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Herbert Kihm in der spätherbstlichen Sonne vor dem Pavillon in seinem Garten: Der scheidende Kommunalpolitiker tritt nach 30 Jahren aus der Politik zurück und öffnet die Tür zu neuen Kapiteln voller familiärer und sprachlicher Abenteuer.
Herbert Kihm in der spätherbstlichen Sonne vor dem Pavillon in seinem Garten: Der scheidende Kommunalpolitiker tritt nach 30 Jahren aus der Politik zurück und öffnet die Tür zu neuen Kapiteln voller familiärer und sprachlicher Abenteuer.
Der Ausgleicher von Sahlenburg

Herbert Kihm verlässt Politik: Ein Neubeginn nach 30 Jahren

von Jens Potschka | 26.09.2026

Plötzlich Applaus: Als Herbert Kihm seine politische Karriere beendet und sich der Familie und neuen Zielen widmet, zeigt sich, wie ein Lehrer zum Brückenbauer wurde. Ein Abschied, der mehr als nur einen Schlussstrich bedeutet.

Der Applaus kam ohne Vorwarnung. Herbert Kihm hatte gerade seinen letzten Redebeitrag im Rat der Stadt begründet, es ging um das Baugebiet Blumenkamp, und er dankte der Sparkasse für ihren Mut, sich nach schwierigen Erfahrungen noch einmal auf das Projekt einzulassen. Dann standen die Kolleginnen und Kollegen auf. Applaus für 30 Jahre Kommunalpolitik, 18 davon als Ortsbürgermeister von Sahlenburg. "Das geht schon näher", sagt Kihm rückblickend, "das berührt dich doch."

Ein SPD-Ratsmitglied hatte ihn einmal den einzig Vernünftigen in der CDU genannt. Vielleicht steckte in den Ovationen genau das: die Anerkennung eines Mannes, der Parteigrenzen überbrückte, weil er Menschen wichtiger nahm als Lager. Seine offizielle Abschiedsrede im Ortsrat Sahlenburg musste an jenem Abend allerdings jemand anderes verlesen. Kihm saß zur gleichen Zeit bei der Einschulung seines Enkels Henry. Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer. Sein Enkel werde sich noch daran erinnern, sagt er, seine Rede werde irgendwann vergessen sein. Die Familie ging vor.

Der Lehrer prägt fürs Leben

1976 kam Kihm nach Cuxhaven, frisch von der Universität Tübingen, wo er Biologie und Geografie studiert hatte. Die erste Bleibe war eine einfache Unterkunft in Altenwalde, hinter der Kneipe "Storchennest", für 100 Mark im Monat. Nach zwei Jahren zog er in die Schubertstraße, in die Wohnung einer Dame, die dem Cuxhavener Winter den Rücken kehrte und mit ihrem Wellensittich nach Kalifornien auswanderte. Dort, sagt Kihm, sei er endgültig zum Cuxhavener geworden.

Über 37 Jahre unterrichtete er am Lichtenberg-Gymnasium Biologie und Geografie, wurde zum Oberstudienrat befördert und ging 2013 in den Ruhestand. Aus seinen Leistungskursen gingen Ärzte und Professoren hervor. Bei ihm sei viel gelacht worden, sagen ehemalige Schüler, dafür seien die Klausuren umso härter gewesen. Kihm sieht darin keinen Widerspruch: Ohne Leistung, ist er überzeugt, geht im Leben wenig. In die Politik fand er über einen Umweg. Sein Geschichtslehrer, ein SPD-Mann, gab ihm schlechte Noten. Aus Protest trat der junge Kihm 1969 in die Junge Union ein, geprägt auch vom katholischen Elternhaus im Saarland, in dem ein Onkel als Kapuzinerpater wirkte.

Bürgermeister aus Demut und Stolz

1996 zog Kihm erstmals in den Ortsrat Sahlenburg ein, ab 2006 führte er ihn als Ortsbürgermeister. Dazu saß er seit 2006 im Rat der Stadt. Von 2015 bis 2016 bekleidete er das Amt des Bürgermeisters von Cuxhaven. "Das hat mich innerlich stolz gemacht", sagt er, "aber ich habe mir gesagt, dieser Ehre musst du dich würdig erweisen." Diese Mischung aus Stolz und Demut beschreibt den Mann gut. Ausgleichend sei er, sagen Weggefährten, mit einer Gabe für den passenden Scherz zur rechten Zeit.

Deichbau, Radwege, die Zukunft des ehemaligen Helios-Geländes, die Entwicklung von Baugebieten: Themen gab es genug für einen, der sich selbst als Teamplayer mit klarer Haltung versteht. Nicht alles gelang. Eine Promotion in Biologie, einst von seinem Professor angeboten, schlug er aus, weil sein Vater in Rente ging und die Familie ihm wichtiger war als der akademische Titel.

Toleranz als Erfolgsrezept der Ehe

Seit 41 Jahren ist Herbert Kihm mit Dr. Eva-Maria Fredrich-Kihm verheiratet, promovierte Historikerin, ausgeprägte Weltreisende. Ihr Rezept: Jeder behält seinen eigenen Wirkungskreis. Während er am Schreibtisch Ratsvorlagen durcharbeitete, saß sie an ihren eigenen Projekten, unternahm irgendwann sogar eine fünfmonatige Weltreise allein.

Auch die Konfessionen blieben getrennt, katholisch er, evangelisch sie, Weihnachten gab es die Gans dennoch gemeinsam. Zwei Enkel, Henri und Elisa, füllen nun einen Teil der neu gewonnenen Zeit. Daneben will Kihm wieder mehr schreiben, sein Französisch auffrischen und endlich Italienisch lernen, eine Sprache, die ihn schon als Student in Apulien verzaubert hat. Sein Lieblingsbeispiel für ihren Klang: Aus dem nüchternen Jakob Neuhaus wird im Italienischen Giacomo Casanova. Der Klang allein, findet er, erzählt schon eine andere Geschichte.

Nach 30 Jahren im Dienst der Gemeinschaft schreibt Herbert Kihm jetzt sein eigenes nächstes Kapitel, mit Familie, mit Sprachen und mit derselben Gelassenheit, die ihn all die Jahre ausgezeichnet hat.

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