Mit 73 noch vor der Klasse: Lehrerin aus dem Kreis Cuxhaven denkt nicht an Ruhestand
Mit 73 Jahren denken viele Menschen längst an den Ruhestand. Für Cornelia Dimitriou aus Belum ist das bislang kein Thema. Die ehemalige Gymnasiallehrerin steht weiterhin vor der Klasse und kann sich ein Leben ohne Schule nur schwer vorstellen.
Mit 73 Jahren denken viele Menschen an Reisen, lange Frühstücke oder entspannte Tage im Garten. Für Cornelia Dimitriou aus Belum (Kreis Cuxhaven) gehört all das zwar durchaus zum Leben dazu, doch Rente kann sie sich bis heute kaum vorstellen. "Ruhestand hat sich irgendwie nicht ergeben", schmunzelt sie im Gespräch mit CNV-Medien.
Dabei ist sie offiziell längst Rentnerin. Von 2010 bis 2023 unterrichtete sie Mathematik und Informatik am Amandus-Abendroth-Gymnasium (AAG) in Cuxhaven. Mit 67 Jahren ging sie regulär in den Ruhestand, blieb der Schule aber zunächst mit reduzierter Stundenzahl erhalten. Irgendwann habe das jedoch keinen Sinn mehr ergeben. "Es waren viele junge Mathe-Kollegen da, die sich einbringen wollten", erklärt sie.
Ein Zufall führt an die Waldorfschule
Ganz ohne Schule ging es dennoch nicht weiter. Nach ihrer Zeit am Gymnasium organisierte Dimitriou zunächst für den Azura-Ausbildungsverein (Allianz zur Ausbildung) an der Oberschule Cuxhaven-Mitte Bewerbungstrainings, Azubi-Messen und Fahrten zu Betrieben. Nach zweieinhalb Jahren ergab sich die nächste Aufgabe eher zufällig: Ein ehemaliger Kollege sprach sie an, weil an der Waldorfschule eine Mathematiklehrkraft gesucht wurde.
Mit der Waldorfpädagogik hatte Dimitriou bis dahin keine Berührungspunkte. "Man kennt ja vor allem die Klischees. Da dachte ich: Das schaust du dir einfach mal an", so Dimitriou. Aus zunächst zwei übernommenen Mathe-Epochen in den Klassen 10 und 11 wurde schnell mehr. Inzwischen unterrichtet sie die Jahrgänge 9 bis 12 mit 16 Wochenstunden. Auch im kommenden Schuljahr wird sie weitermachen.
"Das netteste Kollegium überhaupt"
Besonders schätzt die studierte Gymnasiallehrerin die Atmosphäre an der kleinen Schule. "Das ist wirklich das netteste Kollegium überhaupt", sagt sie. Die Klassen seien überschaubar, der Umgang untereinander ausgesprochen respektvoll. Zudem reizt sie die Vielfalt der Schülerinnen und Schüler. "Man sieht nicht nur, ob jemand rechnen kann oder nicht, sondern die ganze Person."
In ihrem Unterricht setzt Dimitriou deshalb immer wieder auf Projekte mit Alltagsbezug. Schülerinnen und Schüler entwerfen Verpackungen, berechnen Materialverbrauch und Volumen oder entwickeln eigene Umfragen, die sie anschließend statistisch auswerten. "Man muss Interesse wecken", sagt sie. Lernen bestehe nicht nur aus Auswendiglernen und Frontalunterricht.
Kein Pauschalurteil über die junge Generation
Den häufig geäußerten Eindruck, junge Menschen würden "immer schwieriger", teilt sie nur bedingt. Vielmehr hätten sich die Herausforderungen verändert, etwa durch die ständige Verfügbarkeit von Smartphones. Pauschale Urteile hält sie jedoch für falsch. "Es ist zu einfach zu sagen, dass heute alles schlechter ist", sagt sie. Schule und Elternhaus müssten gemeinsam einen verlässlichen Rahmen schaffen. "Wir Lehrkräfte müssen auch etwas geben."
Dass sie auch mit 73 Jahren noch unterrichtet, erklärt Dimitriou nicht mit Pflichtgefühl. Vielmehr sei die Schule seit Jahrzehnten ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens. Zwar könne sie nachvollziehen, dass Menschen nach einem körperlich anstrengenden Berufsleben dem Ruhestand entgegenfiebern. "Wenn man körperlich eingeschränkt ist, ist das natürlich etwas anderes", sagt sie. Für sie selbst gelte das derzeit nicht. Solange die Gesundheit mitspiele und die Arbeit Freude bereite, sehe sie keinen Grund aufzuhören.
Auch ohne Unterricht wäre keine Langeweile in Sicht
Beschäftigungsmöglichkeiten hätte sie auch ohne Schule genug. Sie arbeitet mit ihren drei Pferden, ist mit dem Hund unterwegs, kocht gern und beschäftigt sich mit verschiedenen Textiltechniken. Doch ganz ohne Klassenzimmer? Diesen Gedanken hat Cornelia Dimitriou bislang noch nicht weiter verfolgt.
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