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Zur Eröffnung gab es eine Lesung und ein Zeitzeugengespräch. Foto: Werder
Zur Eröffnung gab es eine Lesung und ein Zeitzeugengespräch. Foto: Werder
Trotzdem da

"So schwiegen wir" : Ausstellung in Cuxhaven über Kinder aus verbotenen Beziehungen

von Märthe Werder | 10.10.2026

In Cuxhaven erzählt die Ausstellung "Trotzdem da" von Kindern aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg. Viele erfuhren erst sehr spät mehr über ihre genaue Herkunft und wer ihr Vater war.

Bis vor zehn Jahren wusste Ton Maas nicht, was seine Eltern alles erlebt hatten. Der 70-Jährige ist ein Kind aus einer verbotenen Beziehung zwischen einer deutschen Frau und einem Zwangsarbeiter aus dem Zweiten Weltkrieg. Um ihn und acht weitere solcher Kinder geht es in der Ausstellung "Trotzdem da".

Kees Maas stammte aus den Niederlanden und wurde 1943 als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. In Berlin lernte er Martha kennen und sie verliebten sich. Von Kriegsbeginn an waren Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern jedoch verboten - ein Vergehen, das sogar mit dem Tod bestraft wurde. Erst 2016 erfuhr ihr Sohn Ton Maas die wahre Geschichte. Ihm sei als kleiner Junge schon klar gewesen, dass seine Familie anders war. "Wir waren aber glücklich", erzählt er bei der Vernissage der Ausstellung "Trotzdem da" im Cuxhavener Kreishaus am Donnerstagabend (8. Oktober 2026). Der Zweite Weltkrieg habe sich jedoch immer wieder wie ein dunkler Schatten über seine Familie gelegt. Sein Vater Kees sei ein Optimist gewesen - seine Mutter wollte jedoch nichts mehr vom Krieg hören. "So schwiegen wir alle", sagt Maas.

Die Ausstellung "trotzdem da!" bleibt noch bis zum 8. Januar 2027 im Kreishaus. Foto: Werder

Tagebücher geben Einblicke in die Vergangenheit

Im Nachlass von Kees Maas fanden Ton Maas und seine Schwester Tagebücher ihres Vaters, die aus dessen Zeiten als Zwangsarbeiter in Deutschland stammen. Auch alte Briefe waren darunter. So erfuhren sie vom Kennenlernen ihrer Eltern, der verbotenen Beziehung und auch von Bombenangriffen, die sie erlebt hatten.

Die originalen Tagebücher von Kees Maas. Foto: Werder

"Die letzten Jahre haben wir uns einen Schwerpunkt gesetzt mit dem Thema Gedenken, Erinnern und Demokratie", erläutert Julia Binkowski vom Landkreis Cuxhaven. Eine wichtige Kompetenz sei dabei auch das Zuhören. "Deshalb passt die heutige Lesung auch gut."

Über die Geschichte von Ton Maas und weiteren Kindern aus verbotenen Beziehungen hat die Journalistin und Autorin Monika Dittombeé ein Buch geschrieben. Zur Eröffnung der Ausstellung las sie aus "Schattenschicksale. Lebenswege der Kriegskinder aus verbotenen Beziehungen" einzelne Passagen vor. Drei der Kinder im Buch sind auch Teil der Ausstellung. Die meisten von ihnen begaben sich irgendwann auf die Suche nach ihrem Vater. Maas sei dabei eine Ausnahme gewesen: "Wir lebten zusammen und mussten unsere Eltern nicht suchen", erklärt er. 

Ton Maas und Monika Dittombeé trafen sich in Cuxhaven zum ersten Mal persönlich. Foto: Werder

Ausstellung bis Januar 2027

Dittombeé schreibe gerne historische Texte. "Ich recherchiere wahnsinnig gerne." Daher passte der Auftrag für das Buch gut. Das Verhältnis zu den Protagonisten sei besonders: "Durch die gemeinsame Arbeit haben sich schöne Vertrauensverhältnisse gebildet", schildert die Autorin. Das alles per Telefon oder Videoanruf - Maas und Dittombeé sind sich in Cuxhaven nun das erste Mal live begegnet. 

Die Ausstellung "trotzdem da!" bleibt noch bis zum 8. Januar 2027 im Kreishaus. Foto: Werder

Die Ausstellung kann bis zum 8. Januar 2027 im ersten Stock des Kreishauses, Vincent-Lübeck-Str. 2, in Cuxhaven besucht werden. Geöffnet ist sie zu den regulären Öffnungszeiten des Kreishauses, der Eintritt ist frei. In den kommenden Wochen werde es zudem Begleitveranstaltungen zur Ausstellung geben. Geplant ist beispielsweise ein Workshop zum Thema Ahnenforschung.

Einen Impuls gab Maas den Besuchern der Vernissage mit auf den Weg: "Möchten Sie mehr über Ihre eigene Familiengeschichte erfahren, zögern Sie nicht. Rufen Sie direkt an und fragen Sie nach. Morgen könnte es zu spät sein."

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Märthe Werder

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mwerder@no-spamcuxonline.de

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