Auch im neuen Jahr: Medikamente sind im Kreis Cuxhaven weiter knapp
Kreis Cuxhaven. Die Situation um die Knappheit einiger Medikamente hat sich auch im neuen Jahr nicht beruhigt. Das hat auch was mit den vergangenen zwei Corona-Jahren zu tun hat.
Kreis Cuxhaven. "So schlimm, wie es jetzt ist, so habe ich es noch nie erlebt", sagt Apotheker Jörg Spillner von der Cuxhavener Deich-Apotheke zur aktuellen Medikamenten-Situation. Weiterhin sind gewisse Arzneimittel - unter anderem im Erkältungsmittel-Segment - Mangelware. Auch nach den Weihnachtsfeiertagen und zu Beginn des neuen Jahres hat sich die Situation noch immer nicht beruhigt.
Die Versorgungssituation habe sich nicht verbessert, klagt Apotheker Spillner. Zwar gebe es in seiner Apotheke beispielsweise noch Fiebersäfte für Kinder, aber es fehle weiterhin an Iboprofen 600, Magensäureblockern und Erkältungsmitteln. Bei letzteren vermutet Spillner, dass es hier noch länger dauern wird als bei anderen Medikamenten, bis sie wieder lieferbar sind. "Ich kenne das nicht, dass Wick-Medinait oder Mucoslvan nicht lieferbar sind. Als wir im März 2020 die Corona-Welle hatten, wurden einige Medikamente auch knapp - aber nicht in dieser Größenordnung, wie wir sie jetzt haben. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll", so Apotheker Jörg Spillner. Apothekerin Maika Engelke von der Medem Apotheke in Otterndorf ergänzt: "Es sind zum Beispiel auch Antibiotiker oder Blutdrucktabletten betroffen." Spillner will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich die Situation bald beruhigt: "Man glaubt nicht, dass man überhaupt in so eine Situation geraten kann. Aber jetzt sieht man einfach, wie abhängig wir von Indien und China sind. Den anderen Ländern geht es ja nicht anders. Wir versuchen jetzt den Notstand zu verwalten."
In Corona-Zeiten zu viel produziert
Indien und China sind die Länder, die Wirkstoffe exportieren. Aufgrund der dortigen Corona-Situation, werden keine Wirkstoffe exportiert, Hersteller können nicht produzieren. Das sei aber nicht der einzige Grund, wie der Cuxhavener Apotheker weiß: "Die Produktion wurde der steigenden Nachfrage immer angepasst. Doch im Winter 2020/2021 wurde zu viel produziert. Durch Corona und die Maskenpflicht, gab es weniger Erkrankungen und es wurden weniger Erkältungsmedikamente benötigt." Die Folge: Hersteller mussten Medikamente anteilig zurücknehmen oder sie überschritten das Verfallsdatum und waren nicht mehr brauchbar. "Deshalb wurde die Produktion angepasst und eher vorsichtig kalkuliert. Nur haben wir in diesem Winter höhere Infektionszahlen als vorher - die Produktion kann aber nicht so schnell geändert werden", erklärt der Apotheker. Er versuche aber weiterhin täglich, neue Medikamente bei den Großhändlern zu ordern.
Von anderen Ländern unabhängig werden
Apothekerin Maika Engelke sieht in der jetzigen Situation sogar etwas "Positives": "Die Situation, dass Wirkstoffe fehlen, begleitet uns schon seit mehreren Jahren - mal mehr, mal weniger. Und es hieß immer, dass es ja irgendwie trotzdem geht. Dadurch, dass es jetzt aber solch eine Dimension erreicht hat, wird deutlich, wie wichtig es ist eine Versorgung vor Ort zu haben, um nicht von anderen Ländern abhängig zu sein." Jetzt sei der Druck auf die Politik erhöht worden und sie seien nun in der Pflicht, dieses Probleme - den Wettbewerb im Arzneimittelsektor - zukünftig zu lösen.
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