Ist der Hit-Insolvenz zum Opfer gefallen: Neubau mit Kita auf dem alten Festplatz in Campe. Foto: HIT
Ist der Hit-Insolvenz zum Opfer gefallen: Neubau mit Kita auf dem alten Festplatz in Campe. Foto: HIT
Bauen und Wohnen

Schwierige Lage beim Wohnungsbau: Investoren specken in Stade ab

14.08.2024

Die Zeiten des Betongoldrausches sind vorbei. Steigende Baupreise und Zinsen sowie hohe energetische Standards haben viele Investoren abgeschreckt. Auch in Stade müssen Unternehmen umdenken.

Es ist nicht so, dass in Stade keine Wohnungen gebaut werden. Im Stadthafenquartier der Buxtehuder HBI links der Schwinge auf dem ehemaligen Schlichting-Gelände in der Harschenflether Vorstadt sollen - auf mehrere Jahre verteilt - wie berichtet etwa 190 Wohnungen entstehen.

Ungefähr die gleiche Zahl kommt zustande, wenn das Stader Bauunternehmen Lindemann das ehemalige Gelände von Gummi Schmidt erschließt.

Und dann wollen Lindemann und HBI gemeinsam das große Grundstück an der Harburger Straße, wo derzeit noch das alte Finanzamt steht, in den Camper Park umwandeln mit 160 Wohneinheiten.

Haushalte mit geringem Einkommen gucken in die Röhre

Was heute oder in Zukunft gebaut wird, ist selten für den kleinen Geldbeutel gedacht. Die hohen Kosten müssen durch eine entsprechende Miete aufgefangen werden. Haushalte mit geringem Einkommen gucken in die Röhre. Das weiß vor allem auch die Stader Wohnstätte als Genossenschaft.

Sie vermietet 2600 Wohnungen und ist damit der größte Vermieter in der Stadt. Ihr Marktanteil bei Mietwohnungen liegt bei 20 Prozent. Ihre insgesamt niedrigen Mietpreise dämpfen den Markt.

Neubau kommt für die Genossenschaft derzeit kaum infrage. Mietsuchende müssen sich auf Wartezeiten von gut einem Jahr einstellen, bevor für sie eine günstige Wohnung frei wird.

Laut Wohnstätten-Chef Dr. Christian Pape liegt das durchschnittliche Mietniveau in Stade bei derzeit knapp elf Euro pro Quadratmeter, die Wohnstätte weist knapp acht Euro aus. "Dies ist für breite Schichten der Bevölkerung nicht mehr zu bezahlen", hatte Pape bereits im Frühjahr gesagt. 

Stadt-Grundstücke: 20 Prozent mietgemindert

Auch die Stadt wollte helfend eingreifen in den Mietmarkt. Wenn sie Grundstücke an Investoren verkauft, muss unter den später vermieteten Wohnungen ein Anteil von 20 Prozent mietpreisgemindert sein.

Das stellt die bauwilligen Unternehmen vor eine weitere Aufgabe bei ihren Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Bei zwei Bauvorhaben hat das jetzt konkrete Auswirkungen.

Die Stadt hatte vor zweieinhalb Jahren mehrere Baufelder an Architekten- und Investorengemeinschaften vergeben. Die Projekte waren öffentlich diskutiert und für gut befunden worden. Die jetzt aus finanziellen Gründen fälligen Änderungen trägt die Politik mit - zumindest im Ausschuss des Rates für Stadtentwicklung.

Keine Tiefgarage, damit sich der Bau lohnt

Es handelt sich um eine kleineres Gebäude im Schnurweg. Das 430 Quadratmeter große Restgrundstück in der Salztorsvorstadt nahe dem Stadthafen stellt eine klassische Lückenbebauung dar.

Das dreigeschossige Gebäude war mit sechs Wohneinheiten geplant, und wurde von der Kahrs/Heuermann GbR zusammen mit dem Architekturbüro Hinck, beide aus Stade, entwickelt. Es handelt sich um barrierefreie Wohnungen. Aus dem Penthouse wurden zwei Wohnungen geschneidert und auf eine kleine Tiefgarage verzichtet, damit sich der Bau noch lohnt. 

Die beiden Gebäude auf dem ehemaligen Festplatz werden ohne Tiefgarage gebaut. Foto: Neustadtarchitekten

Gleiches gilt für das DSW-Projekt am Salinenweg auf dem alten Festplatz in Campe. Auch hier wird auf eine kostspielige Tiefgarage verzichtet. Die Vorhaben profitieren dabei von der neuen niedersächsischen Vorgabe, dass keine Parkplätze mehr pro Wohnung nachgewiesen werden müssen, um das Bauen zu erleichtern.

Vorgesehen sind nach wie vor zwei Baukörper. Statt 21 Wohnungen sind 32 Einheiten geplant, um öffentliche Fördermittel abzuschöpfen, wie Nils Jacobs, im Rathaus zuständig für die Stadtentwicklung, im Ausschuss erklärte.

Diese beiden Änderungen nahmen die Fraktionen zustimmend zur Kenntnis. 

Bäcker Schrader baut mit Frenzel in Riensförde

Völlig losgelöst davon wird auf dem 2480 Quadratmeter großen Grundstück am Kreisverkehr in Riensförde bereits gebaut. Der Entwurf von dem Architektenbüro Frenzel aus Buxtehude für die Bäckerei Schrader aus Apensen bietet eine gemischte Nutzung aus Bäckerei- und Café-Flächen, Büros sowie 21 Wohneinheiten.

Ist im Gegensatz zu anderen Projekten bereits im Bau: Das Projekt von Bäcker Schrader in Stade-Riensförde. Foto: Frenzel

Das ist die gute Nachricht, die schlechte folgt sogleich: Das HIT-Projekt am Salinenweg ist wie auch die Bebauung des sanierten Geländes des alten Mineralölwerks auf Eis gelegt. Die HIT ist in Insolvenz gegangen.

Auf dem 3750 Quadratmeter großen Grundstück an der Einfahrt zum ehemaligen Festplatz sollten 51 Wohnungen und ein Kindergarten für fünf Gruppen entstehen. Geplant waren 4000 Quadratmeter Wohnfläche für etwa 20 Millionen Euro. Daraus wird nichts.

Bis Ende des Jahres will die Stadt mit Lindemann ausverhandelt haben, wie es mit dem Projekt am Staatsarchiv weitergeht. Im neuen Gebiet zwischen Altländer Viertel und Bahnhof soll ein Wohnkomplex gebaut werden, den Architekt Christoph Frenzel für das Stader Bauunternehmen entworfen hat. Der ursprüngliche Plan: 37 Wohnungen entstehen auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern.

Von Lars Strüning

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