Mit dem Unimog fahren die Einsatzkräfte am Donnerstag bis wenige hundert Meter an die Einsatzstelle. Dann kommen sie nicht mehr weiter. Foto: Feuerwehr
Mit dem Unimog fahren die Einsatzkräfte am Donnerstag bis wenige hundert Meter an die Einsatzstelle. Dann kommen sie nicht mehr weiter. Foto: Feuerwehr
Am Strand vor Sahlenburg

Dramatischer Watt-Einsatz vor Cuxhaven: Erwachsene und Kind entkommen dem Tod

von Joscha Kuczorra | 06.07.2023

Beinahe wäre eine Wattwanderung vor Cuxhaven für drei Menschen tödlich ausgegangen. Zwei Erwachsene und ein Kind sind vor Sahlenburg in Lebensgefahr geraten. "Es war sehr ernst", bilanziert der Einsatzleiter.

Als einen der dramatischsten Einsätze seiner beruflichen Laufbahn bezeichnet Andre Domingues Stehrenberg von der Berufsfeuerwehr Cuxhaven die Szenen, die sich am Donnerstagmittag im Watt vor Sahlenburg abspielten. Es ging um Menschenleben.

Passanten und Mann rufen die Rettungskräfte in Cuxhaven

Mehrere Notrufe gingen gegen 12 Uhr ein. Nicht nur besorgte Beobachter des Szenarios meldeten sich bei der Feuerwehr, sondern auch die in Not geratene Gruppe selbst: Zwei Erwachsene (Mann und Frau) im Alter von knapp über 50 Jahren und ein etwa achtjähriger Junge befanden sich in Lebensgefahr.

Wattwandern von Duhnen bis nach Sahlenburg

Laut Feuerwehr-Einsatzleiter Andre Domingues Stehrenberg wollten die Urlauber aus Nordrhein-Westfalen am Prickenweg entlang durch das Watt von Duhnen nach Sahlenburg laufen. Doch die Wattwanderzeiten waren am Donnerstag zwischen 8.15 und 10.45 Uhr. Niedrigwasser war um 10.32 Uhr, Hochwasser um 16.02 Uhr.

Lebensgefahr am Priel des Sahlenburger Lochs

"Sie sind zur falschen Zeit losgelaufen", erklärt Domingues Stehrenberg. "Sie waren überhaupt nicht informiert." Bei auflaufend Wasser habe sich die dreiköpfige Gruppe am späten Vormittag am Sahlenburger Loch vor Sahlenburg befunden. Die Gruppe lief durch den Priel. Dann wurde es lebensgefährlich. Denn das Wasser stieg.

Frau und Kind werden mit Quadski aus dem Watt gerettet

Die Einsatzleitung bildete sich an der Rettungsstation in Duhnen. Umgehend rückte der Retter der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH mit einem Quadski (Amphibienfahrzeug) aus. Er nahm die Frau und das Kind im Priel direkt auf. Beide hätten sich laut Domingues Stehrenberg bis zum Eintreffen des Retters in Todesangst an den Pricken im Watt festgehalten. "Der Junge wollte gar nicht loslassen", erzählt der Einsatzleiter. "Die Strömung ist gewaltig. Wenn er zuvor schon losgelassen hätte, wäre er weg gewesen."

Retter fahren mit dem Unimog ins Watt vor Sahlenburg

Mit dem Unimog der Freiwilligen Feuerwehr Duhnen fuhren weitere Retter zur Einsatzstelle, um den Mann zu retten. Doch sie kamen mit dem Klein-Lkw aufgrund des hohen Wasserstands nur 200 bis 300 Meter an den Urlauber heran. Weiter ging es zu Fuß, bis sich die Rettungskräfte den Mann schnappten und ihn beim Rausgehen aus dem Priel unterstützten.

Frau verweigert den Transport ins Krankenhaus

Dem Geretteten soll es laut Domingues Stehrenberg zu diesem Zeitpunkt wegen "massiver Vorerkrankungen" schon sehr schlecht gegangen sein. Der Mann wurde nach seiner Rettung ins Krankenhaus gebracht. Auch der Junge kam mit Schnittverletzungen, die er vom Festklammern davongetragen hatte, in die Klinik. Die Frau habe den Krankenhaus-Transport verweigert.

Ernste Situation für die Feuerwehr Cuxhaven

"Es war sehr ernst", bilanziert der Einsatzleiter. Es habe nicht viel gefehlt, dann wäre der Einsatz vermutlich tödlich ausgegangen. "Im Laufe der Zeit habe ich sehr viele Wattrettungseinsätze mitgemacht. Heute war es eine der knappsten Geschichten für mich."

Rat des Einsatzleiters an Wattwanderer in Cuxhaven

Das Verhalten der Urlauber sei nicht nur naiv gewesen, sondern auch lebensgefährlich. "Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass Menschen eine geführte Wattwanderung mitmachen oder auf die Beschilderung am Strand achten sollen", rät Domingues Stehrenberg. Auf den Schildern können sich Urlauber und Einheimische über die Wattwanderzeiten informieren. Gegen 13.30 Uhr war der Einsatz für die Einheiten der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr Duhnen und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft beendet.

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Joscha Kuczorra

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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