Unterhaltsame Lesung in Cuxhaven: Mariana Leky begeistert mit "Kummer aller Art"
Mariana Leky verzauberte Cuxhavener mit Lesungen aus "Kummer aller Art" und humorvollen Einblicken in ihre Figurenwelt, die alltägliche Sorgen charmant und feinfühlig beleuchtet. Ein Abend voller Poesie und Herzlichkeit.
Der vollbesetzte Festsaal im Schloss Ritzebüttel zeigte am Sonntag (16. August 2026), dass Mariana Leky in Cuxhaven viele Fans hat. Bereits bei der Verleihung des Ringelnatzpreises im vergangenen Jahr hatte die Schriftstellerin einen guten Eindruck hinterlassen. Im Gespräch mit Moderator Jens Potschka, Redakteur der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung, entstand schnell eine vertraute, beinahe wohnzimmerhafte Atmosphäre.
Leky las aus ihrem 2022 erschienenen Buch "Kummer aller Art" fünf der insgesamt 39 Kolumnen. Die Figuren tauchen darin mehrfach auf, sodass sich die einzelnen Texte stellenweise wie ein Fortsetzungsroman lesen. "Wie entsteht so eine Figur?", wollte Potschka wissen. "Das ist eine schwierige Frage. Die Leute gibt es nicht wirklich", antwortete Leky mit einem Augenzwinkern.
Aufgewachsen in einer "therapeutischen Familie", habe sie früh gelernt, gut zuzuhören und auf bestimmte Dinge zu achten. "Ich fand es immer interessant, wenn jemand traurig aussieht. Dann kann man ihm was unterjubeln", sagte sie lachend. So sei etwa Herr Pohl entstanden, der in einer der Geschichten Hilfe braucht.
Ob kleiner oder großer Kummer: Leky beschreibt die Sorgen ihrer Figuren humorvoll und zugleich feinfühlig. Durch die Ich-Erzählung werden sie in Familien und Freundeskreise eingebettet. Mancher Zuhörer dürfte dabei eigene Ängste, Macken oder vertraute Situationen wiedererkannt haben. Kummer verbindet eben auch und wird leichter, wenn man ihn teilt.
Auch Frau Wiese, die Angst vor Konflikten hat, gehört zu Lekys Figurenensemble. "Ich glaube, Frau Wiese und Herr Pohl sind Nachbarn", erklärte die Autorin. Sie gehe liebevoll mit ihren Figuren um. Wichtig sei ihr, dass die Geschichten nicht zynisch enden: "Die meisten gehen gut aus und sie sind nur in diesem Buch."
Offen und natürlich beantwortete Leky die Fragen ihres Gesprächspartners. Potschka gelang es mit seiner charmanten Art, die Autorin frei und ungezwungen erzählen zu lassen. Auf die Frage, was ihr das Bücherregal nähergebracht habe als die Ausbildung zur Künstlerin, sagte Leky: "Mein Vater wollte, dass ich ein festes Standbein habe, und heute ärgert es mich, dass ich die Ausbildung zur Buchhändlerin nicht fertiggemacht habe." Die Buchhandlung sei damals allerdings nicht der richtige Ort für sie gewesen. Später studierte sie Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim und knüpfte Kontakte, die teilweise bis heute bestehen.
Ihre ersten Bücher seien noch klein gewesen. "Die haben wohl hauptsächlich Verwandte gekauft", erzählte sie lachend. Heute gehört Leky zu den erfolgreichen deutschsprachigen Schriftstellerinnen, mit einem eigenen, warmherzigen Stil. Vor dem Schreiben einer Geschichte mache sie sich Notizen zum klassischen Text, "um nicht vor dem weißen Blatt zu sitzen". Figuren wie der Psychoanalytiker Onkel Ulrich, der im Ruhestand seine Couch vermisst, entstehen dabei mit viel Humor und einem liebevollen Blick auf menschliche Schwächen.
Doch auch die großen Krisen der Welt beschäftigen die Autorin. "In der Welt geht sehr vieles schneller kaputt, als ich gedacht habe. Seit Corona hat sich einiges geändert. Warum fällt es uns leichter, über Kriege zu reden, als über kleine Krisenzeiten?", fragte Leky.
Zum Schluss ging es um Schlaflosigkeit und die Frage, ob beim Einschlafen eher wollige Schäfchen oder alte Schafböcke helfen. Die Antwort blieb offen. Sicher ist dagegen: Dieser poetische und humorvolle Abend zeigte vielen Zuhörern, dass sich auch schwierige Themen mit einem Lächeln betrachten lassen.
Von Heidi Giesecke
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