Gutachter: Nachfrage nach Immobilien in Bremerhaven bricht drastisch ein
Der Immobilienmarkt in Bremerhaven hat sich in diesem Jahr beinahe halbiert. Das geht aus ersten Zahlen der städtischen Gutachter hervor. Für 2022 aber ist Marco Kewes überrascht: Gegen den Trend sind die Wohnungspreise sogar gestiegen.
Im vergangenen Jahr haben Notare und Gerichte den 13 Gutachtern für Grundstückswerte in Bremerhaven 1175 Kaufverträge zugeschickt, das sind 226 weniger als im Jahr zuvor, und auch die gezahlten 257 Millionen Euro sind 79 Millionen weniger als noch 2021. Im Durchschnitt wurden pro Kaufvertrag also 21.000 Euro weniger ausgegeben, aber die Zahlen täuschen.
Der genauere Blick in die einzelnen Verträge förderte zutage, dass für Eigentumswohnungen durchaus noch 20 Prozent mehr gezahlt wurden als im Vorjahr, die Preise für Einfamilienhäuser nahezu gleich geblieben sind. Wenn etwas verkauft wurde, dann im Durchschnitt zu höheren Preisen als im Vorjahr. Eine Eigentumswohnung in der Stadt kostet im Durchschnitt 125.000 Euro, ein Haus das Doppelte. Marco Kewes, Leiter des Vermessungs- und Katasteramtes und Vorsitzender des Ausschusses, weiß aber auch, dass ein Dutzend Mal auch 400.000 Euro gezahlt wurden, fünfmal mehr als eine halbe Million Euro.
Seit dem Herbst geht die Nachfrage in Bremerhaven stark zurück
Wer danach aber noch genauer hinschaut, wird feststellen, dass die Werte seit dem Herbst bröckeln, wenn nicht gar einbrechen. Zum Jahresende hat sich die Zahl der verkauften Eigentumswohnungen im Vergleich zum Vorjahr halbiert, bei den Einfamilienhäusern war der Einbruch nicht ganz so drastisch. "Der Peak ist erreicht", sagt Kewes. Anders als bei den Wohnungen sinken für Doppel-, Reihen- und Einfamilienhäusern die Preise seit der zweiten Jahreshälfte 2022.
In diesem Jahr hätten die Gutachter gar erst etwa 400 Verträge erreicht, das sind 40 Prozent weniger als in bisher normalen Jahren, so Kewes. Sein Eindruck sei, dass die Preise sich trotz zurückhaltender Käufer aber noch hielten. Offizielle Zahlen dazu gibt es noch nicht. Makler schätzten die Situation hingegen sehr viel dramatischer ein.
Das Energiethema entwickele sich zu einem größeren Hindernis für Kaufinteressenten als der Ukrainekrieg oder das Zinsniveau, meint der Gutachter. "Die Handwerker sind teuer, die Rohstoffe auch", so Kewes. Vier Prozent Zinsen für eine Baufinanzierung seien aber "gesund". Und wer energetisch saniere, für den gebe es immer noch staatliche Kredite für weniger als ein Prozent.
Gutachter: Zu wenige Baugrundstücke in Bremerhaven
Steigende Preise beobachten die Gutachter dagegen weiter bei Baugrundstücken, was vor allem daran liegt, dass es so gut wie keine gibt im Stadtgebiet. "Uns wurden 2022 gerade einmal 39 Stück gemeldet, die verkauft wurden", sagt Marco Kewes, . Das sei der niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre, "für eine Großstadt hat Bremerhaven viel zu wenige Grundstücke für den Wohnungsbau".
Bemerkbar mache sich in der Statistik, dass in den vergangenen drei Jahren so gut wie gar keine Eigentumswohnungen neu gebaut wurden, aber wer sich in den Havenwelten zu einem Verkauf entschließe, könne immer noch mehr bekommen als er bezahlt habe, sagt Kewes. Und in guten Lagen ohne den Blick aufs Wasser werde für eine 20 Jahre alte Wohnung auch immer noch mehr als 2500 Euro pro Quadratmeter aufgerufen.
Für den Landkreis Cuxhaven sind die Zahlen nicht viel anders: Die Gutachterausschüsse für Grundstückswerte in Niedersachsen berichten von 3505 verkauften Immobilien, das sind 591 weniger als im Vorjahr. Vor allem bei Grundstücken und Eigentumswohnungen ging die Nachfrage zurück. Mit 777,8 Millionen Euro wurden zwar 33,1 Millionen weniger gezahlt, aber pro Kauf zeigt auch das: Wer gekauft hat, zahlte im Durchschnitt zwölf Prozent mehr für die eigenen vier Wände.
Von Thorsten Brockmann