80 Jahre nach Kriegsende: „Omas gegen Rechts Cuxhaven“ vor den nachgebauten Volksempfängern auf dem Kaemmererplatz – ein stilles Mahnmal gegen das Vergessen.
80 Jahre nach Kriegsende: „Omas gegen Rechts Cuxhaven“ vor den nachgebauten Volksempfängern auf dem Kaemmererplatz – ein stilles Mahnmal gegen das Vergessen.
80 Jahre nach Kriegsende

"Omas gegen Rechts Cuxhaven" erinnern eindrucksvoll ans Ende des Zweiten Weltkriegs

von Jens Potschka | 08.05.2025

Mit einem Hauch von Geschichte und dem Klang der Kapitulation schufen die "Omas gegen Rechts" in Cuxhaven einen Raum des Erinnerns, der die Passanten in die Vergangenheit zog und zugleich mahnend in die Gegenwart blickte.

Ein Hauch von Geschichte wehte am Donnerstag über den Kaemmererplatz vor dem Cuxhavener Pressehaus. Zwischen dem geschäftigen Treiben der Innenstadt hatten die "Omas gegen Rechts Cuxhaven" einen Raum des Erinnerns geschaffen - leise, würdevoll und zugleich eindrucksvoll sichtbar.

Unter einem offenen hellblauen Pavillonzelt standen zwei übergroße Nachbildungen des "Volksempfängers", jenes berüchtigten Radiogeräts aus der NS-Zeit. Auf einem zierlichen Tisch mit gehäkelter Decke und altem Kaffeegeschirr lagen ein paar Butterkekse bereit - wie bei einem sonntäglichen Kaffeekränzchen wären da nicht die beklemmenden Töne aus der kleinen Lautsprecherbox gewesen.

"Das ist die Originalaufnahme der Kapitulation", erklärte Karin Ottens-Spargel mit ruhiger Stimme. Die Aktivistin gehört zur "Doppelspitze" der lokalen Gruppe "Omas gegen Rechts", die mit ihrer Aktion an das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 erinnern wollte. "Nach der Ansprache folgt eine Erklärung von Admiral Dönitz, dem letzten Oberbefehlshaber - es ist wichtig, das in Erinnerung zu behalten."

Alte Zeitungsartikel und Fotografien dokumentieren Cuxhaven in der Kriegs- und Nachkriegszeit

Immer wieder blieben Passantinnen und Passanten stehen, setzten sich auf die bereitgestellten Stühle und lauschten der historischen Tonaufnahme. Einige traten näher, kamen ins Gespräch mit den "Omas", wie sie sich selbst nennen, und blickten durch alte Zeitungsartikel und Fotografien, die das Cuxhaven der Kriegs- und Nachkriegszeit dokumentierten.

"Man muss sich das vorstellen: Hitler sitzt im Bunker und schickt bis zur letzten Reserve, bis zu den Kindern, alles an die Front", sagte Doris Henningson, während sie einer Besucherin geduldig erklärte, warum der 8. Mai für sie mehr ist als nur ein Gedenktag. "Einige haben sich damals verweigert, hier in Cuxhaven oder in Lüneburg. Sie haben ihre Haut gerettet - und vielleicht auch die Stadt."

Die Kapitulation Deutschlands war mehr als ein militärisches Ende: Sie markierte das abrupte Aus eines verbrecherischen Regimes - und einen mühsamen Neuanfang. "Natürlich war das für viele kein Tag der Befreiung, sondern der Niederlage", so Henningson. "Aber rückblickend war es der Beginn der Demokratie - und es ist erschreckend, wie sehr wir heute wieder gegen Ausgrenzung, Gewalt und Dummheit kämpfen müssen."

Zwischen Kaffeetassen und Zeitungsdokumenten

Zwischen Kaffeetassen und Zeitungsdokumenten stand auch ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer: "Ist Dummheit gefährlicher als Bosheit?" Die Omas meinen: Ja. Und erinnern daran, wie schleichend Unrecht beginnt - mit "ein bisschen Ausgrenzung, ein bisschen Schuldzuweisung, ein bisschen weniger Denken."

Die Initiative hatte bewusst den 8. Mai für ihre Aktion gewählt - jenen Tag, an dem sich vor 80 Jahren das NS-Regime endgültig dem Untergang beugen musste. In der Innenstadt Cuxhavens war das am Donnerstag nicht nur hör- und sichtbar, sondern auch spürbar. Eine Gruppe älterer Frauen, mit klarem Blick auf Geschichte und Gegenwart, setzte ein stilles, aber deutliches Zeichen.

"Wir sind heute in zwei Schichten mit jeweils sechs Frauen hier", sagte Ottens-Spargel. "Wir zeigen Flagge - nicht nur heute, sondern regelmäßig." Die Resonanz der Passantinnen und Passanten zeigte: Erinnerung hat in Cuxhaven einen Platz - mitten im Herzen der Stadt.

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Jens Potschka

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