nur noch mit 7% Mehrwertsteuer belegt. Was das für die Betriebe und für den Gast bedeutet, erfragte unser Redakteur bei Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des Dehoga-Bezirksverbands Stade.

Die Mehrwertsteuer in der Gastronomie ist auf sieben Prozent gesenkt worden. Frau Rübsteck, erklären Sie doch bitte noch einmal: Auf welche Leistungen gilt dieser reduzierte Mehrwertsteuersatz?

Dieser reduzierte Mehrwertsteuersatz gilt jetzt neu für Speisen im Restaurant. Speisen "to go" - also zum Mitnehmen - waren ja schon immer mit einem Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent belegt. Getränke sind weiterhin davon ausgenommen.

Als Sprachrohr von Hotellerie und Gastronomie hat sich Ihr Verband über mehrere Jahre hinweg für die zum 1. Januar erfolgte Mehrwertsteuersenkung eingesetzt. Warum sind die sieben Prozent eigentlich so wichtig für Ihre Mitgliedsbetriebe?

Aus unserer Sicht geht dabei nicht zuletzt um Gleichbehandlung. Jetzt ist es endlich soweit, dass Speisen - egal, wo und wie sie verzehrt werden -  mit demselben Mehrwertsteuersatz abgegeben werden. Vorher war es im Prinzip so, dass Restaurants dafür bestraft wurden, dass die Serviceleistungen erbracht wurden. Dass man als Gast an einem nettgedeckten Tisch sitzt, dass man das Essen gebracht bekommt, und so weiter. Wegen dieser Leistungen hat man den Restaurants eine höhere Mehrwertsteuer abverlangt. Insofern gab es da eine Wettbewerbsverzerrung, im Vergleich mit all den Mitbewerbern, die Speisen "to go", Essen im Stehen abgeben. Dieser Aspekt war für uns nicht mehr hinnehmbar. Davon abgesehen stellt sich beim Thema Mehrwertsteuer eben auch die Frage des Ertrages, die Frage, wie man kalkulieren kann, wie man sein eigenes Unternehmen führen kann.

Kritiker behaupten ja, dass die Mehrwertsteuersenkung vor allen Dingen den größeren Betrieben hilft. Ist das wirklich so oder profitieren die kleineren Restaurants und die Cafés im gleichen Maße davon?

Also, diese Kritik kann ich tatsächlich gar nicht verstehen. Meines Erachtens profitieren überwiegend die kleineren Betreiber von der neuen Regelung. Die größeren Ketten, die häufig Ziel der Kritik sind, haben doch überwiegend "to go" angeboten, wodurch sie sowieso schon bei sieben Prozent lagen. Sofern sie auch Inhaus-Essen anbieten profitieren sie jetzt natürlich davon, aber es sind gerade die ganz kleinen und die mittleren Betriebe, die ganzen Familienunternehmen, denen die Mehrwertsteuersenkung etwas bringt. Betriebe, die häufig überhaupt kein Außerhausessen anbieten.

Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des Dehoga-Bezirksverbands Stade. Foto: Daniela Ponath Fotografie

Mit der Nachricht dieser Mehrwertsteuersenkung verbindet der Gast womöglich eine
bestimmte Erwartungshaltung. Deshalb die Frage an Sie: Wird das Essengehen ab sofort günstiger werden?

Ich glaube, das muss jeder Gastronom für sich entscheiden: Wie er das umsetzen kann und ob er von dieser Steuerersparnis etwas an seine Gäste weitergeben kann. In der Branche haben wir zwar tatsächlich auch Preiserhöhungen gehabt. Gar keine Frage, das kann jeder sehen, wenn er selbst essen geht. Diese Erhöhungen haben aber in keinster Weise mit den Preissteigerungen korrespondiert, unter denen auch die Gastronomie in den letzten Jahren zu leiden hatte.
Ich meine damit vor allem die Lebensmittelpreise und die Personalkosten; wenn es danach geht, hätten die Preiserhöhungen also viel größer ausfallen müssen. Das betrifft auch Betriebe, die von sich selbst sagen, dass sie im Moment Luft  haben darauf verzichten können die Preise zu erhöhen: Mit dem gestiegenen Mindestlohn oder mit der CO₂-Steuer, die natürlich von den Lieferanten an die Betriebe weitergegeben wird, steigt auch für diese Unternehmen der Kostendruck. Unsere Empfehlung an unsere Gastronomen lautet aber, die jetzige Gelegenheit zu nutzen und nochmal alles vernünftig  durchzukalkulieren. "Guckt, wo vielleicht etwas möglich ist", sage ich immer, und ich weiß auch, dass viele Betriebe etwas an den Gast weitergeben, wenn sie entsprechende Spielräume haben. Aber die Effekte der Mehrwertsteuersenkung werden vermutlich nicht  eins zu eins weitergereicht.

Kann denn die neue Sieben-Prozent-Regelung, trotz all der positiven Effekte, die sie wahrscheinlich für die Branche haben wird, die sinkenden Konsumausgaben auf Verbraucherseite auffangen? Oder bleibt das nicht weiterhin das eigentliche Problem in der Gastronomie?

Das ist natürlich ein Punkt, den die Unternehmen spüren. Sie registrieren, dass Gäste kommen, merken aber auch, dass Gäste seltener kommen oder - wenn sie dann da sind - weniger ausgeben. Ob die reduzierte Mehrwertsteuer jetzt dazu führt, dass wieder mehr konsumiert wird, das vermag ich nicht zu sagen. Leider habe ich keine Glaskugel. Was ich weiß, ist, dass die Mehrwertsteuersenkung den Betrieben wieder ein bisschen
Luft gibt, um wieder die Zukunft zu planen. Wir haben tatsächlich sehr viele Betriebe, die
auch im letzten Jahr keine positiven Zahlen geschrieben haben.

Oder sogar aufgeben mussten?

Genau, oder sogar aufgeben mussten. Aber viele Gastronomen haben halt in der Hoffnung auf die sieben Prozent weitergemacht, durchgehalten. Und haben jetzt das Gefühl, sie können erst einmal durchatmen.

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