35 Jahre herausragendes Engagement: Cuxhavenerin geehrt
Die Cuxhavenerin Silvia Martin y Troyano ist kürzlich für ihre Verdienste geehrt worden. Sie engagiert sich seit 35 Jahren im "Weissen Ring". Seit 1987 dabei, wurde ihr 1995 offiziell die Leitung der Außenstelle Cuxhaven übertragen.
Wie tritt man einem Menschen gegenüber, der Opfer eines Verbrechens geworden ist? Der durch eine Straftat versehrt wurde oder gar einen Angehörigen verloren hat? In solchen Momenten den richtigen Ton zu treffen, sei eine Gabe, sagt Silvia Martin y Troyano. Kürzlich wurde die Cuxhavenerin für 35 Jahre herausragendes Engagement im "Weissen Ring" geehrt.
Von der Opferschutzorganisation - ein eingetragener Verein, der sich über Mitgliedsbeiträge, Spenden, aber auch über gerichtlich verhängte Geldauflagen finanziert - erfuhr Martin y Troyano einst aus der Zeitung. Sie hatte nach einem Betätigungsfeld gesucht, wollte mit Menschen zu tun haben und auf ehrenamtlicher Basis für andere etwas tun. Der "Weisse Ring" sei in den Achtzigerjahren noch relativ unbekannt gewesen, erinnert sich die Jubilarin, die von den Zielen des Vereins sofort überzeugt war. Seit 1987 dabei, wurde ihr 1995 offiziell die Leitung der Außenstelle Cuxhaven übertragen.
Schicksale lassen die Berater nicht kalt
"Derzeit sind wir hier fünf bis sechs Beraterinnen und Berater", berichtet Silvia Martin y Troyano. Ganz verschiedene Charaktere; eine erfolgreiche Beratung bestehe deshalb auch darin, den richtigen Ehrenamtlichen mit der Hilfe suchenden Person zusammenzubringen. Was nicht heißen soll, dass die einen besser und andere schlechter geeignet wären: "Jeder der sich ein Herz fasst, hat etwas parat, was er geben kann", betont Martin y Troyano, die kein Geheimnis daraus macht, dass die Arbeit sein kann. Denn das Leid der Opfer ist mitunter unermesslich, was Taten beziehungsweise die Täter angeht, blicken die Ehrenamtliche nicht selten in Abgründe. "Wir sind natürlich geschult", sagt die Außenstellenleiterin. Geht es um besonders gravierende Fällen trifft man sich im Kollegenkreis auch mal spontan, abseits der turnusmäßigen Besprechungstermine.
Wunsch: Position des Opfers stärken
Mit manchen Dingen hadert Martin y Troyano noch genau so wie vor 35 Jahren. Zum Beispiel mit der Rolle, die dem Opfer innerhalb des Gerichtsprozesses zugedacht ist. In der mündlichen Verhandlung fokussiert sich alles auf den mutmaßlichen Täter; Geschädigte, die Ansprüche geltend machen, werden bereits in sprachlicher Hinsicht auf den Status des Nebenklägers reduziert. Innerhalb der Vernehmung betrachtet man das Opfer als Zeugen, dessen Aussagen jederzeit auseinander genommen werden können. "Unser Weisser Ring ist mit Geld nicht zu bezahlen", denkt Martin y Troyano - nicht nur, wenn es im Gerichtssaal hart auf hart kommt. Für die Cuxhavenerin steht trotzdem fest, dass Opfern grundsätzlich ein Rechtsbeistand zugesprochen werden sollte - und zwar auf Kosten der Staatskasse. Zwar sei der "Weisse Ring" in der Lage, Hilfeschecks für eine anwaltliche Erstberatung auszustellen. Martin y Troyano stört sich dennoch an einem Ungleichgewicht: "Täter haben mit dem Anwaltsthema keine Sorgen", sagt sie in Anspielung auf das Pflichtmandat.
Nimmt kein Blatt vor den Mund
Dass man achtsamer mit Kriminalitätsopfern umgehe, sei ihr Wunsch, betont die Außenstellenleiterin, die bei Bedarf kein Blatt vor den Mund nimmt. "Da kann es passieren, dass ich nach einem Urteil dem Staatsanwalt hinterherlaufe und sage: Hören Sie mal, so kann das aber nicht bleiben!", bekennt die Jubilarin, die von Steffen Hörning, Landesvorsitzender des "Weissen Ring" Niedersachsen eine Dank- und Anerkennungsurkunde erhielt.
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