Zugausfälle zwischen Cuxhaven und Hamburg: Fahrgäste beklagen fehlende Informationen
Ein mutmaßlicher Brandanschlag lähmt den Bahnverkehr zwischen Hamburg und Cuxhaven. Doch es sind nicht die Zugausfälle, die die Geduld der Fahrgäste strapazieren, sondern die Informationspannen, die für Verwirrung und Ungewissheit sorgen.
Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag bei Neu Wulmstorf ärgern sich Fahrgäste vor allem über eines: die Informationspolitik von Start Unterelbe.
Zwei Stunden Warten ohne Auskunft
Robert Gromes steht am Dienstagmittag auf dem Bahnsteig in Otterndorf und wartet. Um 14.30 Uhr ist er da, vorsichtshalber schon früh, denn für 14.37 Uhr ist ein Ersatzbus angekündigt. Der Bus kommt nicht. Auch nicht um 15.37 Uhr. Erst um 16.37 Uhr fährt ein Zug ein, der erste seit Stunden.
"Alles das erfährt man entweder gar nicht oder widersprüchlich über die Bahnsteiganzeige, den DB-Navigator oder die Homepage von Start Unterelbe", sagt Gromes. In der App wird der ausgefallene Bus zeitgleich als pünktlich geführt, ein Beweis für eine Fahrgastentschädigung bleibt ihm so verwehrt.
Ähnlich erlebt es Joris Wawrzyniak. Er wartet mit seiner Freundin über zwei Stunden am Bahnhof Hemmoor auf einen Ersatzbus, der nie kommt. Ein Anruf bei Start Unterelbe bringt nichts. "Bei der ersten Nummer kam nur eine automatische Ansage, bei der zweiten hat es geklingelt, aber es ging keiner ran", schildert er. Beide Männer betonen: Nicht der Ausfall selbst ist das Problem. Es ist die Ungewissheit. Gromes hat inzwischen ein Auto bestellt und will vom Pendler zum Autofahrer werden, obwohl er nach eigenen Worten "vom ÖPNV überzeugt" ist.
Bahn spricht von festen Prozessen
Auslöser der Unterbrechung war ein mutmaßlicher Brandanschlag auf einen Verteilerkasten bei Neu Wulmstorf in der Nacht zu Dienstag. Die Sabotage beschädigte Signalleitungen und legte den Verkehr zwischen Hamburg und Cuxhaven für Stunden lahm, mehr als 200 Zugfahrten fielen aus. Zur Kritik an der eigenen Kommunikation äußert sich eine Bahnsprecherin zurückhaltend.

"Bei solchen Vorkommnissen gibt es feste Prozesse, welche auch gestern gegriffen und funktioniert haben", teilt sie mit. Eine Regionalbahn biete deutlich mehr Platz als ein Bus, die Wege über die Schiene seien in der Regel schneller, deshalb könne der Ersatzverkehr den regulären Betrieb nicht vollständig ersetzen. Man wisse um die Unannehmlichkeiten und bitte um Entschuldigung. Konkrete Antworten auf die geschilderten Kommunikationslücken bleibt die Sprecherin schuldig. Immerhin: Bereits am Dienstagmittag konnte der Verkehr zwischen Cuxhaven und Buxtehude wieder aufgenommen werden, seit Mittwochmorgen fährt der RE5 wieder nach Fahrplan auf der gesamten Strecke.
Pro Bahn fordert schnelle Informationen
Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht in solchen Fällen klare Erwartungen an die Betreiber. "Spätestens nach zehn bis 15 Minuten würde ich eine bestmögliche Information auf allen Kanälen erwarten", sagt Malte Diehl, Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen/Bremen. Die Hauptverantwortung liege beim Infrastrukturbetreiber DB InfraGo, die Verkehrsunternehmen müssten die Informationen aber unverzüglich weitergeben. Widersprüchliche Angaben zwischen App, Website und Bahnsteigansage seien kein Cuxhavener Einzelfall, sondern ein bundesweites Problem. Bei einem mutmaßlichen Anschlag wie diesem, sieht Malte Diehl die Verantwortung klar bei den Tätern, nicht bei der Bahn. "Man kann nicht 40.000 Kilometer Gleise lückenlos überwachen", sagt er. Erwartet werde aber ein besonderer Schutz sensibler Punkte wie Hauptbahnhöfe.
Ermittlungen laufen, Täter weiter unbekannt
Die Ermittlungen zur mutmaßlichen Brandstiftung liegen inzwischen beim polizeilichen Staatsschutz der Zentralen Kriminalinspektion Lüneburg, zuständig für ganz Niedersachsen. Neue Erkenntnisse zum Täter gebe es bislang nicht, teilt Martin Appelbaum mit, Sprecher der Staatsanwaltschaft Celle und Leiter der dortigen Zentralstelle Terrorismusbekämpfung. "Neue Erkenntnisse haben wir nicht, insbesondere keine Täterhinweise", so Appelbaum. Auch ein Bekennerschreiben sei bislang nicht aufgetaucht. Die Ermittler bitten weiter um Zeugenhinweise aus der Nacht zu Dienstag.
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