"Jahrhundertorkan" trifft Cuxhaven: Die DLRG war überall rund um den Hafen im Einsatz
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) probte in Cuxhaven für den Ernstfall. Bei der großen Übung zeigte der Wasserrettungszug Cuxhaven-Osterholz vollen Einsatz. Über 80 Kräfte waren im Einsatz. Wir haben die Bilder vom Tag.
Am Sonnabend gegen 4.45 Uhr trifft ein schwerer Jahrhundertorkan mit Sturmflut den Küstenbereich von Cuxhaven - zumindest im Szenario einer groß angelegten Übung des Wasserrettungszugs Cuxhaven-Osterholz. Sirenen heulen in der ganzen Stadt und markieren den Beginn der Großübung.
Im Rahmen der Übung der Katastrophenschutzeinheiten des DLRG-Bezirks Cuxhaven-Osterholz standen vor allem praktische Tätigkeiten im Fokus. Geübt wurden die Menschenrettung am, auf und unter Wasser, Evakuierungen von Wasserfahrzeugen, Taucheinsätze sowie die sanitätsdienstliche Versorgung und Betreuung von Betroffenen.
Zwischenbilanz und Einblicke für Gäste
Zu den weiteren Übungsinhalten gehörten der Aufbau und Betrieb eines Bereitstellungsraums sowie die Aufklärung der Schadenslage mittels Drohne und Lagebilddarstellung. Auch Rettungen aus Höhen und Tiefen wurden trainiert.
Nachdem sich die Einsatzkräfte am frühen Morgen vor dem Steubenhöft gesammelt hatten, rückten sie nach und nach zu verschiedenen Einsatzorten im gesamten Stadtgebiet aus. Insgesamt waren 80 Einsatzkräfte mit 17 Landfahrzeugen und fünf Booten im Einsatz.
Auch den Gästen aus anderen DLRG-Bezirken, der Politik, der Feuerwehr sowie den Mitarbeitern von Stadt und Landkreis wurde die Übung erlebbar gemacht. Mit dem auffällig gestalteten Gelenkbus der KVG in knallroten und sonnengelben Farben sowie DLRG-Schriftzügen zum 100-jährigen Jubiläum der Cuxhavener Ortsgruppe ging es von Station zu Station. Passend dazu stand die Großübung unter dem Titel "Jahrhundertorkan". Die Übungsleitung übernahmen Zugführer Tjark Makel und Dr. Jürgen Laudien, Leiter Einsatz im DLRG-Bezirk Cuxhaven-Osterholz. Beide erklärten den Gästen die Abläufe. "Die Vorbereitung dieser Übung stellte einen erheblichen organisatorischen Aufwand dar und wurde von vielen engagierten Kräften auf unterschiedlichen Ebenen getragen. Ohne die breite Unterstützung aus Wirtschaft, Behörden und Verwaltung wäre eine Übung in diesem Umfang nicht realisierbar gewesen", so Laudien.
Das Szenario hatte es in sich: Durch den Orkan wurden im Hafen sowie auf angrenzenden Flächen abgestellte Fahrzeuge in das Hafenbecken geweht und sanken. Zudem wurde eine vermisste Person gemeldet, die sich zuletzt in einem der Fahrzeuge befunden haben soll.
Der Zugführer richtete daraufhin den Einsatzabschnitt "Wasserrettung/Bergung Hafen" ein. Ziel war die Ortung der versunkenen Fahrzeuge, die Suche nach der vermissten Person sowie die Bergung von Hindernissen. Mehrzweckboote mit Sonartechnik kamen zum Einsatz, Einsatztaucher sicherten die Fahrzeuge und bereiteten sie mit Hebesäcken für die Bergung vor. Parallel erfolgten die Rettung und medizinische Erstversorgung verunfallter Personen sowie der Transport mit einem geländegängigen Krankentransportwagen.
Eine Person wurde kritisch verletzt
Durch extreme Windböen und starken Seegang gerieten die Schiffe "Elbe 1", "Elvstrom", ein Boot der Wasserschutzpolizei und ein Schlepper in Not. Durch den Orkan wurden mehrere Personen verletzt, die am Sonnabend von geschminkten Mimen gespielt wurden. Zusätzlich kam es auf einem Schiff zu einem schweren Arbeitsunfall, bei dem eine Person einen Arm verlor.
Da das Anlegen nicht möglich war, wurde der Einsatzabschnitt "Wassergebundene Verletztenrettung" eingerichtet. Mehrzweckboote kamen zum Einsatz und brachten die Verletzten an Land, wo eine Übergabestelle zur Erstversorgung eingerichtet wurde. Anschließend ging für den Schwerverletzten zur Schockraumübergabe in die Helios Klinik Cuxhaven - zum ersten Mal im Rahmen einer solchen Übung.
Eine besondere Herausforderung stellte zudem ein weiterer Einsatzort dar: Infolge des Orkans wurde eine Person auf einem Hafenmobilkran schwer verletzt. Da ein direkter Zugang nicht möglich war, beauftragte die Zugführung eine Strömungsretter-Gruppe mit der technischen Rettung mittels Seiltechnik. Nach Erreichen der verletzten Person wurde diese gesichert und gerettet. Lars Harnack und Thomas Schlüter von der Berufsfeuerwehr Cuxhaven übernahmen als Dozenten das Training in luftiger Höhe und zeigten den Strömungsrettern Abseiltechniken unter Orkanbedingungen. Der Tag endete mit dem gemeinsamen Essen, welches drei Personen für alle Übungsteilnehmer in der Feldküche zubereitet hatten. "Die Übung hat eindrucksvoll gezeigt, dass die DLRG Katastrophenschutzeinheiten auch bei komplexen und dynamischen Einsatzlagen leistungsfähig und autark agieren. Hervorzuheben ist die Zusammenarbeit der einzelnen Einheiten sowie das hohe Maß an Eigenständigkeit und Engagement aller Einsatzkräfte. Die gesteckten Übungsziele konnten erreicht werden - ein starkes Signal für unsere Einsatzbereitschaft im Ernstfall", fasste es Tjark Makel zusammen.








