Zeichen gegen Spaltung: Gebet in Cuxhaven verbindet Menschen verschiedener Religionen
Rund 80 Menschen verschiedener Religionen kamen zum 14. Interreligiösen Gebet in der Cuxhavener St.-Marien-Kirche zusammen. Im Mittelpunkt standen Mitgefühl, Menschenwürde und die Verantwortung für ein friedliches Miteinander.
Während Sturmtief "Manja" über Cuxhaven hinwegfegte, kamen am Sonntag (25. Oktober 2026) rund 80 Menschen zum 14. Interreligiösen Gebet in der katholischen Kirche St. Marien zusammen. Unter dem Leitwort "Wenn doch die Nächstenliebe jeden Tag zum Leben erwachte" gestalteten Vertreter der christlichen Kirchen und der türkisch-islamischen Gemeinde eine gemeinsame Feier. Eingeladen hatte der Kreis "Interreligiöse Begegnungen Cuxhaven".
Wie der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln mitteilt, stand das Gebet im Zeichen der Verständigung über religiöse Grenzen hinweg. Im Mittelpunkt standen Mitgefühl, Menschenwürde und die gemeinsame Verantwortung für den Frieden.
Zur Begrüßung erinnerte Pfarrer Christian Piegenschke an das historische Friedenstreffen von Assisi, das sich 2026 zum 40. Mal jährt. Papst Johannes Paul II. hatte 1986 Vertreter verschiedener Religionen eingeladen, um gemeinsam ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Auch das Cuxhavener Treffen sollte deutlich machen, dass Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen für gemeinsame Werte eintreten können.
Dagmar Matthies verlas einen Gruß der liberalen jüdischen Gemeinde Bremerhaven, die mit dem Cuxhavener Dialogkreis verbunden ist. Darin wurde an gemeinsame Gebote der jüdischen und christlichen Tradition und deren Bedeutung für Menschenwürde und demokratisches Zusammenleben erinnert.
Musik verbindet die Religionen in Cuxhaven
Musikalisch begleitet wurde die Feier von Hoca Enes Tamparlak, der auf der traditionellen türkischen Flöte Ney spielte, sowie vom portugiesischen Chor der katholischen Kirche. Zu hören war unter anderem das Taizé-Lied "Ubi caritas et amor, Deus ibi est" - "Wo Liebe und Barmherzigkeit sind, da ist Gott".

In seinem geistlichen Impuls stellte Piegenschke das christliche Gebot der Gottes- und Nächstenliebe in den Mittelpunkt. Der Glaube müsse sich auch im Umgang mit anderen Menschen zeigen, betonte er.
Dr. Lutz Meyer vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln griff das Leitwort anhand der biblischen Geschichte vom barmherzigen Samariter auf. Diese erzählt von einem verletzten Menschen, an dem zunächst mehrere Personen vorbeigehen, bevor ein Samariter anhält und hilft. Nächstenliebe lasse sich nicht verordnen, erklärte Meyer. Sie entstehe aus Mitgefühl und müsse sich in konkreter Hilfe zeigen.
Frieden entsteht durch Verständnis statt durch Vorurteile
Auch der muslimische Beitrag von Tamparlak stellte Barmherzigkeit und Verantwortung in den Vordergrund. Entscheidend sei am Ende des Lebens nicht, welcher Herkunft, Sprache oder Religion ein Mensch angehöre, sondern wie er mit anderen umgegangen sei. Frieden entstehe durch Verständnis und das Bauen von Brücken statt durch Vorurteile und Abgrenzung. Anschließend erklang der muslimische Lobgesang "Salat-ı Ümmiye".
In den christlichen Fürbitten wurden unter anderem Hass, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Gleichgültigkeit gegenüber Menschen in Not angesprochen. Die Gemeinde antwortete mit den Worten: "Gott der Barmherzigkeit, vergib."
Mit dem Lied "Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf allen Wegen" endete die Feier. Nach Angaben des Kirchenkreises sollte das interreligiöse Gebet vor allem eine Botschaft vermitteln: Mitgefühl und die Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben verbinden Menschen über Religionsgrenzen hinweg.
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