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Die Alte Liebe steht im Mittelpunkt einer emotionalen Debatte um Sanierung und Erhalt. Nun stand das Wahrzeichen im  Petitionsausschuss im Mittelpunkt. Foto: Schimmel
Die Alte Liebe steht im Mittelpunkt einer emotionalen Debatte um Sanierung und Erhalt. Nun stand das Wahrzeichen im Petitionsausschuss im Mittelpunkt. Foto: Schimmel
Anhörung im Ausschuss des Landtags

"Wo bleibt die Verantwortung?" - Cuxhavens Alte Liebe und der Ausschuss im Rückblick

von Christian Mangels | 20.08.2026 Zuletzt aktualisiert: 21.08.2026 12:17 Uhr

Es geht um die Zukunft der Cuxhavener Alten Liebe: Während die Sanierung unumgänglich scheint, bleibt die Frage, wie viel vom historischen Charme erhalten bleibt. Jetzt ging es in den Petitionsausschuss des Landtags. CNV-Medien war vor Ort.

Aus dem Protest gegen die Umbaupläne für die Alte Liebe ist längst ein landespolitisches Thema geworden. Am Mittwoch (19. August 2026) hat die Initiative um Nicole Antons ihr Anliegen im Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags vorgetragen. Für die Gegner der bisherigen Planungen von Niedersachsen Ports (NPorts) war die öffentliche Anhörung ein entscheidender Moment im monatelangen Ringen um das Cuxhavener Wahrzeichen. Die CN/NEZ-Redaktion war vor Ort und gibt die Anhörung wieder.

Antons stellte die Petition in einem 20-minütigen Vortrag im Landtag in Hannover vor und beantwortete anschließend Fragen der Ausschussmitglieder. Grundlage ist die Petition "Oberdeck der Alten Liebe erhalten - Wahrzeichen Cuxhavens bewahren", die das erforderliche Quorum von 5000 Mitzeichnungen erreicht hatte.

Für die Initiative geht es um mehr als bauliche Details. Sie will erreichen, dass die Alte Liebe auch nach der notwendigen Sanierung ihren charakteristischen zweigeschossigen Aufbau behält. Die Sanierung selbst wird ausdrücklich begrüßt. Umstritten ist vielmehr, wie stark sich das Erscheinungsbild des traditionsreichen Aussichtsbauwerks verändern darf.

Anhörung im Landtag: Die Initiative zum Erhalt der Alten Liebe in Cuxhaven präsentiert ihre Forderungen vor dem Petitionsausschuss. Foto: Mangels

"Die Alte Liebe darf nicht verstümmelt werden", erklärte Antons. Das Bauwerk sei ein Ort, der Generationen verbinde, ein "Rückzugsort für die Seele" und ein "Wohnzimmer am Meer". Ihren Auftritt nutzte Antons vor allem für einen Appell an die Landespolitik. "Wo bleibt die Verantwortung des Landes Niedersachsen?", fragte sie. NPorts gehört dem Land, deshalb sieht die Initiative auch die Landesregierung in der Pflicht. Von der touristischen Anziehungskraft der Alten Liebe profitiere schließlich nicht nur Cuxhaven, sondern Niedersachsen insgesamt.

Scharf kritisierte Antons die bisherige Kommunikation. Eine echte Bürgerbeteiligung habe es vor der Vorstellung der Umbaupläne nicht gegeben. Mehr als 10.000 Unterstützer der ursprünglichen Online-Petition hätten jedoch gezeigt, wie groß das öffentliche Interesse sei. "Die Menschen wünschen sich keine reduzierte Lösung", sagte Nicole Antons. Dass einige Cuxhavener Lokalpolitiker die Petition nach ihren Angaben als "sinnlos" und "völlig überflüssig" bezeichnet hätten, mache sie "fassungslos".

Eine Frage des politischen Umgangs mit Bürgerwillen

Die Auseinandersetzung sei inzwischen auch eine Frage des politischen Umgangs mit Bürgerwillen. Antons sprach von einem "Prüfstein für den Zustand unserer demokratischen Kultur". 

Die Initiative fordert unter anderem, alternative Bauweisen mit Carbonbeton zu untersuchen. Vor allem verlangt sie eine unabhängige externe Machbarkeitsstudie, die klären soll, welche Möglichkeiten für einen Erhalt des Oberdecks tatsächlich bestehen. 

