Wer sich unter nicht sterilen Bedingungen ein Tattoo stechen ließ, muss vier Monate warten, ehe er zur Blutspende kann. Auf diese Weise soll ein Infektionsrisiko ausgeschlossen werden. Foto: dpa
Wer sich unter nicht sterilen Bedingungen ein Tattoo stechen ließ, muss vier Monate warten, ehe er zur Blutspende kann. Auf diese Weise soll ein Infektionsrisiko ausgeschlossen werden. Foto: dpa
Der Fakten-Check

10 Mythen rund ums Blutspenden - und was wirklich dran ist

24.03.2023

Rund ums Blutspenden ranken sich viele Mythen. Wir haben die 10 gängigsten geprüft. Den Faktencheck übernimmt Markus Baulke, Sprecher des Blutspendedienstes der DRK-Landesverbände in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Oldenburg und Bremen.

1. Schwule dürfen kein Blut spenden

Jede Blutspende wird im Labor auf bestimmte Krankheitserreger untersucht. Die Blutspende wird zum Beispiel auf eine Infektion mit HIV, Syphilis oder Hepatitis getestet. Um das Risiko, dass über eine Blutspende Krankheiten übertragen werden, so gering wie möglich zu halten, gibt es Vorgaben, die zu einer Rückstellung von der Blutspende führen können. Dazu gehört unter anderem auch die Rückstellung bei risikoreichem Sexualverhalten. Personen, deren Sexualverhalten ein erhöhtes Risiko für die Übertragung von Infektionskrankheiten birgt, dürfen kein Blut spenden. Dies gilt unabhängig von der sexuellen Orientierung. Eine Blutspende ist möglich, wenn das Risikoverhalten seit mindestens vier Monaten beendet ist. Dies ist zum Beispiel in einer monogamen Paarbeziehung der Fall.

2. Tätowierte Personen oder solche mit Piercing sind ein Leben lang von der Blutspende ausgeschlossen

Ein Leben lang nicht, sondern maximal vier Monate. Auch in diesem Fall handelt es sich um den Ausschluss eines Infektionsrisikos. Keine Rückstellung nach einer Akupunktur unter sterilen Bedingungen mit Einmalnadeln, vier Monate Rückstellung nach einer Akupunktur unter nicht sterilen oder unbekannten Bedingungen. Vier Monate Rückstellung auch nach kosmetischen Eingriffen, die die Haut oder Schleimhäute verletzen: Ohrlöcher, Piercings, transdermale, also unter der Haut liegende Implantate oder Permanent Make-Up.

3. Wer Blut spendet, lebt gesünder

Studienergebnisse haben gezeigt, dass das regelmäßige Blutspenden eine blutdruckmindernde Wirkung bei Menschen mit Bluthochdruck haben.

4. Blutspenden ist Geschäftemacherei

Stimmt nicht. Wir verkaufen nicht das gespendete Blut, sondern die daraus unter Einsatz von professionellem Personal und aufwändiger Technik hergestellten Blutpräparate, aber nur in Höhe der Kosten, die zuvor aufgewendet worden sind - etwa für die Bewerbung sowie Organisation der Blutspendetermine, für den Transport, die Laboruntersuchungen und die Weiterverarbeitung sowie Herstellung, Einlagerung und Auslieferung von Präparaten. Zudem sind dauerhaft enorme finanzielle Investitionen in die Infrastruktur und die Sicherheit der Blutprodukte zu leisten.

5. Blutkonserven haben kein Verfallsdatum

Blut besteht aus mehreren Bestandteilen: Erythrozyten (rote Blutkörperchen) übernehmen den Sauerstofftransport im Blut, das Erythrozythenkonzentrat ist bei 4 Grad Celsius bis zu 49 Tage haltbar. Thrombozyten (Blutplättchen) spielen eine wichtige Rolle bei der Blutstillung, indem sie Verletzungen in Blutgefäßen erkennen und verkleben. Blutplättchen sind bei Raumtemperatur und ständiger Bewegung nur knapp 4 Tage haltbar. Blutplasma ist für die Gerinnung des Blutes wichtig und enthält Abwehrstoffe gegen Infektionen, es ist bei minus 27 Grad Celsius bis zu 3 Jahre haltbar.

6. Regelmäßiges Blutspenden veranlasst den Körper, mehr Blut zu produzieren, was gesundheitsschädlich ist und abhängig macht

Eine Blutspende ist nicht gesundheitsschädlich. Auf dem Blutspendetermin werden mögliche Risiken für den Blutspendenden über den Spendefragebogen, die Hämoglobin- und Temperaturbestimmung und in einem Arztgespräch erfasst und ausgeschlossen. Frauen dürfen höchstens vier Mal, Männer höchstens sechs Mal innerhalb von zwölf Monaten Blut spenden. Zwischen zwei Vollblutspenden müssen mindestens acht Wochen liegen. Die Abstände bei der Plasmaspende sind kürzer.

7. Häufig auftretende Blutgruppen werden weniger oft benötigt als andere

Entscheidend ist der Blutbedarf der Kliniken. So haben zum Beispiel 6 Prozent der Bevölkerung die Blutgruppe 0 negativ. Der Bedarf ist aber deutlich höher, da diese Blutgruppe universell und blutgrupppenunabhängig transfundiert werden kann.

8. Blutspenden ist schmerzhaft und zeitaufwändig

Die Punktion ist nur mit einem kleinen Piks verbunden. Und obwohl die Blutspende an sich nur fünf bis zehn Minuten dauert, sollte man für den gesamten Ablauf etwa eine Stunde Zeit mitbringen.

9. Während der Abgabe von Blut und seinen Bestandteilen kann man sich eine unangenehme Krankheit einfangen

Nein.

10. Vor einer Blut- oder Plasmaspende darf man nichts essen oder trinken

Im Gegenteil. Vor der Blutspende sollte ausreichend getrunken werden. Wenn es möglich ist, nicht mit leerem Magen zum Blutspenden gehen.

Von Andreas Schoener

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