Kartoffelpflanzen im Waldkindergarten Cuxhaven: Eine Schatzsuche der besonderen Art
Wenn die Kinder des Cuxhavener Waldkindergartens Kartoffeln pflanzen, entgeht ihnen kein Regenwurm. Am Mittwoch war Premiere - damit im Herbst eine Schatzsuche der anderen Art stattfinden kann.
"Wenn die Kartoffel nicht wär, blieb' die Pommesbude leer", schmettern zwölf Kinder und eine Handvoll Erwachsene. Damit es bloß nicht dazu kommt und der Kartoffelnachschub jederzeit gesichert ist, ist heute Pflanztag in Sichtweite des Galgenbergs.
Das ist eine Premiere in der ebenso zauberhaften wie beeindruckenden Obstsortenerhaltungsanlage von Dr. Jens Dreyßig in Sichtweite des Karl-Waller-Wegs. Einmal im Monat sie die Kinder hier zu Gast. Entsprechend zielstrebig bewegen sie sich zwischen den Obstbäumen, von denen die ersten bereits in voller Blüte stehen, und schauen als erstes mit Jutta und Jens Dreyßig, was die Himbeersträucher so machen. Mit Kletten bedeckt, einer Distel in und einem Kind an der Hand kommt Jutta Dreyßig zum heute wichtigsten Ort des Geschehens zurück.
Jede Sorte wird bejubelt und besungen
Das Kartoffelbeet haben die Kinder mitgebaut, Bretter gehalten und mit einem großen Hammer Pfosten eingeschlagen, um sich hinterher in die Erde zu stürzen - zusammen mit den Erwachsenen übrigens. Nun aber liegen Bohlen über dem Beet und Schnüre markieren die Reihen, wo gleich die Kartoffeln eingesetzt werden sollen. Bunte Kartoffeln haben sich die Drei- bis Sechsjährigen gewünscht und Dreyßigs haben entsprechende Exemplare in Bio-Qualität besorgt.
Jeder Sortenname wird bejubelt und manchmal auch besungen: "Anneliese, ach Anneliese" und "Purple Rain" stimmen Kita-Leiterin Petra Blanke, Carola Brandt und Sandra Krullmann vom Waldkindergarten zusammen mit Jutta Dreyßig an. Nur "Layla" nicht... Aber die Kartoffelsorte wird ja auch "Leyla" geschrieben. Der indianische Name der Sorte "Cheyenne" deutet schon darauf hin, wie schön rot die Schale zur Erntezeit leuchten wird. Bei manchen Sorten beschränkt sich das Farbenspiel auf die Schale, bei anderen wird auch das Innere farblich durchzogen sein.
Wessen Matschhose ist am dreckigsten?
15 Zentimeter - also rund zwei Hände tief - müssen die Schätze vergraben werden, und zwar so, dass die "Babys" (Keime) nach oben zeigen. Alle zeigen vollen Einsatz. "Jens, Jens, guck mal, wie dreckig ich schon bin!", kräht ein Kind stolz und zeigt seine Matschhose vor. Zeit für ein neues Lied: "Schwarze Fingernägel, 'ne Klette im Haar", stimmen Sandra Krullmann und Petra Blanke lachend an. Zum Händewaschen haben sie Wasser in einer Thermosflasche und lose Lavaerde dabei, die sorglos auf den Boden tropfen darf.
Von der Regentonne muss nun noch Wasser herangeschleppt werden. Der Anfang ist gemacht, ab jetzt ist gute Pflege angesagt. Im Juni werden die Kinder schon beim Anhäufeln helfen können, die Krönung wird dann im August/September die gemeinsame Ernte samt Kartoffelfest an der Feuerschale mit den Eltern sein. "Für die Kinder wird das wie Goldgraben - ist es ja eigentlich auch", freut sich Jens Dreyßig. "Und wir überlegen schon mal, was alles aus Kartoffeln gemacht und dann mitgebracht werden kann," grinsen die Erzieherinnen.
Kostbare Momente in der heutigen Zeit
Es braucht nicht viel, damit es an so einem Vormittag nicht einen Moment langweilig wird. Eine Gartenliege? Herrlich zum Rumrollen, Schaukeln und Geschichten erzählen. Zwischendurch mal an den Bienenstöcken dem Brummen der Bienen lauschen. Kein kleines Getier entgeht den Kleinen: "Ein Regenwurm!", "Eine Spinne! Die läuft zu Dir, Petra!" rufen sie oder präsentieren ihre Schneckensammlung. Wie kostbar solche Momente in der heutigen Zeit sind, wissen natürlich auch die Eltern, die ihre Kinder an den Tagen immer direkt zur Gartenanlage bringen. Am Mittwoch mussten sie natürlich direkt das Kartoffelbeet bewundern.
Der Waldkindergarten des Paritätischen Cuxhaven mit 15 Plätzen befindet sich neben dem Wattenmeer-Besucherzentrum mit Blick aufs Wattenmeer. Die Betreuungszeit reicht von 7.45 und 13.45 Uhr.
Wenige Zeilen reichen nicht, um die Dimension der Obstsortenerhaltungsanlage zu beschreiben. Nur so viel: Fast alles, was es in Deutschland an Obstsorten gibt, wird man wohl in der europaweit bekannten Anlage "Bien Galgenberg" finden: Allein 800 alte Apfelsorten, Zwetschgen, Kirschen, Birnen, allein jeweils 30 Sorten Himbeeren und Stachelbeeren, Johannisbeeren, aber auch Kiwis, Feigen und vieles mehr; ein Paradies mitten in Cuxhaven.
Ein zentrales Ziel ist der Erhalt von Vermehrungsmaterial: Im Herbst erhält Dr. Jens Dreyßig Anfragen aus ganz Europa. Allein der Schnitt der Bäume füllt die gesamten Wintermonate aus.