Eine ureigene Aufgabe des Deutschen Marineflieger- und Luftschiff-Museums Aeronauticum ist auch die Darstellung des Standorts Nordholz. Foto: Reese-Winne
Eine ureigene Aufgabe des Deutschen Marineflieger- und Luftschiff-Museums Aeronauticum ist auch die Darstellung des Standorts Nordholz. Foto: Reese-Winne
Geschichte wird sichtbar

Fund auf Fliegerhorst Nordholz: Aeronauticum möchte  Sturmgeschütz für seine Sammlung

von Maren Reese-Winne | 18.05.2026

Das Deutsche Luftschiff- und Marinefliegermuseum Aeronauticum in Nordholz (Kreis Cuxhaven) möchte sich den vor seiner Haustür gemachten Sensationsfund aus dem Zweiten Weltkrieg für seine Ausstellung sichern und öffentlich zugänglich machen. 

Es wäre nicht nur eine räumlich nahegelegene, sondern auch eine naheliegende Lösung: Für Hans-Peter Weber, kaufmännischer Leiter des Aeronauticums, ist der Weg schon vorgezeichnet: Er möchte das Sturmgeschütz III (Stug III), das Ende April auf dem Fliegerhorst Nordholz entdeckt worden ist, für das Aeronauticum sichern. Und das habe er auch sehr frühzeitig der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) signalisiert, berichtet er im Gespräch mit CNV-Medien, den Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung.

Gleich nachdem er von dem Fund erfahren habe, nämlich sehr frühzeitig, habe er das Interesse der Stiftung Deutsches Luftschiff- und Marinefliegermuseum Nordholz in der Dienststelle Koblenz schriftlich bekundet. Denn Aufgabe des bekanntlich gleich neben dem Haupttor des Fliegerhorsts liegenden Museums sei ausdrücklich nicht nur das Bewahren und die Darstellung der deutschen Luftschiff- und See- und Marinefliegergeschichte, sondern auch die Bewahrung der Geschichte des Standorts Nordholz.

Augenzeuge hat sich gemeldet

Das Sturmgeschütz wäre nach Ansicht Webers als nächstes Großexponat geradezu ideal dafür geeignet, die Geschichte der letzten Kriegstage des Zweiten Weltkriegs und der frühen Nachkriegszeit in Nordholz öffentlich ausführlich darzustellen und die Forschungen dazu voranzutreiben. Im Museum hätten sich sogar bereits Interessierte gemeldet, die die Experten dabei unterstützen wollten; unter anderem auch ein Augenzeuge - ein älterer Herr, der als Kind diese Zeit in Nordholz erlebt und gesehen habe, wie dort Großgeräte beim Abzug der Amerikaner versenkt worden seien. 

Im Internet kursieren die Bilder der Fundstelle bereits in zahlreichen sozialen Netzwerken und Foren. Foto: Reese-Winne

Auch Fotos und weitere Dokumente deuten darauf hin, dass damals noch mehr Geschütze, Fahrzeuge und wahrscheinlich auch Flugzeuge in einem großen Panzergraben versenkt worden sind. Diesen Graben hatten Soldaten der gegen Kriegsende in Nordholz zusammengezogenen Reste der 7. Fallschirmjägerdivision der deutschen Wehrmacht in der Hoffnung gegraben, damit die anrückenden Engländer und Amerikaner aufzuhalten. Tatsächlich kam es zur deutschen Kapitulation und das Kriegsgerät wurde nicht mehr gebraucht.  

Auf dem Fliegerhorst versammelten sich deutsche Soldaten

Der Fliegerhorst Nordholz wurde bei Kriegsende von den Alliierten als Sammelpunkt für die in den Nachbarorten versprengten Wehrmacht-Soldaten bestimmt. Hier wurden sie festgenommen und auf verschiedene Internierungslager verteilt. Manche wurden aber auch als Hilfskräfte auf dem Flugplatz benötigt, nachdem US-Amerikaner diesen am 5. Juni 1945 besetzt hatten; dies galt als bester Job in dieser Zeit. Bei dem Abzug der US-Truppen Ende 1946 wurden die hier gestrandeten Fahrzeuge offenbar in den Löchern versenkt.    

Eine ureigene Aufgabe des Deutschen Marineflieger- und Luftschiff-Museums Aeronauticum ist auch die Darstellung des Standorts Nordholz. Foto: Reese-Winne

Das Aeronauticum beabsichtige keineswegs, dem Deutschen Panzermuseum in Munster, das wohl ebenfalls Interesse bekundet habe, Konkurrenz zu machen, betont Hans-Peter Weber. Vielmehr gehe es hier um die platzbezogene Geschichte. Da diese Geschütze (sie sehen aus wie Panzer, sind aber formal keine) nicht allzu selten seien, hofft Weber auf den Zuschlag für Nordholz.

Kurze Wege sparen Zeit und Kosten

Dabei dürften seiner Ansicht nach auch ganz praktische Argumente zählen: Er schätzt, dass das Objekt mit Gerätschaften des Schwertransportunternehmens Toscani aus Langen binnen einer Woche aus dem Erdreich geborgen und ins Aeronauticum transportiert werden könne: "Wir stehen bereit", kündigt er an. Sobald eine Freigabe erfolge, könne das Museum tätig werden.  

Ziel sei nicht eine Rekonstruktion wie im Urzustand, sondern lediglich eine behutsame Säuberung und Konservierung. In dem Zustand solle das Relikt des Zweiten Weltkriegs dem Publikum gezeigt werden. Weber weiß um die Außenwirkung besonderer Exponate. Das Interesse an der Sammlung des Museums sei zuletzt durch einen der letzten Seefernaufklärer P-3C Orion aus dem Bestand des MFG 3 als Neuzugang noch mal gestiegen. "Allein dafür kommen die Leute über weite Strecken hierhergefahren; sogar aus dem Ausland." 

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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