Vor 40 Jahren auf der Elbe vor Cuxhaven: Verheerende Havarie der "Ever Level"
Am 25. November 1983, also auf den Tag genau vor 40 Jahren, kollidierten vor Cuxhaven-Altenbruch das taiwanesische Containerschiff "Ever Level" und der brasilianische Stückgutfrachter "Itapagé" - eines der schwersten Schiffsunglücke auf der Elbe.
Zwei Seeleute verloren ihr Leben, weitere Beteiligte erlitten schwere Verletzungen. Die Löscharbeiten auf der sofort in Brand geratenen mit Schlagseite im Strom liegenden "Ever Level" dauerten fast eine Woche.
Unfall bei dichtem Nebel auf der Elbe vor Cuxhaven
Gegen 12.10 Uhr rammte die seewärts fahrende "Itapagé" im dichten Nebel - beide Schiffe hatten Lotsen an Bord - die entgegenkommende unter Panama-Flagge fahrende "Ever Level" und bohrte sich mit ihrem Steven mittschiffs in deren Steuerbordseite. Beim Aufprall gingen 27 Container von Bord; neun davon landeten auf dem Vorschiff der "Itapagé".

Feuerwerkskörper und Streichhölzer in den Containern auf der ELbe
Auf der "Ever Level" befanden sich rund 200 Tonnen Feuerwerkskörper sowie Streichhölzer und gut brennbare Baumwolle, die sofort Feuer fingen. Flammen und Rauch stiegen vom Havaristen empor. Einige Seeleute waren eingeschlossen. Die Seenotrettungskreuzer "Arwed Emminghaus" und "Wilhelm Kaisen" der (DGzRS) bargen 15 verletzte Besatzungsmitglieder ab und versorgten sie medizinisch, für zwei von ihnen kam jede Hilfe zu spät.
Dramatische Eindrücke bei der Ankunft in Altenbruch
Über die dramatische Szenerie berichtete unsere Zeitung vor zehn Jahren: "Schwarzer Rauch treibt über der Elbe und mischt sich mit dem Nebel, der die Besatzung des Bergungsschleppers Taucher O. Wulf 4 nur ahnen lässt, wo sich ihr Ziel befindet. Wenig später entdecken die Männer den Feuerschein, sie hören die Schreie der Besatzungsmitglieder. Das Schiff steht in Flammen und liegt manövrierunfähig mitten in der Fahrrinne. Ein Anblick, der den Kapitän des Bergungsschleppers so schnell nicht wieder loslassen wird: ,Eine Katastrophe...', murmelt er auf der Brücke des Schleppers."

Feuerwehrleite entdeckten abgestürzten englischen Lotsen
Die zu Hamburg gehörende Cuxhavener Wasserschutzpolizei war schnell vor Ort. Immer mehr Schiffe - Tonnenleger, Schlepper, Wracksuchschiffe - kamen hinzu, Rettungshubschrauber wurden alarmiert. Männer der Berufsfeuerwehr Cuxhaven und der Freiwilligen Feuerwehr Mitte entdeckten beim Löschen an Bord unter einem Rettungsboot einen in Panik aus großer Höhe abgesprungenen schwer verletzten englischen Seelotsen und übergaben ihn den weiteren Rettern.
Schaulustige verfolgten Löscharbeiten vor Cuxhaven-Altenbruch
Unterstützt durch Löschboote aus Hamburg und Bremerhaven gelang es dennoch erst nach Tagen, das Feuer zu löschen. All das unter den Augen der Schaulustigen am Deich, die noch Wochen später am Ufer auf Strandgut stießen: Fernseher, technisches Gerät, Schreibmaschinen, Kleidung, Uhren oder Koffer. Nicht wenige Küstenbewohner gingen bei Nacht und Nebel verbotenerweise auf Schatzsuche.

Krisenstab kommt im Cuxhavener Radarturm zusammen
Das Ereignis bestätigte eindringliche Warnungen durch Experten, die angesichts der potenziellen Gefahr einer
Schiffskollision auf der viel befahrenen und engen Wasserstraße lange vergeblich einen Feuerlöschkreuzer für die Elbmündung gefordert hatten. Im Cuxhavener Radarturm trat ein Krisenstab zusammen, denn zwischenzeitlich bestand die Gefahr, dass der Havarist, der im letzten Moment den Anker geworfen hatte, kentern könnte. Bekämpft werden musste auch auslaufendes Bunkeröl. Nach der Havarie wurde die Schiffsbrandbekämpfung zu einem der Schwerpunkte der Cuxhavener Feuerwehr ausgebaut.
Erst am 1. Dezember konnte das Schiff Richtung Brunsbüttel gezogen werden, wo die letzten Brandnester gelöscht wurden. Unter den Namen "LT Prudent" und "Poseidon VII" kam die "Ever Level" später wieder zum Einsatz, bevor sie 2008 verschrottet wurde.
