Nicht wenige Eigenheim-Besitzer schreckt die Arbeit, die ein Garten macht. Deshalb legen sie sich Schotter in den Vorgarten. Doch es gibt pflegeleichte Alternativen. Foto: picture alliance/dpa
Nicht wenige Eigenheim-Besitzer schreckt die Arbeit, die ein Garten macht. Deshalb legen sie sich Schotter in den Vorgarten. Doch es gibt pflegeleichte Alternativen. Foto: picture alliance/dpa
Pflanzen

Kampf gegen Schottergärten: Pflegeleichte Alternativen zur Steinwüste

20.05.2023

Naturschützer nennen sie "Gärten des Grauens", die Schottergärten, die sich in den Baugebieten breitmachen. Ihre Besitzer verweisen darauf, dass die Steinwüsten pflegeleicht sind. Doch es gibt naturnahe Alternativen, die ähnlich pflegeleicht sind.

Die einen rasieren ihren Rasen militärisch kurz, die anderen lassen den eigenen Garten zum Dschungel verwildern. Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Aber die Gestaltung des Gartens ist heute, in Zeiten des Klimawandels, nicht mehr nur Privatsache. Das zeigt die Debatte um die Schottergärten.

Die Eigenheimbesitzer, in deren Vorgärten es grau und steinern aussieht, verweisen darauf, dass die Steine nun mal pflegeleicht seien. Das ist für die meisten der entscheidende Vorteil der steinernen Gärten. Aber es gibt auch naturnahe Alternativen, die pflegeleicht sind. Wir haben Experten dazu gefragt.

"Einfach ein paar Fuder Sand auf die Steine"

Ganz einfach, sagt Sönke Hofmann, Geschäftsführer des Naturschutzbundes NABU in Bremen und Betreiber des Schullandheims in Wulsbüttel. Zumindest wenn Schottergärten nicht mit einem Vlies oder einer Kunststofffolie unterlegt und so vom Boden abgeriegelt sind. Einfach ein paar Fuder Sand auf die Steine, ein bisschen Blumenerde oder ein Tütchen Sandboden-Aussaat, rät er. "10 bis 15 Zentimeter. Das genügt", sagt Hofmann. Dann könne da ein Trockensand-Biotop entstehen - und man spare sich auch die teure Entsorgung der Steine.

Wie kann man einen Schottergarten in einen naturnahen Garten umwandeln? Welche Pflanzen kann man anpflanzen, damit man nicht dauernd in den Garten muss? Wer den ganzen Boden mit Pflanzen bedeckt, schafft sich einen pflegeleichten Garten, versichert Nina Naujokat, Bauleiterin beim Garten- und Landschaftsbau-Betrieb Oehmsen & Alexander in Dorum. "Je weniger Erde zu sehen ist, desto weniger Arbeit macht ein Garten." Welche Pflanzen man auswählt, hänge vom Standort ab. Der "Dauerbrenner" auf sonnigen Standorten sei der Storchenschnabel, auf schattigen Standorten empfiehlt sie Elfenblumen oder Vergissmeinnicht. Die Gemeinde Hagen rät zu Storchenschnabel, Thymian, Schafgarbe oder Johanniskraut. Sie alle seien Bodendecker "und im Garten beliebte Helfer, weil sie das Unkraut begrenzen und ihm wenig Platz lassen", heißt es in einem Flyer, den die Gemeinde an Häuslebauer verteilt. Und das minimiere den Aufwand für die Pflege.

Sträucher sind eine pflegeleichte Alternative

Ja, sagen die Experten. Stauden sind mehrjährig, winterfest und pflegeleicht, heißt es in der Broschüre aus Hagen. Sie wachsen problemlos in jedem Garten und müssen nur einmal im Jahr geschnitten werden. Heimische Sorten seien beispielsweise Königskerze, Veilchen, Primeln oder Sonnenhut. NABU-Mann Hofmann unterstreicht das. "Wenn die Sträucher ineinander gewachsen sind, muss man sie nur noch in der Höhe stutzen."

Was ist mit Sträuchern? Sind Sie eine pflegeleichte Alternative? Sollte man Mulch ausstreuen? Rindenmulch, also die Reste von Baumrinden, verhindert ein Verschlammen und Verdichten des Bodens, so die Gemeinde Hagen. "Der Boden kann so mehr Wasser aufnehmen und besser halten. Im Sommer müssen solche Beete seltener gegossen werden."

Ist Unkraut im Garten überhaupt schlimm? Nein, ist Sönke Hofmann überzeugt. "Wir haben uns nur daran gewöhnt, dass ein Garten nur dann schön ist, wenn er geometrische Formen hat." Für die Natur sei es aber am besten, wenn man ihr freien Lauf lässt. Und selbst ein totales unbeliebtes Unkraut wie Giersch sei ein sehr guter Bodendecker. "Giersch kann man sogar essen. Es wurde im Mittelalter als Salatpflanze angebaut und schmeckt wie Petersilie", weiß der Naturschützer.

Von Inga Hansen

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