Plastikmüll am Cuxhavener Strand: Jugendliche werden zu Forschenden
Ein Unterrichtsprojekt der Freien Waldorfschule Cuxhaven widmete sich mit wissenschaftlichen Methoden dem Plastikmüll am Strand. Unter anderem stellten die Jugendlichen die Frage, ob mehr Müll von der Landseite oder vom Meer herangetragen wird.
Im Rahmen des bundesweiten Schülerwettbewerbs "Geowin" - Geowissenschaft und Nachhaltigkeit - führte die 11. Klasse der Freien Waldorfschule Cuxhaven im Geografie-Hauptunterricht ein eigenständiges Forschungsprojekt zum Thema Plastikmüll an der Nordseeküste durch. Ziel war es, wissenschaftlich zu untersuchen, woher der Müll am Strand stammt.
Nach der Beschäftigung mit der Herstellung, Nutzung und dem Verbleib von Plastik entstand die zentrale Forschungsfrage: "Unterscheidet sich Plastikmüll am Strand je nachdem, ob er vom Land oder aus dem Meer stammt?"
Untersuchungsrahmen selbst festgelegt
Daraus wurden drei Hypothesen entwickelt: a) Am Strandzugang gibt es mehr Verpackungsmüll, b) Im Spülsaum gibt es insgesamt mehr Müll, c) Im Meeresbereich gibt es mehr Fragmente als ganze Gegenstände. Die Klasse entwickelte ein eigenes Untersuchungsdesign, angelehnt an geografische Feldforschung. Als Untersuchungsgebiet wurden ein Abschnitt des Döser Strands (zwischen zwei Buhnen) sowie auf der Landseite ein Strandzugang ausgewählt. Festgelegt wurde auch ein Katalog von Fundstücken, die erfasst werden sollten: Verpackung (Folie, Tüten), Flaschen/Deckel/Becher, Netze/Schnüre, Fragmente, Zigarettenfilter und sonstiges.

An mehreren Tagen begann der Schultag am Döser Strand, um eine Datengrundlage zu gewinnen, und zwar immer morgens im Hauptunterricht (8.15 bis 10 Uhr) und möglichst nach Hochwasser. Dabei wurde nicht nur gesammelt, sondern gezählt und kategorisiert. Schon währenddessen zeigten sich deutliche Muster: Am Strandzugang befand sich viel Verpackungsmüll (etwa Reste von To-go-Produkten), im Spülsaum lagen insgesamt deutlich mehr Funde, darunter viele Fragmente, die nicht zuzuordnen waren. Auffallend war, dass in einem Bereich offenbar viele Besucher des China-Restaurants im Standhaus Döse die Verpackung ihrer Glückskekse fallen lassen.
Daten zusammengeführt und grafisch dargestellt
Zur Auswertung wurden die Daten in enger Anbindung an den Mathematik-Unterricht in Excel-Tabellen übertragen, zusammengeführt und grafisch in Säulen- und Kreisdiagrammen dargestellt. Die Auswertung ergab eine weitgehende Bestätigung der aufgestellten Hypothesen. Eine wichtige Erkenntnis war, dass der Großteil des Mikroplastiks nicht vom Strand stammte, sondern durch das Meer angespült worden war.
Die Schülerinnen und Schüler reflektierten - echtem wissenschaftlichen Arbeiten entsprechend - auch ihre eigene Forschung und beleuchteten mögliche Zählfehler und den Einfluss von Tageszeit und Wetter. Außerdem waren sie sich bewusst, dass es sich nur um eine Stichprobe handelte. Zum Abschluss wurde ein mehrminütiges wissenschaftliches Präsentationsvideo erstellt, in der Methode, Durchführung und Ergebnisse erklärt wurden.
Konkretes Problem einer Küstenstadt
Das Projekt verband zentrale Kompetenzen wie wissenschaftliches Arbeiten und Umweltbewusstsein mit der regionalen Verankerung in Cuxhaven und am Wattenmeer. In der Küstenstadt ist die Problematik der Meeresverschmutzung konkret erfahrbar - ein authentischer Zugang zu Fragen nachhaltiger Entwicklung.
Ein weiterer zentraler Grund für die Wahl dieses Projektes habe in der besonderen Unterrichtsform des Hauptunterrichts an Waldorfschulen gelegen, ergänzt Lehrer Matthis Magiera. Dieser finde in kompakten, mehrwöchigen Epochen statt und ermögliche es, Themen intensiv, zusammenhängend und durchgehend zu bearbeiten. Dies bilde eine ideale Voraussetzung für projektorientiertes und forschendes Lernen, da Planung, Durchführung und Auswertung eng miteinander verzahnt werden könnten.
Matthis Magiera: "Aus persönlicher Perspektive als Wattführer erlebe ich die Auswirkungen von Plastikverschmutzung im Wattenmeer regelmäßig unmittelbar. Diese Erfahrungen haben die Projektwahl zusätzlich geprägt. Es war mir ein Anliegen, diese Beobachtungen in den Unterricht zu integrieren und den Schülerinnen und Schülern einen Zugang zu ermöglichen, der über theoretisches Wissen hinausgeht und eigene Erfahrungen sowie ein vertieftes Verantwortungsbewusstsein für den Naturraum einschließt."