Altbau-Charme: So sieht es jetzt in Bremerhavens erstem Do-it-yourself-Haus aus
Vor sechs Jahren hat die Stäwog die Idee, eine Schrott-Immobilie im Goethequartier Bremerhaven in Eigentum zum Selbstausbau zu wandeln. Eingezogen ist noch niemand. Doch fünf Wohnungen sind weg und auf die Eigentümer wartet ein besonderer Joker.
Aus einer Schrott-Immobilie hat die städtische Wohnungsgesellschaft Stäwog im Bremerhavener Goethequartier ein Do-it-yourself-Haus gemacht: Käufer können die entkernten Wohnungen nach ihrem Gusto ausbauen. Nach zeitweiligem Stillstand tut sich etwas.
Die Anregung für das Klushuizen-Projekt stammt aus den Niederlanden, der Begriff bedeutet Bastel- oder Ausbauhaus. In Rotterdam läuft das staatlich geförderte Projekt zur Reaktivierung von Problemimmobilien seit 2003 mit großem Erfolg, hat zu positiven Impulsen geführt und die soziale Struktur spürbar verbessert.
2018 kaufte die Stäwog das Haus in der Uhlandstraße 25 und taufte es nach dem Straßennamensgeber, dem Dichter Ludwig Uhland, "Louis". Die Projektidee: bezahlbaren Wohnraum zum Kauf anzubieten. "Das ist Deutschlands erstes Bastelhaus", lobte Martin Karsten vom Forum Bremen: "Wer ein Quartier wandeln will, muss mehrere Ziele gleichzeitig angehen, das wird hier vorbildlich gemacht", so Karsten.
Pandemie und Preissteigerung: Hürden für das Projekt
Doch die Pandemie, Materialknappheit und Preissteigerung hatten das Projekt ins Stocken gebracht. Die Stäwog, die bereits 1,5 Millionen Euro in das Objekt gesteckt hat, änderte das Konzept: Das Treppenhaus wurde weiter renoviert, die Balkone angebracht - das lockte neue Interessenten.


Mittlerweile sind die zwei obersten Etagen verkauft. Im Dachgeschoss werden aus zwei Wohnungen eine, darunter gibt es zwei Wohnungen mit je 66 Quadratmeter, die verkauft sind. Eine weitere hat sich Sören Slowak reserviert - der Unternehmensberater aus Hamburg investiert aktuell in ein Szene-Café in der Uhlandstraße und will im "Louis" eine "Base" , also einen Ausgangspunkt, haben.

Im Erdgeschoss werden Gründer beraten
Die neuen Eigentümer können beim Ausbau auch auf fundierte Hilfe zurückgreifen. Der Sanierer Rolf Thörner, der schon viele Schrottimmobilien im Goethequartier in Schmuckstücke verwandelt hat, steht den Selbstausbauern zur Seite - zum Beispiel, wenn sie Stuck in den Wohnungen haben möchten oder an einem Punkt beim Ausbau nicht weiterkommen. Drei Wohnungen, alle mit Südbalkon, in der ersten und zweiten Etage sind noch zu haben.
Im Erdgeschoss des "Louis" befindet sich die Bremerhavener Dependance des Starthauses - eine Anlaufstelle für Gründer.
Von Maike Wesselowski