Die frühere Gorch-Fock-Schule: Schon zum Zeitpunkt dieser Aufnahme (im Jahr 2017) machte die Immobilie einen verwahrlosten Eindruck. Nachdem es dem derzeitigen Eigentümer bis heute nicht gelang, seine Pläne für das Gebäude umzusetzen, zeigt er sich offenbar verkaufsbereit. Die Stadt Cuxhaven will die Liegenschaft erwerben. Foto: Koppe
Die frühere Gorch-Fock-Schule: Schon zum Zeitpunkt dieser Aufnahme (im Jahr 2017) machte die Immobilie einen verwahrlosten Eindruck. Nachdem es dem derzeitigen Eigentümer bis heute nicht gelang, seine Pläne für das Gebäude umzusetzen, zeigt er sich offenbar verkaufsbereit. Die Stadt Cuxhaven will die Liegenschaft erwerben. Foto: Koppe
Ehemalige Gorch-Fock-Schule

Stadt Cuxhaven hat das Mandat für einen Schul-Rückkauf

von Kai Koppe | 03.09.2026

Ein chinesischer Inverstor, der vor Jahren das ehemalige Gorch-Fock-Schulgebäude gekauft hat, ist offenbar dazu bereit, seine Immobilie zu veräußern. Die Stadt plant nun den Rückkauf - die Zustimmung erteilte am Donnerstag der Verwaltungsausschuss.

Die Stadt Cuxhaven wird die frühere Gorch-Fock-Schule zurückkaufen. Selbiges sei im Verwaltungsausschuss beschlossen worden, bestätigte Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer nach der VA-Sitzung am Donnerstag. Für Planungen, die mit der Zukunft der vor 13 Jahren in die Rathausstraße ausgewichenen Grundschule zusammenhängen, ergeben sich somit neue Perspektiven.

Nach Santjers Worten ist die Stadt seit mehreren Monaten mit dem Eigentümer des ehemaligen Schulgebäudes in der Gorch-Fock-Straße im Gespräch. Bekanntlich handelt es sich um eine Gesellschaft mit Sitz in Hongkong; der hinter dieser Firma stehende Geschäftsmann hatte das Gebäude nach dem Umzug der Grundschule an die Rathausstraße (Sommer 2013) erworben. Der Verwaltungsausschuss erteilte der Stadtspitze am Donnerstag in nicht-öffentlicher Sitzung das Mandat, mit dem Genannten einen Vertrag abzuschließen. 

Gesamte Liegenschaft soll einbezogen werden

Eigenen Berichten zufolge hatte das örtliche Rathaus in der Vergangenheit mehrere Videoschalten anberaumt, um den Investor dazu zu bringen, überhaupt zu verkaufen. "Das war mühsam", rekapitulierte OB Santjer, als er auf die ursprünglichen Ambitionen des Verhandlungspartners zu sprechen kam: Der Chinese hatte den Plan verfolgt, aus der ehemaligen Gorch-Fock-Schule einen Gedenkort zu machen. Die historischen Hintergründe finden sich in der unrühmlichen deutschen Kolonialgeschichte: Das Cuxhavener Gebäude, im Kaiserreich eine Kaserne, hatte in "Tsintau" (heute: Qingdao) in der ostchinesischen Provinz Shandong einen architektonischen Zwilling, der als Stützpunkt für die deutschen Truppen im damaligen Pachtgebiet Kiautschou diente. Bei dem Cuxhavener Pendant (auch bekannt als Kiautschou-Kaserne) handelte es sich um die Heimatbasis der im Ostsasien eingesetzten Soldaten. Diesen Teil der Geschichte seinen Landsleuten zugänglich zu machen, so erklärte Santjer sinngemäß, sei ein Herzensprojekt des Käufers gewesen. Jener habe das Vorgaben aber auf Eis legen müssen, nachdem es seinem Konsortium offenbar nicht möglich gewesen ist, in Deutschland zu investieren.

