Fangemeinde wächst: Wie eine Cuxhavenerin maritimer Kunst frischen Wind verleiht
Nicole Grzeskowiak aus Cuxhaven ist "De Knüllenkieker". Unter diesem Namen interpretiert sie laufend maritime Kunst neu. Ihre Kreationen regen zum Lachen und Erinnern an und verzaubern die Betrachter, die ihr die Werke aus den Händen reißen.
Lange Zeit hatte es sich Nicole Grzeskowiak überhaupt nicht vorstellen können, mit ihren Werken an die Öffentlichkeit zu gehen oder diese sogar zu verkaufen: "Ich wollte nie Bilder weggeben, denn sie waren ja wie ein Teil von mir." Den entscheidenden Ausschlag gab die Corona-Zeit: "Ich merkte, wie meine Motive die Leute zum Lachen brachten. Und jedes Lachen wird gebraucht."
Unter dem Namen "De Knüllenkieker" - Plattdeutsch für Sturmmöwe - bringt Nicole Grzeskowiak Zeichnungen, Bilder und Objekte unter die Leute, die zum Träumen, Lachen, Erinnern und Freuen anregen. Möwe Emma ist häufig dabei und fast immer das Motiv eines gefalteten Papierschiffchens, das sie den Hauptdarstellern - ob Mensch, ob Tier - als Hut auf den Kopf setzt oder aus einem Buddelschiff in die Freiheit entlässt. Dabei ist nichts übertrieben, nicht mal, wenn Heringe sich in einer Fischdose zum Schlafen legen oder Deichschafe, einen Anker hinter sich herziehend, an der Dicken Berta (Leuchtturm) vorbeifliegen.
Entwicklung hat ihren Lauf genommen
Mal kraftvoll gezeichnet, mal poetisch-zart, aber immer auf eine zeitgemäße Weise bringt sie ihre Liebe zur Küste und die Erinnerung an die eigene Kindheit am Cuxhavener Strand als Zeichnungen zu Papier und später aufs Grafik-Tablet. Bei der Suche nach einer Druckerei ist ihre Wahl auf die "Bookbinners" der Lebenshilfe Cuxhaven gefallen.
Vom ersten Moment an wurden ihre Werke zum Verkaufsschlager. Was aus dem ersten Postkartenständer bei Lampen-Schalt in der Schillerstraße geworden ist, verfolgt die 52-Jährige fast ungläubig: "Alles ist auf mich zugekommen", erzählt sie. Ihre Bilder hängen in den Zimmern des Hotels "Seeburg" und sind gerahmt, ungerahmt oder als Postkarten an mehreren Stellen in Cuxhaven erhältlich; sie hat zusammen mit anderen auf der Ausstellung Cux-Art und allein in der Netzhalle im Alten Fischereihafen Cuxhaven ausgestellt. Zurzeit sind ihre Werke (samt dazugehöriger Geschichten) im Café des Landfrauenmarkts in Ihlienworth zu sehen.
Ihre Bilder als Geschenke beim Mare-Musikfestival ausgesucht
Emotionaler Höhepunkt in diesem Jahr: Nach der allein schon überwältigenden Aufführung der "Carmina Burana" beim Mare-Musikfestival erlebte sie in der Kugelbake-Halle mit, wie anstatt Blumen ihre Werke den Künstlern überreicht wurden - eine limitierte Version ihrer "Wattmusikanten" (Kuh Berta, Schaf Gustav, Seehund Fiete und Möwe Emma), die sie im Auftrag der Kurverwaltung kreiert hatte - ein Notenschlüssel, das Festival-Logo und die Original-Noten der Musikfestival-Komposition umgeben darauf die Küstenbewohner.

Zu ihren Vorlieben gehört es, lustige Anekdoten und Geschichten um die Motive herumzustricken. Allein daran können sich Besucherinnen und Besucher auf ihrer Homepage (www.knuellenkieker-cux.de) festlesen und sich in der Galerie die passenden Motive anschauen.
Noch sichtbarer wird ihre Vielseitigkeit in dem zauberhaft gestalteten Bauwagen im heimischen Garten in Döse. Seit drei Jahren ist das "Hollerhus" ("Holler" = Holunder) ihr Rückzugsort und kreatives Umfeld. An den Wänden hängen Leinwände, bemalt mit einem Mix aus Acryl und Kreide, und Collagen. Aus Vitrinen lugen Kreationen mit Porzellan und aus selbst gesammelten Austernschalen hervor. Am Fenster funkeln selbstgemachte Windspiele. Kinderbücher, auch eine große Liebe, liegen wie zufällig aufgestapelt auf einem Vitrinenschrank.
"Je weniger Gegenstände, desto mehr Gefühl"
Auch bei den Gemälden finden sich viele maritime Motive, aber auch gegenstandslose Darstellungen. Denn Malen ist für sie auch ein Ausdruck der Seele. "Je weniger Gegenstände, desto mehr Gefühl", sagt sie. Wo Worte fehlen, springt Kunst ein.
Schon als Teenie holte sich die Cuxhavenerin zu Hause in Altenwalde Inspirationen aus Peter Busslers Buch "Künstlerparadies auf Zeit" über die Malerkolonien in Duhnen und Altenwalde. Dem Kunst-Leistungskurs am Lichtenberg-Gymnasium ließ sie aber dann doch ein Studium der Sozialwissenschaften folgen. Die Verbindung zur Kunst aber blieb, auch als sie - lange in leitender Position - ins Personalwesen wechselte. Eine Aufgabe, die sie auch nach dem Zusammenkommen mit ihrer großen Liebe Frank und dem Umzug nach Bremen fortführen konnte.
Der Beschluss, nach Cuxhaven zurückzukehren, kam mit dem Nachwuchs. Wie durch Bestimmung war da auf einmal das wunderschöne Haus in Döse, seit 16 Jahren das Zuhause für die Familie, zu der neben den zwei eigenen Kindern - Sohn und Tochter - inzwischen auch eine Pflegetochter gehört. Mit im Haus befindet sich das eigene Architekturbüro.
Inzwischen schwimmt selbst der Seehund mit
Die Verbundenheit mit der Heimat ist seither noch tiefer geworden - voller Wertschätzung für die kleinen Dinge. Der Weg zum Strand ist kurz. Gemeinsam genießt das Paar die Stille, wenn gerade alle nach Hause gegangen sind. Als "Buchtmädel" ist Nicole Grzeskowiak aber auch Teil einer Gruppe von Gefährtinnen, die jeden Tag einmal in die Grimmershörnbucht springen - auch wenn diese von Eisschollen bedeckt ist. Kurios: Der meistens dort anzutreffende Seehund hat sich inzwischen den Schwimmerinnen angeschlossen, eine ganz besondere Begegnung mit der Natur.
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