Von Abba bis Amazonas: Kirsten Nehberg erzählt in Cuxhaven aus ihrem Leben
Ein Hase im Eisfach, Schlangen im Haus und ein außergewöhnlicher Vater: Kirsten Nehberg las im Cuxhavener Bali-Kino aus "Glaub immer an das Unmögliche" und gewährte sehr persönliche Einblicke in das Familienleben mit Abenteurer Rüdiger Nehberg.
Eine Lesung in einem Kino sei für sie eher ungewöhnlich, sagte die Schauspielerin und Autorin zu Beginn. Cuxhaven allerdings sei für ihren 2020 verstorbenen Vater immer "eine besondere Stadt" gewesen. Das lag vor allem an Bernd Ische, der Rüdiger Nehberg mehrfach für Veranstaltungen nach Cuxhaven geholt hatte und nun auch den Abend mit dessen Tochter organisierte.
Kirsten Nehberg erzählte lebhaft von einer Kindheit, in der Außergewöhnliches schnell zum Alltag wurde. Sie las von den Schlangen ihres Vaters, die gelegentlich ausbüxten, und erinnerte sich daran, wie die Familie einmal Giftschlangen im Handgepäck eines Flugzeugs transportierte. Auch die Futtertiere der Reptilien hinterließen Spuren: Einmal habe sie als Kind einen Hasen im Eisfach entdeckt.
Weitere Geschichten führten zu ihrem Wunsch nach einem Internatsleben und ihrer Liebe zur schwedischen Popgruppe ABBA. Gemeinsam mit ihrem Vater unternahm sie eine Radtour nach Schweden, wo sie tatsächlich auf ABBA-Mitglied Björn Ulvaeus traf.
Rüdiger Nehberg war oft monatelang unterwegs
Bei den Fragen aus dem Publikum ging es auch um die gefährlichen Expeditionen ihres Vaters. Ob die Familie keine Angst um ihn gehabt habe, wollte ein Zuhörer wissen. Kirsten Nehbergs Antwort brachte ihre kindliche Sicht auf den Punkt: "Als Kind dachte ich, mein Vater sei unsterblich." Auf die Frage, welche Eigenschaft sie von ihm übernommen habe, nannte sie vor allem eine Haltung: "Alles ist möglich." Diese Überzeugung zieht sich auch durch ihr Buch. Rüdiger Nehberg war zwar oft wochen- oder monatelang unterwegs. Doch seine Tochter erinnert sich vor allem daran, wie intensiv er sich seiner Familie widmete, wenn er zu Hause war: "Wenn er da war, war er da."
Unter den Gästen der Lesung war auch die Menschenrechtsaktivistin Christina Haverkamp, eine langjährige Freundin der Familie. Sie überquerte 1992 gemeinsam mit Rüdiger Nehberg auf einem selbstgebauten Bambusfloß den Atlantik und engagiert sich bis heute für die Yanomami im südamerikanischen Regenwald.
Nach den überwiegend heiteren Erinnerungen wechselte der Ton des Abends deutlich. Gezeigt wurde die Dokumentation "Tatunca Nara und die Toten im Dschungel". Darin begibt sich Kirsten Nehberg in Brasilien auf die Spuren der Recherchen ihres Vaters zum deutschen Hochstapler Günther Hans Hauck, der unter dem Namen Tatunca Nara jahrzehntelang behauptete, Oberhaupt eines unbekannten indigenen Volkes zu sein. Mehrere Menschen, die mit Tatunca Nara in den Amazonas aufbrachen oder mit ihm in Verbindung standen, kamen unter ungeklärten Umständen ums Leben.
So zeigte der Abend im Bali-Kino zwei sehr unterschiedliche Seiten Rüdiger Nehbergs: den fantasievollen Vater, der für seine Tochter Unmögliches möglich machte - und den hartnäckigen Abenteurer, der auch vor den dunklen Geschichten des Amazonas nicht zurückschreckte.

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