Stadtbäume: NABU Cuxhaven hält Silberlinden nicht unbedingt für goldrichtig
Bei einer Veranstaltung mit Stadtbaurat Andreas Eickmann ging es um Nachpflanzungen - und um einen Strauß weiterer Umweltthemen.
"Wir müssen reden", fanden Mitglieder des Naturschutzbundes (NABU) Cuxhaven - und luden Stadtbaurat Andreas Eickmann zu einer Gesprächsrunde ins Umweltzentrum in der Bahnhofstraße ein. Gut zwei Stunden lang diskutierten sie am Montagabend über Artenschutz, Stadtgrün oder klimafreundliche Mobilität. Die Positionen zwischen Gast und Gastgeber lagen in vielen Punkten nicht weit auseinander.
An der Frage, wie viel Raum der Silberlinde im Cuxhavener Stadtbild zugestanden werden sollte, schieden sich hingegen die Geister: Eickmann berief sich auf Empfehlungen von Kollegen aus dem Grün- und dem Umweltressort. Resilient gegen verschiedenste Umwelteinflüsse gilt die aus dem europäisch-asiatischen Raum stammende Art im Rathaus als Stadtbaum schlechthin.
NABU favorisiert heimische Gehölze
Warum man nicht auf heimische Gehölze mit ähnlichen Eigenschaften zurückgreife, wollten NABU-Mitglieder wissen. Und äußerten den Wunsch, dass die Expertise ihres Vereins mehr Berücksichtigung finde. Kritik wurde auch an der Informationspolitik der Verwaltung laut.
Das Thema Arnhausen war nicht Teil eines Fragenkatalogs, die der örtliche NABU-Vorsitzende Karl Behn im Gespräch mit seinem Gast abarbeitete. Gleichwohl nahm der geplante Bau eines Regenrückhaltebeckens in einem als Refugium wahrgenommenen Teil von Cuxhaven breiten Raum in der Diskussion ein. "Wir haben hier nicht besonders viel Wald", hieß es aus dem Publikum. Eickmann äußerte Verständnis für Bürger-Sorgen, stellte jedoch klar, er handele nicht gegen den politischen Willen des Rates. Einig war man sich in der Frage, dass Schottergärten und Kunststoffzäune aus ökologischer, aber auch ästhetischer Sicht abzulehnen seien. Dass der Einsatz von Streusalz weitestmöglich zu vermeiden sei, stand ebenfalls außer Frage.
Ausblick auf die Stadt von übermorgen
"Wie wird Cuxhaven Ihrer Meinung nach im Jahr 2050 aussehen?", wurde Andreas Eickmann gefragt. Der Genannte sprach daraufhin über Chancen durch technische Entwicklungen im Bereich Mobilität: "Kein Auto mehr zu benötigen" (sondern allenfalls ab und zu eines zu brauchen) wäre für Eickmann eine vielversprechende Perspektive: Autonomes Fahren könnte dabei zu On-Demand-Lösungen im öffentlichen Personennahverkehr führen und einen Großteil von Privatfahrzeugen obsolet machen. "Wenn man dann weitere Parkplätze mit Bäumen kompensieren kann, wäre ich nicht unglücklich", so der Dezernent.
Sein Herz hänge übrigens nicht unbedingt an den Silberlinden, hatte Eickmann gesagt, als es um Biodiversität ging. In der Deichstraße muss man sich seines Erachtens gleichwohl auf stattliche Bäume fokussieren. Er sprach dabei von einer erklecklichen Zahl an Neupflanzungen im genannten Bereich. Durch Ersatzmaßnahmen für die kürzlich gefällten Rosskastanien habe sich die Summe der beim Städtebauprojekt "Deichband" vorgesehenen Bäume auf 67 erhöht. Darunter fallen Pflanzungen im Bereich Slippen sowie auf der "Bürgersteigseite" der Deichstraße. Dort vorhandene Parkplätze sollen nach Eickmanns Angaben um die Hälfte reduziert werden - zugunsten von Straßenbäumen. Pflasteraufbrüche, wie sie durch das expandierende Wurzelwerk verursacht werden, ließen sich mit heutigem Know-how minimieren.
Trasse durch den Wald wird kritisch gesehen
Der Straßenbelag blieb ein Nebenaspekt; mehr Gedanken machten sich Zuhörer um die Unversehrtheit des Wernerwalds. Kleitransporte mit Material für den in Sahlenburg geplanten Deichbau nämlich von Arensch aus über Forstwege rollen: "Über die Nordheimstraße zu fahren, funktioniert nicht", gab der Stadtbaurat zu bedenken. Kollateralschäden (am Weg und möglicherweise auch an Bäumen) seien nach Abschluss der Maßnahme zu beheben - nachdem sie sich nicht vollkommen ausschließen ließen.
