Selten sind Baukräne für sozialen Wohnungsbau in ländlichen Gebieten im Einsatz. Dabei ist günstiger Mietwohnraum nicht nur in Großstädten, sondern auch auf dem Land rar. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Selten sind Baukräne für sozialen Wohnungsbau in ländlichen Gebieten im Einsatz. Dabei ist günstiger Mietwohnraum nicht nur in Großstädten, sondern auch auf dem Land rar. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Gemeinde geht andere Wege

Wie eine kleine Gemeinde im Kreis Cuxhaven günstigen Wohnraum zur Miete schaffen will

23.09.2023

In Städten sind die Preise für Mietwohnraum längst explodiert. Und auf dem Land ist Mietwohnraum knapp, weil vor allem Häuslebauer zum Zug kommen. Eine Gemeinde im Kreis Cuxhaven will bei der Planung eines neuen Wohngebiets jetzt andere Wege gehen.

Die Lage ist idyllisch. Direkt gegenüber einem bestehenden Neubaugebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern am westlichen Ortsrand von Dorum hat die Gemeinde Wurster Nordseeküste unter dem Namen "Am Dorumer Wurtenpark" ein neues Baugebiet entwickelt. Auf 2,4 Hektar Fläche - das entspricht etwa drei Fußballplätzen - will die Kommune Wohnraum schaffen.

Wurster Nordseeküste: Kein Baugebiet mit Parzellen für Häuslebauer

Vorgesehen ist nach Auskunft von Bauamtsleiterin Norma Warncke ein allgemeines Wohngebiet in zweigeschossiger Bauweise. Die Gesamthöhe ist auf 11,50 Meter begrenzt. Was dieses Neubaugebiet nicht vorsieht, sind die klassischen 600 bis 800 Quadratmeter großen Parzellen, auf denen Häuslebauer ihre Wohnträume verwirklichen können.

Die Gemeinde möchte sich die Möglichkeit offen halten, ein Baugebiet mit kleineren Mehrfamilienhäusern zu schaffen. "Wir wissen, dass wir gerade in Dorum, aber auch in anderen Bereichen der Gemeinde, Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum haben", sagte Gemeindebürgermeister Marcus Itjen (parteilos) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.

Wohnraum für kleinere Geldbeutel zu schaffen, sei bei den derzeitigen Baupreisen ohnehin schon eine Herausforderung. "Wenn man dann auch noch den Grund und Boden kaufen muss, wird das Ganze noch ein bisschen teurer", so Itjen.

Weil die Gemeinde Eigentümerin der Flächen des Neubaugebietes "Am Dorumer Wurtenpark" ist, bietet sich aus Sicht des Bürgermeisters "auf diesen zwei Hektar jetzt die einmalige Chance, selber zu schauen, wer dort bauen darf". Eine Zusammenarbeit könnte sich der Bürgermeister beispielsweise mit einer Wohnungsbaugesellschaft oder einer Genossenschaft vorstellen. Kurz: "mit jemandem, der bereit ist, zu investieren und vielleicht nicht unbedingt darauf schielt, die maximale Rendite aus dem Grundstück herauszuholen".

Wohnungen mit 60 statt 120 Quadratmetern Fläche im Kreis Cuxhaven

Der Gemeinde geht es darum, ein Neubaugebiet zu schaffen, in dem die Fläche optimal ausgenutzt wird und es den Bauherren nicht darum geht, 120 Quadratmeter große Wohnungen zu generieren, wo es einen Bedarf nach 50 bis 60 Quadratmeter großen Wohnungen gibt.

Itjen appelliert auch, bei der Umsetzung des Projektes "sehr behutsam vorzugehen". Es handle sich um Grund und Boden, den die Gemeinde verkaufen könne, aber nicht müsse. Auf diese Weise habe es die Kommune selbst in der Hand, dazu beizutragen, dass mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann, der auch bezahlbar bleibt. "Deswegen haben wir auch die Zahl maximal zulässiger Wohnungen ausdrücklich nicht beschränkt."

Erbbaurecht anstelle von Grundstücksverkauf in Gemeinde Wurster Nordseeküste

Anstelle eines Verkaufs der Flächen kann sich Itjen vorstellen, mit Erbbaurechten zu arbeiten. Das Erbbaurecht ist das Recht, eine Immobilie auf einem fremden Grundstück zu bauen oder zu kaufen. Der Eigentümer des Grundstücks, der Erbbaurechtgeber - in diesem Fall die Gemeinde Wurster Nordseeküste -, räumt dem Erbbaurechtnehmer ein Nutzungsrecht für das Grundstück ein und hält dafür für einen bestimmten Zeitraum einen Erbbauzins. "In dem Erbbaurechtsvertrag", so Itjen, "lässt sich präzise regeln, was baulich gemacht werden darf."

Bei den Ausschussmitgliedern kamen die Verwaltungsvorschläge parteiübergreifend sehr gut an. Gerade deshalb weil, wie Olaf Luther (CDU) betonte, immer wieder Einwohner auch an die Kommunalpolitiker mit dem Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum herangetreten seien.

Von Heike Leuschner

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