13-jähriger Cuxhavener hat den Kampf gegen die Leukämie gewonnen
Cuxhaven. Ende Januar 2022 sah es für Anthony Hartmann alles andere als gut aus. Der damals Zwölfjährige war an Leukämie erkrankt und benötigte dringend eine Stammzellenspende. Wie geht es ihm heute?
Im Juli 2021 erhielten Anthonys Eltern die schreckliche Nachricht, die ihr Leben von der einen auf die andere Sekunde völlig aus den Fugen geraten lassen sollte - nichts war mehr wie vorher: Ihr gerade einmal zwölfjähriger Sohn war an Leukämie erkrankt. Noch am gleichen Tag kam er ins Krankenhaus, musste in den Folgemonaten zig Chemotherapien über sich ergehen lassen. Nur eine Sache konnte ihm noch das Leben retten - eine Stammzellenspende. Doch dafür musste Anthonys genetischer Zwilling erst einmal gefunden werden.
Wochenlang bangten Anthonys Eltern Doris Lohse-Hartmann und Stephan Hartmann sowie Schwester Elisa um das Leben ihres Sohnes und Bruders. Es musste dringend ein Stammzellenspender gefunden werden. Es ist Mitte Februar, Doris Lohse-Hartmann ist zu Hause, sitzt gerade am Esstisch, als ihr Handy klingelt: "Es war ein Anruf aus Hamburg - aus dem Krankenhaus. Es hieß, Anthony würde Ende Februar aufgenommen werden. Ich fragte, warum? Gibt es schon einen Spender?" Ja, es gebe sogar drei passende Spender - einer davon sei Anthonys genetischer Zwilling, hieß es am anderen Ende der Leitung. Endlich, die erlösende Nachricht. "Bei dem Anruf fühlte es sich wie eine Ohnmacht an, das kann man gar nicht beschreiben. Es war eine Erlösung", erinnert sich Doris Lohse-Hartmann. Bei der Erinnerung an diesen Tag, an diesen Anruf, kommen ihr und ihrem Mann die Tränen.
Sechs Wochen Aufenthalt in der Klinik
Am 25. Februar ging es für Anthony und seine Eltern dann nach Hamburg. Die Drei verbrachten einen letzten gemeinsamen Tag im Zoo, ehe es für Anthony und seine Mutter für sechs Wochen in die Klinik für Stammzelltransplantation im UKE Hamburg Eppendorf ging. "Anthony wurde in seinem Zimmer komplett isoliert, alle Ärzte und Krankenschwestern kamen in voller Schutzkleidung rein und das Essen erhielt er durch eine Schleuse", erinnert sich Anthonys Mutter. Diese Maßnahme sei wichtig gewesen, denn Anthonys Immunsystem wurde komplett heruntergefahren. Nichts, kein Infekt oder sonstiges durfte jetzt, so kurz vor dem Transplantation, dazwischenkommen. "Anthony hat erst noch drei hoch dosierte Chemotherapien bekommen und war schon super geschwächt." Trotzdem hat seine Mutter alles versucht, um ihrem Sohn die Zeit irgendwie erträglich zu machen. "Ich habe den Raum mit Postern und Lichterketten geschmückt und eine Höhe gebaut." Am sechsten Behandlungstag wurden Anthony dann die lang ersehnten Stammzellen gespritzt. "Den Moment haben wir richtig zelebriert. Ich habe bei der Stammzellenübertragung seine Hand gehalten, wir haben Kerzen angemacht und Musik laufen lassen."
Alles lief, wie es laufen sollte
Zehn Minuten - so lange dauert es die gespendeten Stammzellen zu übertragen. Zehn Minuten, die ein Leben verändern können. Ob Anthonys Köper die Transplantation gut annehmen und das blutbildende System sich neu aufbauen würde, sollte sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Bis dahin musste der junge Cuxhavener sich noch gedulden und mit schlimmen Nebenwirkungen kämpfen. Doch das Durchhalten hat sich gelohnt. "Das System fing an zu funktionieren. Alles lief, wie es laufen sollte", erinnert sich Stephan Hartmann, der seinen Sohn während des Klinikaufenthaltes nur via Videoanruf sehen konnte. In die Arme konnte er ihn wieder nach fünf langen Wochen schließen. "Anthony hatte sich erholt, nahm schon weniger Medikamente und durfte zum ersten Mal raus. Es war ein Sonntag und es schien die Sonne. Im Park haben wir dann Anthonys Papa getroffen. Nach so langer Zeit war das sehr emotional", weiß Mutter Doris Lohse-Hartmann.
Nach insgesamt sechs Wochen auf der Station für Stammzellenspenden wurde Anthony entlassen. "Am Anfang musste ich 1000 Tabletten jeden Tag nehmen", meint Anthony, der sich an die Zeit im Krankenhaus nicht mehr richtig erinnern kann - oder möchte. Nach der Entlassung mietete sich die Familie für etwa einen Monat eine Ferienwohnung in Scharbeutz, um die bis zu drei Untersuchungstermine pro Woche in der Hamburger Klinik wahrnehmen zu können. "Anthony hat sich in dieser Zeit sehr schnell erholt, brauchte keinen Rollstuhl mehr und seine Kraft kam zurück", so Anthonys Mutter. Mit den Monaten erholte sich Anthony immer mehr, die Tabletten wurden weniger und auch die Abstände zwischen den Kontrollterminen in der Klinik wurden größer. Seit August geht Anthony wieder zur Schule, besucht die 8. Klasse des Amandus-Abendroth-Gymnasiums und nahm sogar schon an einem zehntägigen Schüleraustausch in Frankreich teil.
Anthony ist wieder kerngesund
Mitte Dezember fand dann noch ein wichtiger Termin in der Bremer Klinik statt - dort wo "alles begann" und er viele Monate verbringen musste. "Der Port (der dauerhafte Zugang - Anmerkung der Redaktion) wurde entfernt und es gab das Abschlussgespräch. In dem hieß es, Anthony ist wieder kerngesund." Die Freude bei Anthony und seinen Eltern ist riesig. Ihr Wunsch, dass Anthony wieder gesund wird, wurde erfüllt - und es hat die Familie noch stärker gemacht und näher zusammenwachsen lassen. In etwa eineinhalb Jahren will Familie Lohse-Hartmann ein riesiges Fest feiern und alle, die die Familie während der schweren Zeit unterstützt und begleitet haben, einladen. Auch denjenigen, den Anthony sein Leben zu verdanken hat - wenn er denn bereit dazu ist. Noch weiß die Familie nämlich nicht, von wem Anthony die Stammzellen erhalten hat. Die Spender-Daten bleiben - bis auf Alter und Geschlecht - vorerst anonym, können aber nach zwei Jahren erfragt werden.