Snoopy ist da: Im Septemer hat Jochen Bendel einen American Staffordshire Terrier aus dem Cuxhavener Tierheim adoptiert. Foto: privat/Bendel
Snoopy ist da: Im Septemer hat Jochen Bendel einen American Staffordshire Terrier aus dem Cuxhavener Tierheim adoptiert. Foto: privat/Bendel
Interview

Silvester mit Hund: Moderator und Hundetrainer Jochen Bendel aus Cuxhaven gibt Tipps

von Christian Mangels | 26.12.2023

Die einen feiern, die anderen leiden: Für Menschen ist der Jahreswechsel ein Spektakel, für viele Hunde dagegen eine Qual. Der Moderator und Hundetrainer Jochen Bendel gibt Tipps für ein angstfreies Silvester - und blickt auf sein Jahr 2023 zurück.

Herr Bendel, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wie ist 2023 für Sie gelaufen?

Es war ein wunderschönes, aber gleichzeitig auch ein ganz schlimmes Jahr. Wunderschön war es, weil ich zum ersten Mal den Sommer komplett in Cuxhaven verbracht habe. Wir haben uns ein Paddleboard gekauft und waren viel in der Bucht. Außerdem habe ich ein Hund aus dem Cuxhavener Tierheim adoptiert und mir dafür viel Zeit genommen. Jobmäßig war es für mich auch wieder ein sehr erfolgreiches Jahr. Ich habe eine vierteilige Doku über den illegalen Welpenhandel gedreht, meine wichtigste journalistische Arbeit. Ein schlimmes Jahr war es, weil mein Vater gestorben ist. Er war drei Jahre sehr krank. Im vergangenen Jahr war er noch einmal hier. Das war immer sein großer Wunsch gewesen, noch einmal nach Cuxhaven zu kommen und unser Zuhause zu sehen. Mein Vater hatte als Münchener immer diesen großen Drang zur Nordsee - er liebte das einfach. Er hat die Natur und diese Weite in Cuxhaven genossen. Das war schön, dass ich ihm das noch einmal zeigen konnte. In diesem Jahr hat er leider keine Kraft mehr gehabt. Ich bin froh, dass er zumindest einmal da war und alles gesehen hat. Ja, das war hart. Dass mein Mops Gizmo jetzt so krank ist, ist auch traurig. Für einen Dauerlauf hat er nicht mehr so viel Puste, es geht in Richtung Endspurt. Aber so ist das halt im Leben. Es war ein extremes Jahr. Es war extrem gut oder extrem bescheiden.

Sie haben es bereits angesprochen: Im Septemer haben Sie aus dem Cuxhavener Tierheim einen American Staffordshire Terrier adoptiert, Snoopy, einen sogenannten Listenhund. Das ging durch die Schlagzeilen. Wie hat sich Snoopy eingelebt und wie würden Sie seinen Charakter beschreiben?

Er ist in der Pubertät. Das beschreibt eigentlich alles. Er testet sich gerade ein bisschen aus. Als ich ihn kennengelernt habe, war er dankbar, dass er bei Menschen sein kann, die ihm Aufmerksamkeit geben, die ihn lieben. Er kam auch aus dem illegalen Welpenhandel und hatte gefälschte Papiere.

Wie verträgt sich Snoopy mit den anderen beiden Hunden?

Im Grunde sagen sie zum Gizmo alle "Boss". Ich weiß nicht, wie der Gizmo das macht, aber er steuert alle. Und das, obwohl er der kleinste und schwächste ist. Er sitzt da und starrt den Snoopy an - und Snoopy ist im Vergleich zum Gizmo ein Tyrannosaurus rex - und Snoopy sagt "Ok, ich gehe" und dreht sich um. Snoopy ist wahnsinnig neugierig, immer sehr verspielt. Er ist eigentlich wie ein zwölfjähriger Teenager, der langsam seine Grenzen kennenlernen will. Er ist mir neulich mal abgehauen. Zwischen Duhnen und Sahlenburg ist er in die Dornen reingegangen und verschwunden. Pubertät ist ja auch dafür da, sich abzunabeln und eigenständiger zu werden. Ansonsten ist er treudoof und freut sich über alle Menschen. Andere Hunde mag er auch total gerne.

Geht es Ihnen auch darum, gegen den schlechten Ruf der American Staffordshire Terrier anzukämpfen?

Ja, mir liegt sehr viel daran, über die als "Kampfhunde" bekannten und diskriminierten Hunderassen aufzuklären. Dafür teile ich viel von Snoopy in der Öffentlichkeit, um zu zeigen, was alles Tolles in so einem Hund steckt. Ich bin der persönlichen Überzeugung: Es gibt nur wenig Rassen, die besser geeignet sind, in einer Familie zu leben, als American Staffordshire Terrier. Es sind sehr menschenbezogene, offene, freundliche , kontaktliebende, fürsorgliche Hunde, die sehr kräftig sind, sehr sportlich. Es sind Allrounder. Mit denen kannst du sechs Kilometer joggen gehen, dann noch Fahrradfahren und dann noch schwimmen. Du denkst dann, jetzt müsste der Akku eigentlich leer sein. Dann schläft der Hund eine Stunde und ist schon wieder aufgeladen. Trotzdem kuschelt Snoopy gerne, ist Kindern gegenüber sehr zurückhaltend und höflich. Aber es ist kein Hund für Anfänger, sondern gehört in hundeerfahrene Hände. Aber wie gesagt, er ist noch in der Pubertät. Wir lachen viel.

Viele Hundebesitzer sind nervös wegen des anstehenden Jahreswechsels. Ist die Silvesternacht für Hunde wirklich so schlimm?

Gegenfrage: Kennen Sie jemanden, der Flugangst hat?

Oh ja, da kenne ich jemanden...

So ist es auch mit einem Hund, der Angst vor Silvester hat. Er hat ja nicht Angst vor dem Datum, sondern er hat Angst vor den Geräuschen. Vor dem Knallen und dem Rauch. Das hat unterschiedliche Ursachen. Besonders bei Hunden aus dem Tierschutz kann das ein Trauma gewesen sein in der frühen Phase der Sozialisierung. Das kann aber auch durch Unsicherheit kommen. Das hat nicht jeder Hund von Grund auf. Wenn du einen jungen Hund bekommst, ist es wichtig, in der Sozialisierungsphase - etwa ab der zehnten Woche - das Tier auf solche Dinge vorzubereiten oder ihnen die Möglichkeit zu geben, diese Reize schon einmal ganz kontrolliert kennenzulernen. In der Hundeschule wird das zum Beispiel gemacht. Es gibt DVDs oder Videos bei Youtube mit Silvesterknallerei. Damit kann man Hunde Schritt für Schritt, mit vielen Leckerchen und Lob an die Knallerei gewöhnen. Jetzt, zwischen den Jahren, den Hund daran zu gewöhnen, ist natürlich zu spät. Das muss man langfristig und vorsichtig aufbauen.

Kann man Hund in der Silvesternacht auch einfach festhalten und so beruhigen?

Ja. Ich finde es immer wichtig, wenn ein Hund Angst vor etwas hat, dies nicht zu ignorieren. Früher hat man gesagt: "Der soll sich nicht so anstellen". Das ist der völlig falsche Weg. Wenn der Hund Schutz bei dir sucht und auf den Schoß will, solltest du ihm das nicht verwehren. Es ist auch wichtig, die Wohnung gegen die äußeren Einflüsse sicher zu machen.

Manche Hundebesitzer setzen auf spezielle Hundehöhlen. Kann das helfen?

Ja, ich bin ein großer Fan von Boxen für Hunde. Ich arbeite mit meinen Kunden damit, weil Hunde höhlenartige Dinge per se, genetisch bedingt, gut finden. Junge Wölfe verlassen die Wurfhöhle ja erst mit 14 Wochen, das ist sehr spät. Dieser höhlenartige Schutz steckt auch in den Hunden noch drin. Das ist ein guter Rückzugsort für sie. Ich vergleiche so eine Box immer gern mit einem Kinderzimmer: Ein Hund ist im Grunde wie so ein Teenager, der in sein Zimmer geht, sich eine Computerspielkonsole holt und daddelt - da kann man so schön runterfahren und entspannen. Es ist auch wichtig, dann nicht zu stören. Auch wenn sich der Hund unter der Couch versteckt: Holt ihn da nicht raus, lasst ihn da. Gebt ihm etwas Leckeres zum Kauen. Kauen baut Stress ab! Und noch ein Tipp: Hundebesitzer sollten selbst nicht allzu gestresst zu sein. Das spiegelt auf den Hund. Wenn ich schon drei Tage vor Silvester nervös werde, dann ist der Hund schon auf Spannung und denkt sich: "Was ist denn mit meinem Frauchen los, warum ist sie so aufgeregt?"

Kann Musik für Entspannung sorgen?

Ja. Man weiß, dass klassische Musik Hunde beruhigt. Das ist bei ungeborenen Kindern ganz genauso. Wenn ich die Babys mit AC/DC im Mutterleib beschalle, ist das eher kontraproduktiv. Dann doch lieber die "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi. Hunde hören im Hochfrequenzbereich. Das darf nicht zu knallig sein, lieber ruhige, fließende Musik. Bach finde ich immer schön, das plätschert so vor sich hin. Meine Hunde pennen da immer ein.

Manche Hundebesitzer geben ihren Tieren in der Silvesternacht Beruhigungsmittel oder Alkohol. Hundetrainer Martin Rütter rät zu Eierlikör. Was halten Sie davon?

Bitte den Hunden keinen Alkohol geben. Der Hund ist dann besoffen, aber die Angst ist nicht weg. Das ist das große Problem an der Sache. Ich bin eher ein Freund davon, an der Ursache zu arbeiten. Den Eierlikör trinke ich lieber selbst.

Wie ergeht es Ihren Hunden in der Silvesternacht?

Sie sind gechillt. Hunde-Senior Gizmo ist jetzt fast taub, dem ist das alles sowieso egal. Khaleesi haben wir super auf den Jahreswechsel sozialisiert und schon in der Welpen-Spielstunde vorsichtig mit Krach, Knallerei konfrontiert. Snoopy ist noch das große Fragezeichen. Aber neulich war er mit mir bei Sat1, in meiner Late-Night-Show. Da hat er sich plötzlich aus der Deko einen Luftballon gekrallt, ist damit in die Ecke geschlichen und hat reingebissen. Das ganze Ding ist ihm dann um die Ohren geflogen. Und wie hat er reagiert? Er ist total gechillt geblieben. Da habe ich zu meinem Mann gesagt: "Ich glaube, Silvester werden wir kein Problem haben."

Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen einzelnen Hunderassen, wie sie auf Silvester reagieren?

Ja und nein. Das ist wie bei uns Menschen auch. Es gibt Rassen die haben genetisch eine höhere Reizschwelle und Hundepersönlichkeiten, die extrem sensibel sind. Ich könnte Ihnen übrigens noch eine schöne Geschichte über Silvester erzählen. Ich habe in der Silvesternacht 2019 einem Hund das Leben gerettet.

Erzählen Sie...

Wir waren am Silvesterabend an der Kugelbake unterwegs. Es war schon dunkel, auf dem Deich wurde schon geknallt. Plötzlich huschte aus dem Watt ein Schatten an uns vorbei. Es war ein völlig verängstigter Hund, blutverschmiert und ohne Geschirr. Er versuchte die ganze Zeit, auf den Leitdamm zu springen. Da habe ich ihn gepackt und mich auf ihn gelegt, bis das Feuerwerk aufgehört hat. Der Hund hat gezittert. Mein Mann ist währenddessen nach Hause gelaufen und hat Geschirr und eine Leine geholt. Vom Campingplatz kamen dann die Hundebesitzer. Was war passiert? Die Camper hatten dem Hund das Geschirr angezogen und wollten ihm das Feuerwerk zeigen. Es war ein junges Tier, das die Silvesterknallerei noch nie gesehen hatte. Als sie die Wohnwagentür aufmachten, befreite sich der Hund wie Houdini aus dem Geschirr und rannte weg. Wenn niemand den Hund festgehalten hätte, wäre der für immer weg gewesen. Das war mein aufregendstes Silvester.

Zum Schluss: Wie hundefreundlich ist Cuxhaven?

Die Herausforderung, die viele Urlaubsregionen und auch Großstädte haben:  Es kommen immer mehr Leute mit Hund. Aber den Hundebesitzern und ihren Tieren muss man auch etwas bieten, zum Beispiel Freilaufflächen. Ich finde, da kann Cuxhaven durchaus noch eine Schippe drauflegen. Der Trend geht einfach immer mehr zum Urlaub mit Hund. Ich war schon in Regionen an der Nordsee, wo ich das Gefühl hatte, dass dort die ganze Stimmung sehr viel hundefreundlicher ist als in anderen Regionen. Zum Beispiel auf Sylt. Wenn man dort eine Ferienwohnung mieten will und sich erkundigt, ob Hunde erlaubt seien, dann bekommt man als Antwort: "Hunde sind nicht nur erlaubt, sie sind besonders willkommen". Diese Einstellung finde ich schön, das holt mich als Hundebesitzer ab. Ich kenne natürlich die Problematik, dass das alles ein Haufen Geld kostet. Auf der anderen Seite wäre es schade, wenn Cuxhaven den Anschluss verpassen würde. Ich unterstütze da gerne und bin immer bereit, etwas zu tun. Ich mache gern Werbung für unsere idyllische kleine Stadt an der Nordsee. 

TV-Moderator und Hundetrainer Jochen Bendel

Jochen Bendel, am 18. November 1967 in Alzenau geboren, ist seit mehr als 30 Jahren eine feste Größe im Unterhaltungsfernsehen ("Ruck Zuck"). Seit 2018 ist er ausgebildeter Hundetrainer. Er hat zwei Hundebücher geschrieben und führte bereits durch mehrere Tiersendungen. Er hat dem illegalen Welpenhandel den Kampf angesagt und engagiert sich besonders für diskriminierte Hunde wie Listen- oder Kampfhunde. Mit seinem Mann Matthias und den beiden Hunden Snoopy und Khaleesi lebt der gebürtige Franke in Cuxhaven. Bendels treuer Weggefährte, der Mops-Rüde Gizmo, ist wenige Tage nach dem Interview gestorben.

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Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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