Sturmtiefs "Luise" und "Manja" fegen über Cuxhaven - DWD kündigt Wetterwechsel an
Trotz peitschendem Wind und aufgewühltem Meer bleibt Cuxhaven glimpflich. Doch der Herbst zeigt seine Tücken: Warum Birken Blätter als Gefahr streuen und was der Deutsche Wetterdienst als nächstes vorhersagt, überrascht.
Einen Regenschirm hat an diesem Wochenende kaum jemand aufgespannt. Der Wind hätte ihn ohnehin umgestülpt. Wer in Cuxhaven unterwegs war, zog Kapuze und Mütze tief ins Gesicht und suchte unter Dachvorsprüngen Schutz, wenn wieder ein Schauer durch die City fegte. Ein Mann kämpfte auf dem Gehweg mit seinem "Hackenporsche". Der Einkaufstrolley war fast leer und deshalb kaum auf Kurs zu halten.
Zwei Sturmtiefs haben die Küste am Sonnabend und Sonntag kräftig durchgeschüttelt. Erst kam "Luise", die sich über der Deutschen Bucht eindrehte, dann "Manja", die als Orkantief weiter nördlich über die Nordsee zog. Cuxhaven ist glimpflich davongekommen. "Sie sind zum Glück vom Unwetter verschont geblieben", sagt Leonard Benedikt, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hamburg.

Höhepunkt um zwei Uhr nachts
Am heftigsten blies es in der Nacht zu Sonntag. Gegen 2 Uhr maß der DWD in Cuxhaven eine Böe von 78 Kilometern pro Stunde. Das entspricht Windstärke neun. Gegen Mittag folgten weitere Böen der Stärke acht. Damit traf ziemlich genau ein, was Benedikts Kollege Niklas Anczykowski am Freitag vorhergesagt hatte. Er rechnete mit Böen der Stärke acht bis neun und verwies auf die Windrichtung. "Wenn der Wind von See auf Land weht, ist es meistens noch krasser", erklärte er. Doch der Wind kam überwiegend aus Südwest und wehte ablandig, also vom Land aufs Meer. Das ersparte der Küste Schlimmeres.
Benedikt ordnet das Wochenende nüchtern ein: "Das ist nichts, was man über die Jahre nicht schon mal gesehen hat." Solche Stürme gehören zum Herbst. Eine Besonderheit gibt es aber: Die Bäume tragen noch viel Laub. "Da fallen dann auch schneller Äste", sagt der Meteorologe. Grüne Blätter und abgerissene Zweige bedecken vielerorts Straßen und Gehwege. Straßenreinigung und Anlieger haben in den kommenden Tagen ordentlich zu fegen.
Drei Bäume, kein Drama
Die Berufsfeuerwehr Cuxhaven rückte dreimal aus, jedes Mal wegen eines Baumes. Am Sonntag gegen 4.30 Uhr lag einer auf der Lüdingworther Straße vor der Autobahnbrücke. Die Einsatzkräfte räumten ihn beiseite. Gegen Mittag folgten zwei weitere Einsätze. In der Nähe des Kargwegs in Altenwalde, am Spazierweg am Schacht, war ein Baum auf den Pfad gekippt. Die Feuerwehr zog ihn zur Seite, das Gartenamt holt ihn ab.

Größer ist der Brocken auf dem Wander- und Radweg in Höhe der Zeppelinstraße, den ein Anwohner gemeldet hatte. Die Feuerwehr sperrte den Weg mit Flatterband ab. Am Montag entscheidet das Gartenamt, wie es dort weitergeht. "Das ist nicht an einem Tag mal eben erledigt", sagt der diensthabende Feuerwehrmann, der namentlich nicht genannt werden möchte. Sein Fazit fällt entspannt aus: "Da haben wir wieder Glück gehabt." Schon am Freitag hatten die Fachleute der Stadt die Lage im küstenüblichen Rahmen gesehen, wie Stadtsprecher Marcel Kolbenstetter berichtete. Sie sollten recht behalten.
Nasse Pfoten am Radarturm
Wer kann, zieht bei solchem Wetter ans Wasser. Am Sonntagvormittag waren viele Cuxhavener und Urlauber unterwegs, dick eingepackt, die Mützen tief in der Stirn. An der Alten Liebe und am Steubenhöft bestaunten sie die aufgewühlte Elbmündung. Am Radarturm schwappte das Wasser stellenweise über die Ufersicherung. Spaziergänger zückten ihre Handys, Hunde tobten durch die Salzwasserpfützen. Ein Schnappschuss fürs Familienalbum. In einigen Hafenbecken stand das Wasser bis fast an die Kante, Ausnahmewerte erreichte es nicht.

Am Sonnabend hatte das Wetter noch eine andere Bühne. Der 24. Oktober war bundesweit Tag der Bibliotheken. Aus der Stadtbibliothek am Schleusenpriel traten immer wieder Eltern mit Kindern, die Arme voller Bücher. Erich Kästner hat dem Oktober in seinem Zyklus "Die dreizehn Monate" ein eigenes Gedicht gewidmet. Draußen tobte "Luise", drinnen warteten Geschichten.
Hoch bringt ab Mittwoch Ruhe
Ganz vorbei ist es weiterhin nicht. Bis Montag, 6 Uhr, warnt der DWD an der Küste vor Böen der Stärke neun, die Wahrscheinlichkeit nimmt aber ab. In der Nacht dreht der Wind auf West. Am Montag rechnet Benedikt an exponierten Stellen noch mit Stärke sieben bis acht, bei Höchstwerten um 13 Grad. Das nächste Tief "Naomi" bleibt weit draußen auf dem Atlantik. Seine Ausläufer bringen bis in die Nacht zum Dienstag etwas Regen, aber deutlich weniger als zuletzt. Am Dienstag dreht der Wind auf Süd, und es wird mild: Bis zu 16 Grad sind möglich. Ab Mittwoch baut sich über Mitteleuropa Hochdruck auf. "Dann lässt der Wind einfach etwas nach", sagt Leonard Benedikt. Den Besen sollten Anlieger trotzdem griffbereit halten.
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