"Volle Hütte" auf der Alten Liebe: Die Ankunft der russischen Viermastbark "Sedov" im Jahr 2004 markierte den Beginn des maritimen Großereignisses "Tall Ships' Race" in Cuxhaven. Foto: Wagner/dpa

Die bisherige Planung von NPorts sieht nach mehreren Überarbeitungen zwar wieder eine zweite Ebene vor, diese fällt mit etwa 24 mal vier Metern aber deutlich kleiner aus als das heutige Oberdeck. Für die Initiative reicht das nicht.

Erhebliche Schäden an den Betonteilen der Alten Liebe

Für die Landesregierung erläuterte Uwe Jacob, Referatsleiter für Hafen, Schifffahrt und Schiffbau im Wirtschaftsministerium, warum NPorts den Spielraum deutlich enger einschätzt. Ausgangspunkt der Sanierung seien erhebliche Schäden vor allem an den Betonbauteilen. Auf der vorhandenen Stahlpfahlgründung soll ein neuer Überbau entstehen. Zugleich soll die Plattform rund einen Meter höhergelegt werden, um sie besser vor Sturmfluten zu schützen und einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen.

Diese höhere Lage verschärfe jedoch das Gewichtsproblem. Nach Jacobs Darstellung setzt vor allem die Tragfähigkeit der vorhandenen Stahlpfähle Grenzen. Ein Oberdeck in den heutigen Dimensionen sei deshalb "aus statischen Gründen nicht möglich".

Die Initiative stellt ihre Forderungen vor dem Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags vor. Foto: Wagner/dpa

Noch größer wären die Eingriffe, wenn auch die Pfahlgründung erneuert werden müsste. Eine Variante mit neuem Oberdeck und neuen Pfählen würde laut Jacob zehn bis 15 Millionen Euro kosten und ein mehrjähriges Genehmigungsverfahren nach sich ziehen. NPorts hatte die ursprünglich vorgesehene Sanierung mit rund fünf Millionen Euro beziffert.

Hinzu kommt der Zeitdruck. Der Baubeginn ist weiterhin für Oktober 2026 vorgesehen. Ein Auftragnehmer sei bereits gefunden, erklärte Jacob, es gebe "rechtsverbindliche Verträge". Bei einem Stopp oder einer erheblichen Verzögerung müsste ein Ausfallentgelt gezahlt werden.

"Veröffentlichung der Unterlagen nicht vorgesehen"

Kritik gab es im Ausschuss besonders beim Thema Transparenz. Auf die Frage, warum detaillierte Baukosten nicht veröffentlicht würden, sagte Jacob: "Eine Veröffentlichung der Unterlagen ist in der Regel nicht vorgesehen." Für die SPD-Abgeordnete Annette Schütze berührt das einen Kern der Petition: die Frage, ob die Sanierungspläne und die dahinterstehenden Entscheidungen ausreichend transparent kommuniziert wurden. Der Grünen-Abgeordnete Nicolas Mülbrecht Beer fragte Jacob direkt: "Haben Sie das Interesse der Bürgerinnen und Bürger unterschätzt?"

Die Alte Liebe in Cuxhaven trotzt den Wellen. Foto: Wagner/dpa

Ein weiterer Streitpunkt ist der Denkmalschutz. Anna Mohr vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur erläuterte, warum das Landesamt für Denkmalpflege der Alten Liebe keinen Denkmalstatus zuerkannt hat. Zwar reiche ihre Geschichte fast drei Jahrhunderte zurück und das Bauwerk habe für Cuxhaven einen hohen identitätsstiftenden Wert. Die heutige Anlage sei jedoch mehrfach verändert worden, zuletzt maßgeblich Anfang der 1980er-Jahre. Veronika Bode (CDU) bezeichnete es dennoch als "sehr verwunderlich", dass die Alte Liebe nicht als Denkmal eingestuft worden sei.

Noch keine Vorentscheidung gefallen

Die Anhörung endete ohne Vorentscheidung. Stattdessen will sich der Ausschuss zusätzliche Expertise beschaffen. Auf Anregung von Sina Maria Beckmann (Bündnis 90/Die Grünen) soll eine touristische Stellungnahme zur Bedeutung der Alten Liebe eingeholt werden. Der CDU-Abgeordnete Christian Frölich forderte zudem die Einschätzung eines Statikers. 

Die politische Beratung über die Alte Liebe geht damit in eine weitere Runde. Nach Eingang der zusätzlichen Stellungnahmen befasst sich der Petitionsausschuss erneut mit der Petition und gibt eine Empfehlung ab. Entscheiden wird am Ende der Landtag.

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