Große Feier mit stillem Moment: Offenes Herz Altenwalde feiert zehnten Geburtstag
Die Altenwalder Kreuzkirche wurde zum Schauplatz eines besonderen Jubiläums. Seit einer Dekade prägt das "Offene Herz Altenwalde" die Gemeinschaft in Cuxhaven und zeigt, wie aus Besorgnis und Hilfsbereitschaft eine starke Verbindung entstand.
An den Wänden des Gemeindehauses der Altenwalder Kreuzkirche hingen Zeitungsartikel und Fotos aus zehn Jahren - drei Stellwände, jahrgangsweise von 2016 bis 2025 sortiert, zeigten Sprachkurse, Ausflüge, interkulturelle Feste und die Anfänge des Secondhand-Kaufhauses. Wer am Sonnabendnachmittag (28. Februar 2026) durch diese stille Ausstellung schlenderte, verstand, warum der Saal des Gemeindehauses bis auf den letzten Platz besetzt war. Das "Offene Herz Altenwalde" - kurz OHA - feierte seinen zehnten Geburtstag.

Renate Weermann vom OHA-Leitungsteam eröffnete die Feierstunde mit einem Rückblick auf den Herbst 2015, als Geflüchtete in der alten Kaserne Schutz fanden und die Kirchengemeinde die Türen öffnete, buchstäblich wie im übertragenen Sinne. Aus Besorgnis und Hilfsbereitschaft sei das OHA entstanden, und es sei geblieben, auch als die gesellschaftliche Stimmung rauer wurde. "Egal, welche Strömungen es im Lande gibt, euer Herz bleibt offen. Euer stetiges Tun setzt ein viel größeres Zeichen als einzelne Aktionen", sagte Weermann. Ihren Dank richtete sie an Stadt, Landkreis, Ortsrat und Kirchenkreis für zehn Jahre Unterstützung.

Ortspolitik und Kirche: eine Zusammenarbeit, die ihresgleichen sucht
Ortsbürgermeister Ingo Grahmann, der den Nachmittag als Moderator begleitete, erinnerte daran, wie Ortspolitik und Kirchengemeinde 2015 gemeinsam entschieden hatten, die Bürgerversammlung in der Kirche abzuhalten, damit niemand das Gefühl bekomme, Entscheidungen würden im stillen Kämmerlein getroffen. "Das war ein Glücksgriff", sagte er. "Hier schlägt das soziale Herz unseres Stadtteils."
Oberbürgermeister Uwe Santjer sprach Klartext: "Das Wichtigste ist, dass wir uns selbst haben. Was nützt uns die schönste Kita, wenn wir nicht gut miteinander sind?" Heute lebten über 700 Menschen aus der Ukraine in Cuxhaven. Sie sind hervorragend integriert, nicht zuletzt dank Ehrenamtlicher wie denen des OHA.

Anke Conrad, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, fand ein treffendes Bild für das Wesen des Projekts: "Ihr seid kein Aufflackern der Kerzen, sondern ein wärmendes Familienfeuer." Das OHA habe nicht nur auf eine Krise reagiert, sondern Verlässlichkeit geschaffen, die dauerhaft gebraucht werde. Landkreis-Dezernent Friedhelm Ottens, 2015 persönlich für die Unterbringung Geflüchteter im gesamten Landkreis zuständig, dankte dem OHA dafür, auch gegenüber Behörden Anwalt der Schutzsuchenden gewesen zu sein. Sein Appell fiel knapp und herzlich aus: "Seid weiter so unbequem. Dafür danke."

Ein stiller Moment: Gedenken an Alexandra Marx
Mitten in die Feierlichkeit fiel ein stiller Moment. Renate Weermann bat die Gäste innezuhalten und gedachte Alexandra Marx, eines Gründungsmitglieds, das kurz vor dem Jubiläum nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben war. Alex hatte die erste Koordinationsstelle übernommen, Strukturen geschaffen, den Mittagstisch ins Leben gerufen und das digitale Gesicht des OHA geprägt. "Ihr Adlerauge beim Gegenlesen von Texten war sprichwörtlich", sagte Weermann leise. "Du fehlst uns, und wir werden dich in unserem Herzen behalten." Wegen ihres Todes war die Feier vom Oktober auf Februar verschoben worden.

Neunundvierzig Urkunden und eine Geburtstagstorte
Musikalisch umrahmte Sängerin Yuliia Sevostianova den Nachmittag mit Liedern von Schumann und Verdi sowie einem ukrainischen Volkslied. Pastor i. R. Achim Wolff, der das OHA von der ersten Stunde an begleitet hatte, gab den Dank, der ihm zuteilgeworden war, sogleich zurück: "Ohne eure Ideen und Zuversicht wäre das alles nichts geworden. Ich durfte immer Ja sagen - niemals Nein." OHA-Koordinatorin Mirjam Schneider überreichte gemeinsam mit Silke Karallus Urkunden des Landes Niedersachsen an neunundvierzig aktive Ehrenamtliche - "Das ist doch fantastisch", sagte sie strahlend. Den süßesten Beitrag leistete Konditorin Elena Balabukha, die gemeinsam mit Dolmetscherin Svetlana Neuendorf die Geburtstagstorte anschnitt und verteilte. Nach Gruppenfoto, Quiz und Verlosung endete die Feierstunde offiziell um halb sechs - doch viele blieben noch lange. Das offene Herz Altenwalde hat eben nicht zu.
