Im Schwesternhaus (l.) befand sich bis vor 40 Jahren auch die Kita. Rechts die Scheune, in der das Spanische Zentrum und die Kapelle St. Willehad eingerichtet wurden. Foto: CNV-Archiv
Im Schwesternhaus (l.) befand sich bis vor 40 Jahren auch die Kita. Rechts die Scheune, in der das Spanische Zentrum und die Kapelle St. Willehad eingerichtet wurden. Foto: CNV-Archiv
Doppel-Jubiläum

Ordensschwestern in St. Willehad/Cuxhaven begrüßten vor 70 Jahren die ersten Kinder

von Maren Reese-Winne | 18.05.2026

Seit 70 Jahren ist St. Willehad ein Ort der Gemeinschaft und Völkerverständigung. Nachdem die einstige Kapelle profaniert wurde und das Spanische Zentrum abgerissen wurde, hält die Kita St. Willehad in Cuxhaven Tradition und Erinnerung wach.

Rund 300 Personen feierten vor wenigen Tagen in der katholischen Kindertagesstätte St. Willehad das 40-jährige Bestehen der Kita und gleichzeitig 70 Jahre St. Willehad. Dieser religiöse und gesellschaftliche Treffpunkt bildete einen ganz wesentlichen Bestandteil in der Zuwanderergeschichte Cuxhavens.

1955 kaufte die katholische Kirchengemeinde das Meyn'sche Wesen an der Grodener Chaussee neben der Ritzebütteler Schule. In das heute noch ins Auge fallende "gelbe Haus" zogen am 5. April 1956 die ersten beiden Missionsschwestern "vom heiligen Namen Mariens" ein. Fast umgehend nahmen sie die Kinderbetreuung auf. Noch im selben Jahr entstand in der umgebauten benachbarten Scheune eine winzige Kapelle.

Im Garten vor dem "gelben Haus" (1964). Der Ursprung als Bauernhof ist zu erahnen. Foto: Kita St. Willehad
Gruppenbild aus dem Jahr 1966. Immer mehr Gastarbeiterfamilien kamen aus Spanien und Portugal. Foto: Kita St. Willehad

Anwerbeverträge holten Gastarbeiterfamilien in die Stadt

Zwei Jahre später hoben die Schwestern - inzwischen zu viert - den Kindergarten in ihrem Hause aus der Taufe: Die ersten Gastarbeiter in der Fischindustrie brauchten dringend eine Betreuung für ihre Kinder. Durch Anwerbeverträge kamen laufend neue Arbeitskräfte nach Cuxhaven, viele von ihnen aus Spanien. Nach der Gründung des Spanischen Zentrums in der früheren Scheune im Jahr 1967 wurde der Dachboden zu einer Kapelle ausgebaut. Am 25. August 1967 wurde diese feierlich eingeweiht.

Die Kapelle St. Willehad wurde im Dachgeschoss eingerichtet. Foto: CNV-Archiv

Wachstum und Abschied wechselten sich ab

Nächster großer Schritt war die Errichtung einer modernen Kindertagesstätte hinter dem Spanischen Zentrum; vor gut zehn Jahren kam ein Krippenanbau dazu. Dieses Wachstum wurde jedoch flankiert durch den Abschied von der St. Willehad-Kapelle. Sie wurde im Oktober 2011 profaniert; das heißt, sie erfüllte danach keinen kirchlichen Zweck mehr. Gleichzeitig galt es, Abschied von der letzten Ordensschwester, Schwester Verona, zu nehmen, die 16 Jahre lang in der Gemeinde tätig gewesen war. Im Sommer 2023 schließlich wurde das Spanische Zentrum mit der früheren Kapelle abgerissen.

