Tag der Ehemaligen in Cuxhaven: Das Gefühl der Zusammengehörigkeit bleibt
Beim Tag der Ehemaligen in Cuxhaven vereinen sich Generationen von Abiturienten, um Erinnerungen zu teilen und den Wert der Bildung zu feiern. Das Event zeigt, wie stark die Bindung zur Schule bleibt, trotz aller gesellschaftlichen Herausforderungen.
"Jeder Jahrgang ist etwas Besonderes", stellte Wolfgang Deutschmann, Leiter des Amandus-Abendroth-Gymnasiums, zum Auftakt des Tags der Ehemaligen fest. Aber dass mit Dr. Ruth Doll und Manja Freudenthal am Sonnabend gleich zwei Abiturientinnen des Jahres 1959 (67 Jahre nach dem Abitur!), zahlreiche Ehemalige aus dem Jahrgang 1961 und noch mehr aus dem Jahr 1966 zur Jubiläumsfeier gekommen waren, war dem Publikum dann doch einen Extra-Applaus wert.
Deutschmann freute sich außerdem über den großen Andrang der Silber- und Goldjubilare (Abi 2001 und 1976) sowie weiterer Jahrgänge. Der Dauerbaustelle im Lichtenberg-Gymnasium geschuldet, feierten die Ehemaligen des AAG und des LiG auch in diesem Jahr gemeinsam in der AAG-Aula.


Der kurz vor der Pensionierung stehende Wolfgang Deutschmann leitete dabei eine bis zu den Sommerferien reichende Reihe letzter Male ein und freute sich, mit Prof. Dr. Hans-Joachim Schlichtung (Abitur 1966) genau jenen Professor im Publikum zu wissen, der in ihm einst an der Uni das Feuer für das Fach Physik entfacht hatte. Außerdem konnte er das Engagement beider Ehemaligenvereinigungen nicht genug loben und unterzeichnete als nunmehr "Fast-Ehemaliger" direkt am Rednerpult einen Mitgliedsantrag für die Vereinigung seiner Schule.

Von seinem Weggefährten Wolfgang Deutschmann habe er gelernt, etwas gelassener den aus Lüneburg und Hannover anrollenden Wogen des Bildungssystems zu trotzen, verriet Martin Rehermann, Leiter des Lichtenberg-Gymnasiums. Zusammen hätten sie sich stets für die Interessen der Schulen eingesetzt.
"Bildung zum Kern aller Anstrengungen machen"
Rehermann schilderte die durch die ungeahnt komplizierte Sanierung angespannte Situation für die LiG-Schulgemeinschaft. Leidenschaftlich rief er dazu auf, das Thema Bildung zum Kern aller gesellschaftlichen Anstrengungen in Deutschland zu machen, denn Bildung stelle mehr als alles andere die Zukunft unserer Gesellschaft sicher.

Dazu brauche es aber auch gesellschaftlichen und politischen Rückhalt und die Erkenntnis, dass gute Bildung Investitionen erfordert - zum Beispiel, damit Schulgebäude für individualisiertes Lernen fit gemacht werden können. Dass es geht, hat Rehermann in vier Jahren als Schulleiter der deutschen Schule in Kopenhagen erlebt. Hierzulande werde hingegen nicht mal die regelmäßige Unterhaltung von Schulgebäuden verbindlich geregelt. Die Schulgemeinschaften steckten darüber jedoch nicht den Kopf in den Sand: "Alle Schülerinnen und Schüler im Landkreis und in der Stadt Cuxhaven haben es verdient, angemessen an Bildung beteiligt zu werden."
Angesichts der aufreibenden Situation sei es umso schöner, als Verein bei der Erfüllung von Wünschen helfen zu können; so wie gerade mit der Anschaffung von Trennwänden für Lern-Nischen, sagte Petra Deutgen, Vorsitzende der Lichtenberg-Ehemaligenvereinigung. Timo Böhme, Vorsitzender der AAG-Ehemaligen, zeigte Bilder aus dem rund 4500 Quadratmeter großen Schulgarten des AAG an der Drangst; ein stetig ausgebautes Refugium mit eigenen Bienenvölkern, einem Sensen-Team und bald auch einem Hain von Jahrgangsbäumen.

"Aber trotzdem sind wir nicht untergegangen"
Die richtige Gewichtung von Nachdenklichkeit, Realitätssinn und Verbundenheit gelang Kai Neumann (Abitur 2001) in seiner Jubiläumsrede. Das Glück, nach dem Abitur in ein relativ unbeschwertes Umfeld starten zu können, erhielt in diesem Jahrgang gravierende Risse: 11. September, Weltfinanzkrise, russische Besetzung der Krim, Aufstieg der AfD, Syrienkrieg, Corona, russischer Überfall auf die Ukraine, jetzt der Iran-Krieg "und über allem eine Klimakrise, die in ihrer Brisanz alles andere in den Schatten stellt": All das habe den Fluss des Lebens mitbestimmt. "Und trotzdem sind wir nicht untergegangen." Manches sei anders gekommen als geplant, aber nicht unbedingt schlechter.

Bevor der restliche Tag dem Feiern des Wiedersehens und der Zusammengehörigkeit gewidmet war, gab es noch großes Lob für alle, die die Feier vorbereitet hatten und viel Applaus für die musikalischen Gruppen des AAG unter der Leitung von Ulrich Schultz und Lukasz Baranowski.