US-amerikanische Flugzeuge des Typs P-47 aufgereiht auf dem Nordholzer Fliegerhorst. Das Foto stammt wahrscheinlich aus dem Juni 1945.  Foto: USAAF / National Archives (NARA) / Archivnummer FRE7430
US-amerikanische Flugzeuge des Typs P-47 aufgereiht auf dem Nordholzer Fliegerhorst. Das Foto stammt wahrscheinlich aus dem Juni 1945. Foto: USAAF / National Archives (NARA) / Archivnummer FRE7430
Geschichte lebt 

Kurz, aber intensiv: Nordholz war nach dem Krieg eine wichtige Air Base der US Army 

von Maren Reese-Winne | 04.07.2026

Das Sturmgeschütz III, Sensationsfund auf dem Marinefliegergelände in Nordholz (Kreis Cuxhaven), weckt Interesse für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Amerikaner hier eine wichtige Air Base einrichteten. Wir zeigen spektakuläre Bilder. 

Der Sensationsfund in Nordholz, ein überaus gut erhaltenes Sturmgeschütz (Stug III) der deutschen Wehrmacht, hat das Kriegsende und die Besatzungszeit nochmals ins Blickfeld gerückt. Auch, wenn es bereits 80 Jahre her ist: Die Zeugnisse des Krieges - ob in Form von Munitionsresten, Blindgängern oder verscharrtem Kriegsgerät - beschäftigen uns bis heute. Erst recht jetzt, wo auf dem Marinefliegerstützpunkt in Nordholz - überspitzt gesagt - kein Stein auf dem anderen bleiben soll, sondern im großen Stil neu gebaut wird.

Eine der sich dabei stellenden Fragen: Wie kam es überhaupt dazu, dass im ansonsten durch die britischen Streitkräfte besetzten Elbe-Weser-Dreieck plötzlich US-Amerikaner stationiert wurden? "Der Landkreis Wesermünde gehörte mit den Landkreisen Osterholz und Wesermarsch, mit Bremen und der damaligen Stadt Wesermünde (Bremerhaven, d. Red.) zum amerikanischen Besatzungsgebiet" schreibt Hein Carstens in seinem Buch "Schiffe am Himmel". Kurz nach dem Einmarsch der Engländer im Mai 1945 übernahm die US-Luftwaffe den Flugplatz dieser Enklave in der britischen Zone, die sie zur Sicherung ihres Nachschubs beanspruchten.

Leutnant John Quincy, Mitglied der 406th Fighter Group, wartete abseits der Landebahn auf die Rückkehr der P-37 Thunderbolts von einem Einsatz.

Am 5. Juni 1945 verlegte die 406th Fighter Group von Handorf nach Nordholz. Mit dabei hatten sie ihre einsitzigen Thunderbolt P-47-Jagdflugzeuge sowie einige Ausbildungsflugzeuge. Auf dem Platz stießen sie (außer auf das Sturmgeschütz?) auch auf Überbleibsel deutscher Flugzeuge; viele von ihnen waren zerstört. Einzelne Maschinen sollen aber von den Amerikanern noch zur Probe geflogen worden sein.

In Windeseile Infrastruktur wieder aufgebaut

Hierfür und für ihren eigenen Flugbetrieb reparierten die US-Streitkräfte eilig die zerstörte Startbahn, die Zufahrtsstraßen und bauten die halb zerstörten Gebäude wieder auf. Die Jagdfliegerstaffel wurde bald durch eine Luftversorgungs-, eine Nachschub- und eine technische Staffel ergänzt. 

Unverkennbar: Unten befindet sich das Ziel, die damalige US-Airbase Nordholz. Foto: Garland S. Morgan
Blick von oben auf die in Nordholz abgestellten P-47 Thunderbolt. Foto: Garland S. Morgan

Viele Familien in Nordholz, zum Beispiel im nahegelegenen Ahornweg, mussten ihre Häuser für die amerikanischen Besatzungssoldaten räumen. Das anfängliche Misstrauen muss jedoch schnell einem gewissen Sinn für Pragmatismus und Verständnis gewichen sein: Bald schon durften Familien zurück in ihre Gärten, um dort das dringend benötigte Gemüse anzubauen. Die Familie des damals etwa fünfjährigen Friedrich Paul wohnte dann auch in einem selbstgezimmerten Schuppen im Garten. Nach einiger Zeit sollen die Soldaten sogar ihre Waffen in den unabgeschlossenen Räumen liegen gelassen haben.

Jobs bei den Amerikanern waren wie eine Lebensversicherung

Deutsche Frauen und Männer waren froh, wenn sie einen Job bei den Amerikanern ergattern konnten. Die deutschen Köche lebten und arbeiteten jeweils eine Woche auf dem Flugplatz, wurden dann abgelöst und hatten eine Woche frei. Andere arbeiteten im Zwei-Schicht-System. Von und nach Cuxhaven wurden Sammeltransporte eingerichtet.

Eine P-47 und ein Ausbildungsflugzeug in einem Hangar. Foto: Garland S. Morgan
Einsatz an dem damals provisorisch eingerichteten "Tower". Foto: Garland S. Morgan

Auf dem Stützpunkt befanden sich zwei "Messhalls" mit Küchen, eine davon für die 406th Fighter Group. Die Offiziere waren in ihrer Messe unter sich, die Mannschaften aßen in der großen Halle, die abends als Kino oder Tanzsaal umfunktioniert wurde. Zum Tanz wurden junge Frauen aus Cuxhaven, Bremerhaven oder Nordholz mit Lkw abgeholt. Beliebtes Fortbewegungsmittel waren auch Jeeps mit einer daraufgesetzten Holzkonstruktion - Aufschrift: "Nordholz Taxi".

"Nordholz Taxi", abgestellt vermutlich in Bremerhaven. Foto: Garland S. Morgan"

Anlässlich des ersten Thanksgiving-Festes nach Kriegsende in "Nordholz on the sea", wie die Amerikaner den Platz nannten, durfte auch das deutsche Personal, darunter viele entlassene Kriegsgefangene, in der Messhall ein Festmahl zu sich nehmen. An den anderen Tagen waren ihnen Plätze in der Messe der 486th Headquarter Squadron zugewiesen. Die Mitglieder dieser Staffel betrieben zum Beispiel die Fliegerhorst-Fahrbereitschaft, stellten die Militärpolizei und das Sanitätspersonal.

Eine P-47 Thunderbolt und eine C-47 Skytrain der United States Army Air Forces (USAAF), gelandet in Nordholz. Foto: Foto: USAAF / National Archives (NARA) / Archivnummer FRE7442

Übereinstimmenden Berichten zufolge endete die amerikanische Besatzungszeit recht eilig im Herbst 1946 und war verbunden mit der Order, die Infrastruktur und alles noch vorhandene Kriegsgerät zu zerstören. Große Teile der Anlagen wurden gesprengt. Im sandigen Nordholzer Boden befanden sich aber auch tiefe Löcher und Gräben. Hier landete alles, was auf schnelle Weise beseitigt werden konnte. Als tragisch empfanden es viele Piloten, das dazu auch ihre eigenen Flugzeuge gehörten, die zwar erst vor zwei bis drei Jahren in Dienst gestellt worden waren, aber bereits als veraltet galten. Für wenige Jahre verwandelte sich das Flugplatz-Gelände in Ackerland, bevor die militärische Nutzung durch die Bundeswehr wieder aufgenommen wurde.

Für die Veteranen unvergessen

Viele amerikanische Veteranen blieben dem Standort für immer verbunden. Friedrich Paul konnte sein Glück kaum fassen, als ihm um 1990 bei einem Besuch in Minnesota ein Negativalbum mit rund 200 Aufnahmen aus dieser Zeit überreicht wurde. Der Ehemalige Garland S. Morgan hatte das Alltagsleben in zahlreichen Fotos festgehalten; ein überaus wertvolles Zeugnis und Erinnerung an eine Epoche, die auch Heimatgeschichte bedeutet.

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