Die Türgriffe aus dem Soanischen Zentrum mit der Kapelle verbleiben nun als Andenken in der Kita St. Willehad. Foto: Reese-Winne

Türgriffe bleiben als Andenken erhalten

Ein wesentliches Detail aus dem vertrauten Gebäude spielte eine wichtige Rolle bei der Jubiläumsfeier in der Kita. Klemens Becher hatten die geliebten Türgriffe - in Fischform gestaltet - aufbewahrt. Sie bleiben nun als Geschenk und Andenken in der Kita St. Willehad. Eine Einrichtung, in der alle willkommen seien, wie Leiterin Barbara Itgen betonte.

Kita-Leiterin Barbara Itgen und Pfarrer Christian Piegenschke bei ihren Begrüßungsworten. Foto: Kita St. Willehad

13 Nationen gehören zur Kita-Gemeinschaft. "Wir waren immer ein offenes Haus. Alle sind uns herzlich willkommen. Integration funktioniert bei uns in allen Bereichen", unterstrich Barbara Itgen. Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, denen ihr herzlicher Dank galt, äußere sich durch eine langjährige Treue.

Auch etablierte Einrichtungen brauchen Unterstützung

Damit auch die Unterstützung von außen funktioniert, nutzte sie bei der Feier in großer Runde die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass nicht nur Kita-Neubauten, sondern auch die etablierten Einrichtungen die Aufmerksamkeit - und finanzielle Ausstattung - durch Politik und Verwaltung benötigten. Ganz konkretes Beispiel sei die Küche ihrer Einrichtung, die 40 Jahre nach dem Neubau dringend erneuert gehöre.

Die imposante Geburtstagstorte.

Gäste aus der Stadt Cuxhaven - allen voran Oberbürgermeister Uwe Santjer (selbst einmal stellvertretender Leiter dieser Einrichtung), der katholischen Kirchengemeinde St. Marien und der Caritas, Freunde, Sponsoren und Ehemalige begannen die Feier mit einem Wortgottesdienst unter freiem Himmel, bevor gemeinsam mit der portugiesischen Folkloregruppe getanzt und das Grill- und Kuchenbuffet mit der imposanten Geburtstagstorte geplündert wurde. Als ehrliche Anerkennung empfand das Team eine durch die Stadt überreichte Urkunde.  

Die portugiesische Folkloregruppe animierte die Gäste zum Mittanzen. Foto: St. Willehad
Begrüßung auf dem Kita-Gelände. Foto: St. Willehad

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

Google News

Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Hier CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinzufügen.


CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Konzert mit Danny Bryant & Band

Was analoger Bluesrock mit unseren Smartwatches macht

von Kai Koppe

Das war ja wie in der Jugendzeit", meint ein Besucher auf halbem Weg Richtung Saalausgang. Die Zugaben sind inzwischen verklungen, gut zwei Stunden lang haben die Musiker an diesem Abend gespielt.

Geschichte wird sichtbar

Fund auf Fliegerhorst Nordholz: Aeronauticum möchte  Sturmgeschütz für seine Sammlung

von Maren Reese-Winne

Das Deutsche Luftschiff- und Marinefliegermuseum Aeronauticum in Nordholz (Kreis Cuxhaven) möchte sich den vor seiner Haustür gemachten Sensationsfund aus dem Zweiten Weltkrieg für seine Ausstellung sichern und öffentlich zugänglich machen. 

Erinnerung bewahren

Tradition der Portugiesen in Cuxhaven: Fátima-Prozession mit der Marien-Statue 

von Maren Reese-Winne

Einmal im Jahr zieht die portugiesische Gemeinde Cuxhaven in einer Prozession durch die Innenstadt. Mit sich trägt sie die von Blumen umgebene Marien-Statue aus der St. Marien-Kirche. Damit wird an ein ganz besonderes Ereignis erinnert.

Kunst erleben

"Cux Art" in der Kugelbake-Halle: Vielfalt und Inspiration auf Kunstmesse in Cuxhaven

von Maren Reese-Winne

Zum ersten Mal wird auf der Messe "Cux Art" in der Cuxhavener Kugelbake-Halle eine Besonderheit angeboten. Die Messe bot die Möglichkeit, an 69 Ständen Kunst zu entdecken und mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen.