Die vier Frauen wollten den Anwesenden Mut machen und ihre Geschichten erzählen. Foto: Grell
Die vier Frauen wollten den Anwesenden Mut machen und ihre Geschichten erzählen. Foto: Grell
Die Bürokratie ist ein Problem

So integrierten sich diese vier Frauen in Cuxhaven

03.10.2023

Im Rahmen der interkulturellen Woche in Cuxhaven stellten vier Frauen aus verschiedenen Ländern ihre Integrationsgeschichten vor. Dabei wurde schnell klar: Sie mussten verschiedene Hürden überwinden und ihnen wurden viele Steine in den Weg gelegt.

Mit ihren Geschichten wollten die Frauen aus Syrien, der Ukraine, Malaysia und Somalia andere Frauen ermutigen und darüber berichten, wie sie es geschafft haben, sich in Deutschland zu integrieren. "Mit dieser Veranstaltung wollen wir anderen Frauen Mut geben und darüber diskutieren, wie man Hürden in einem neuen Land überwinden kann", erklärt Natalia Drbas von der Caritas Cuxhaven, die gemeinsam mit dem Jobcenter Cuxhaven zu dieser Veranstaltung eingeladen hatten.

Den Anfang machte die 36-jährige Hibo. Mit 25 Jahren floh sie mit zwei Kindern aus Somalia nach Deutschland. "Ich hatte eine starke Meinung in einem Land, in dem man als Frau kaum eine eigene Meinung haben darf", erzählt sie. In Deutschland angekommen, wollte sie unbedingt arbeiten. Doch das dauerte: Ihr Abitur, das sie in Somalia gemacht hatte, wurde in Deutschland nicht anerkannt. "Ich habe hier erst meinen Haupt- und dann meinen Realschulabschluss gemacht. Nach vier Jahren habe ich 2022 dann meine Erzieherausbildung abgeschlossen." Die 36-Jährige durfte vier Jahre lang kein Deutsch in einer Schule lernen, da ihr die Erlaubnis fehlte.  "Ohne die Unterstützung der Ehrenamtlichen hätte ich ewig auf einen vernünftigen Deutschunterricht gewartet", sagt die Somalierin. Mit der Unterstützung ihrer Familie und ihres Mannes konnte sie ihre Ziele erreichen.

In fünf Minuten die Wohnung verlassen

Anschließend berichtete Almaz von ihrer Flucht aus Syrien. Die zweifache Mutter musste ihr Land wegen des Krieges verlassen. "Das war 2012, wir mussten innerhalb von fünf Minuten unsere Wohnung verlassen. Mein Mann ist in die Türkei geflohen, ich bin später nachgekommen", erzählt Almaz. Doch als Syrer waren sie in der Türkei nicht willkommen. Als Almaz schwanger wurde, war klar, dass sie wieder fliehen mussten. So kam die junge Familie über Griechenland nach Deutschland. Die Syrerin blickt zurück: "Am Anfang war es nicht leicht in Cuxhaven. Aber dann haben wir viele Menschen kennengelernt und Hilfe bekommen. Mein Mann arbeitet jetzt als Tischler und ich habe über das Ehrenamt eine feste Stelle bekommen."

Auch für die Ukrainerin Valentina ist Cuxhaven zur zweiten Heimat geworden. "Ich bin die Neueste hier und nachdem ich die anderen beiden Geschichten gehört habe, ist mir klar, dass ich es viel leichter hatte." Valentina hat in der Ukraine als Englischlehrerin gearbeitet. Sie wohnte nur sieben Kilometer vom Kernkraftwerk in Saporischschja entfernt, das von russischen Soldaten besetzt ist. Sie fasste schnell den Entschluss zu fliehen. Über Bekannte kam sie bei einer Familie in Sahlenburg unter. Zunächst arbeitete sie als Dolmetscherin und war froh, helfen zu können. "Ich würde gerne wieder unterrichten, aber der Anerkennungsprozess dauert", ärgert sich Valentina.

"In Deutschland war es am schwersten"

Abschließend erzählte Anastasia ihre Integrationsgeschichte. Sie ist insgesamt dreimal international umgezogen. "Ich bin von Dubai nach Nigeria, von Nigeria nach Malaysia und schließlich nach Deutschland gezogen. Ich habe also viele Integrationserfahrungen gesammelt und in Deutschland war es am schwierigsten", berichtete Anastasia. Sie musste nicht fliehen, aber ihr Mann stammt aus Deutschland und wollte wegen des Lebensstandards und der Familie zurück. Gemeinsam besitzen sie ein Tourismusunternehmen: "Am Anfang saß ich an der Rezeption und musste viel telefonieren. Dabei wurde ich oft beschimpft, weil mein Deutsch noch nicht so gut war." Anastasia beschloss, nicht aufzugeben, und fand ihren Platz in der Gesellschaft.

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