Über einen möglichen Kaufpreis wahrte die Stadt auch am Donnerstag Stillschweigen. Man habe sich preislich angenähert - mehr wollten der OB und sein Kämmerer Marcus Itjen vor Abschluss eines notariellen Vertrages öffentlich nicht preisgeben. Die Stadt sei bereit, eine bestimmte Summe locker zu machen, weil ein Ankauf der Verwaltung eine ganz andere Ausgangsposition in der Schulplanung gebe, erläuterte Itjen.

Tatsächlich hatte die Stadt bislang nur mit dem nördlich angrenzenden Grundstück, das sich im eigenen Besitz befindet und sich über die Gebäude der heutigen Hermann-Allmers-Halle erstreckt, kalkulieren können. Ein Rückkauf des alten Schulstandorts eröffnet neue Varianten, über die man sich im Rathaus aktuell noch nicht im Detail ausließ. "Die gesamte Liegenschaft wird in die Gesamtplanung für die neue Gorch-Fock-Schule einbezogen", verriet Itjen  immerhin.

Fünf Architektenbüros in der engeren Wahl

Ganz gleich, welche bauliche Lösung am Ende gefunden wird - die Federführung des Vorhabens soll eine externe Projektsteuerung tragen. "Aktuell schreiben wir die Architektenleistungen aus", sagte der Erste Stadtrat zum Fortgang des Verfahrens. Letzteres war schon ins Rollen gebracht worden, bevor eine Ankaufoption in greifbare Nähe rückte.

Die Resonanz auf die Ausschreibung fiel größer aus als im Rathaus erwartet: Büros aus dem ganzen Bundesgebiet sollen ihren Hut in den Ring geworfen haben. Als Bewerber mussten sie Referenzen vorlegen und einen Entwurf im Rahmen eines sogenannten Teilnahmewettbewerbs einreichen. "Das bedeutet nicht, dass die endgültige Architektur der kümftigen Schule heute schon feststeht", betonte Itjen, als er auf fünf Architektenbüros zu sprechen kam, die mit ihrem Exposé in die engere Wahl gelangt und bereits zu Verhandlungsgesprächen eingeladen worden sind. In einem nächsten Schritt würden die Genannten aufgefordert, ein Endangebot abzugeben, sagte der Kämmerer. Ziel ist nach seinen Worten, bereits im Oktober den Zuschlag zu erteilen.

"Es ist also eine Mär, dass in Sachen Gorch-Fock-Schule nichts passiert wäre": Der Oberbürgermeister bezog sich in einer Bestandsaufnahme auf eine in Teilen der Öffentlichkeit geführte Debatte. Dabei erinnerte Santjer daran, dass die Ratspolitik erst im Dezember 2024 den entsprechenden Beschluss gefasst habe. Daran anschließend sei der Bedarf (für eine vierzügige Ganztagsschule mit einer Zweifeld-Turnhalle) ermittelt worden. "Wir haben zügig gearbeitet", bekräftigte der Verwaltungschef und sprach davon, sicherstellen zu wollen, dass am Ende tatsächlich diejenige Schule entstehe, "die wir für die Zukunft unserer Kinder brauchen".

Nicht "zwischen Tagesschau und Wetterkarte" möglich

Marcus Itjen erinnerte an die sich auf das Stadt-Grundstück beziehende  Machbarkeitsstudie: So etwas lasse sich nicht mal eben ("zwischen Tagesschau und Wetterkarte") umsetzen. Trotzdem habe die Stadt wie verabredet geliefert und zu den Sommerferien 2025 die Ergebnisse der Studie vorgestellt. Gehakt habe es an anderer Stelle: "Nach der Sommerpause hatte sich die Politik nach wie vor keine Meinung gebildet", sagte Itjen, bezogen auf die von Gutachterseite her vorgestellten Varianten. Es sei Herbst geworden, bis man loslegen konnte. In den Monaten Dezember und Januar seien dann die Ausschreibungen vorbereitet und einen Monat später (im Februar) gestartet worden. So ein Ausschreibungsverfahren nehme im Regelfall sieben Monate in Anspruch. "Wir haben die Terminplanung zu hundert Prozent eingehalten", folgerte Itjen.

Bisher bezogen sich Planungen auf eine nördlich angrenzende städtische Fläche, an deren Stirnseite die Hermann-Allmers-Halle steht. Foto: Koppe

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