Balkonkraftwerk Marke Eigenbau: So viel Geld lässt sich damit sparen
Jannes Hanske aus Bremerhaven hat vor sechs Wochen Solarmodule am Balkon seines Elternhauses installiert. Die Familie spart nun Stromkosten. Der 18-Jährige zeigt, worauf man achten muss, wie teuer ein Balkonkraftwerk ist und für wen es sich lohnt.
"Die Anlage produziert jetzt", sagt Jannes Hanske. Bis das so weit war, hat sich der 18-Jährige über zwei Jahre mit dem Thema "klimafreundliche Stromerzeugung" beschäftigt. Hanske las sich im Internet ein, unterhielt sich mit Bekannten und testete die Standorte der Solarmodule mit einem kleinen Prototyp. Schlussendlich entschied er mit seiner Mutter, ein Balkonkraftwerk anzuschaffen.
Seit sechs Wochen schmücken das Haus in Speckenbüttel drei Solarmodule. Ausgerichtet nach Süden, Osten und Westen bringen sie auf vier Quadratmetern zusammen 600 Watt Leistung. Das Maximum, das nicht beim Finanzamt angemeldet werden muss.
Anschaffungskosten und Montagearbeiten überschaubar
"Mehr als 500 Euro haben die Module nicht gekostet", erzählt Hanske, der die Elemente im Internet bestellt hat. Auch die Montage sei äußerst unkompliziert und benötige nicht mehr als einen Akkubohrschrauber und ein paar Schrauben. Der Sonnenstrom fließt dann in einen Wechselrichter, wo er in Hausstrom umgewandelt wird, damit er problemlos durch die Steckdose in das lokale Netz eingespeist werden kann. Ab da beginnt das Sparen.
An einem durchschnittlichen Tag kann Hanske etwa 1,50 Euro einsparen. Scheint die Sonne zuverlässig, können es auch mal 3 Euro sein. Kühlschrank, WLAN-Router und Standby-Geräte können tagsüber komplett ökologisch betrieben werden. Der Abiturient hat die Wirkung seiner Anlage genau durchgerechnet. Unterstützt wird er dabei von einer App, die die Aktivität jedes einzelnen Panels erfasst und statistisch auswertet.
Fast ein Drittel des Verbrauchs produziert das Kraftwerk
In dem Haus verbrauchen Jannes und seine Mutter etwa 1.600 Kilowattstunden im Jahr. Mit dem neuen Balkonkraftwerk, so Hanske, können sie davon 500 Kilowattstunden selbst produzieren. Nach weniger als drei Jahren wären die Anschaffungskosten egalisiert. Diese Rechnung geht allerdings nur bedingt auf, da die Speckenbütteler auch Geld verdienen können. Mit einem neuen Zähler, der es zulässt, Strom in das Netz einzuspeisen, wird das möglich sein. Den kann nur der Netzbetreiber Wesernetz installieren, bei dem alle Anlagen in Bremen registriert werden müssen.
Hanske wartet schon seit sechs Wochen auf seinen Termin. Wesernetz begründet die Wartezeiten mit einem "erheblichen Anstieg von Anfragen, Beratungsbedarfen und Anträgen", die den Kundenbereich belasten. Der 18-Jährige bleibt geduldig. Denn Strom spart er schon jetzt, auch wenn er den Überschuss nicht verkaufen kann. Die Lösung wäre ein Akku. Die seien in diesem Bereich jedoch noch ganz neu und unerprobt. "In ein paar Jahren vielleicht", meint Hanske.
Jannes Hanske würde gerne mehr Solarmodule nutzen
Mehr Solarpanels sind bisher nicht geplant, da weitere Elemente einen größeren bürokratischen Aufwand bedeuten würden. Die 600-Watt-Grenze ist mit den vier vorhandenen Quadratmetern schon erreicht. "Weil es sowieso steuerfrei ist, verstehe ich nicht, warum die Grenze nicht nach oben korrigiert wird", meint der Schüler, "dann würden sich mehr Leute so eine Anlage anschaffen, glaube ich."
In seiner Nachbarschaft ist das Interesse dennoch geweckt. Aus dem Familien- und Bekanntenkreis sind die ersten schon mit eigenen Balkonkraftwerken nachgezogen. Andere wollen Jannes Anlage noch über das Jahr beobachten, um im nächsten Jahr mit in die Produktion von eigenem grünen Strom einzusteigen.
Von Levin Meis