Kommunale Wärmeplanung: Warum Cuxhaven bundesweit heraussticht
Cuxhaven gehört zu den wenigen Kommunen in Deutschland, die bereits festgelegt haben, wie der Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung aussehen soll. Mit einem konkreten Wärmeplan nimmt die Stadt bundesweit eine Vorreiterrolle ein.
Rund 500 Städte und Gemeinden im Bundesgebiet sind weiter als ihre Nachbarn: Auf welche Weise sie CO₂ einsparen und den lokalen Wärmebedarf reduzieren wollen, haben diese Kommunen bereits in einem Strategiepapier festgelegt. Die Stadt Cuxhaven gehört zum Kreis der Vorreiter - und sticht damit durchaus hervor. Das belegt eine Übersichtskarte, die das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in der Vorwoche innerhalb seines Web-Auftritts veröffentlicht hat.
Zwischen Bremen und der Küste haben bislang nur wenige Kommunen ihre Hausaufgaben in Sachen Wärmeplanung gemacht. Neben Cuxhaven sind es gerade einmal Bremerhaven und die Stadt Geestland. Ein Stück weiter elbaufwärts hat Stade eine vollständigen Wärmeplan vorgelegt. In den übrigen Gemeinden im Elbe-Weser-Dreieck wird noch geplant. Dabei gilt, dass die Entwicklung eines Wärmeplans mitnichten Kür ist, sondern Pflichtaufgabe nach einem entsprechenden Bundesgesetz. Kleineren Kommunen bleibt dafür noch mehr als zwei Jahre Zeit. Gemeiden mit mehr als 100.000 Einwohnern, müssen bis zum 30. Juni 2026 liefern.
Dass die Prioritäten innerhalb dieser Strategiepapiere unterschiedlich gesetzt werden, zeigt ein Vergleich zwischen Cuxhaven und der hinsichtlich der Einwohnerzahl vergleichbaren Stadt Ravensburg. Das Ziel, klimaneutral zu werden, gilt hier genauso wie an der Elbmündung. Die Kommune im Süden der Republik hat in diesem Zusammenhang verbindliche Zwischenziele formuliert und unterstreicht dabei die Notwendigkeit, das Versorgungssystem grundlegend umzubauen. In der Offshore-Windkraft-Hochburg Cuxhaven sollen Erneuerbare Energien künftig ebenfalls eine prominente Rolle spielen. Die Stadt setzt aber ausdrücklich darauf, ihre Klimaziele zu einem erheblichen Teil durch eine Senkung des Gesamtwärmverbrauchs zu erreichen.
Ausgehend von 831 Gigawattstunden im Basisjahr 2022 soll der Wärmebedarf in Cuxhaven bis 2030 auf 784 Gigawattstunden sinken. Parallel dazu sollen wärmebedingte CO₂-Emissionen auf rund 110.000 Tonnen zurückgehen - ein Minus von etwa 44 Prozent.
Bis 2040 sieht der Cuxhavener Wärmeplan eine weitgehende Dekarbonisierung des Wärmesektors vor. Der Wärmebedarf soll dann auf etwa 706 Gigawattstunden sinken. Die CO₂-Emissionen sollen gegenüber 2022 massiv reduziert werden.
Erreicht werden soll dies unter anderem durch eine verstärkte energetische Sanierung. Insbesondere bei Gebäuden aus den Baujahren 1919 bis 1978 sieht die Stadtverwaltung erhebliche Einsparpotenziale, die durch bauliche Maßnahmen gehoben werden sollen. Gleichzeitig sollen Wärmenetze, der verstärkte Einsatz von Wärmepumpen, "grüner" Strom und die Nutzung von Umweltwärme die bislang dominierende Rolle von Öl und Gas brechen. Durch den Rückgriff auf regenerative Energiequellen würde sich der Ausstoß von Treibhausgasen auf einen Bruchteil des Ausgangsniveaus von 2022 reduzieren.
Zum Stand der Wärmeplanung, sprach Umweltdezernent Andreas Eickmann am Montag von der nächsten "Konkretisierungsstufe", die inzwischen erreicht sei. Es gehe nun darum, Maßnahmen, die der Wärmeplan versehe, umzusetzen. Eickmann nannte in diesem Zusammenhang das Beispiel Groden, wo Abwärme, die auf der Kläranlage entsteht, nicht länger ungenutzt verpuffen soll. Man sei im Rathaus aber auch schon dabei, Planungen für weitere Wärmenetze zu beauftragen. "Wir werden fortlaufend darüber berichten", kündigte Eickmann mit Blick auf die weiteren Schritte in punkto Wärmewende und CO₂-Reduktion an.