Im Kreis Cuxhaven gibt es immer weniger Apotheken. Symbolfoto: dpa/Dittrich
Im Kreis Cuxhaven gibt es immer weniger Apotheken. Symbolfoto: dpa/Dittrich
Was jetzt helfen könnte

Mehr Schließungen als anderswo: Kreis Cuxhaven verliert ein Drittel seiner Apotheken

von Denice May | 02.04.2026

Die Apotheken im Kreis Cuxhaven kämpfen. Denn ohne Nachwuchs und mit stagnierenden Honoraren droht eine Verschlechterung der Versorgungslage, die besonders nachts und an Feiertagen spürbar wird. Aber es gibt Ideen, das Apothekensterben aufzuhalten.

Im Kreis Cuxhaven wird die wohnortnahe Arzneimittelversorgung zunehmend zur Herausforderung. Nach Zahlen der Apothekerkammer Niedersachsen ist die Zahl der Apotheken im Kreis Cuxhaven deutlich gesunken: Gab es im Jahr 2010 noch 53 Standorte, waren es zum Stichtag 31. Dezember 2025 nur noch 36. Das entspricht einem Rückgang von rund 32 Prozent. Niedersachsenweit liegt dieser Wert bei etwa 23 Prozent.

"Im Kreis Cuxhaven gibt es einen überdurchschnittlich hohen Apotheken-Abgang", sagt Dr. Mathias Grau, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen. Die Folgen sind für viele Menschen bereits spürbar: "Tagsüber ist die Versorgung noch gut, aber sonntags, nachts oder an Feiertagen muss man große Wege auf sich nehmen." Ein Blick auf die landesweiten Zahlen zeigt, dass es sich nicht um ein neues Problem handelt. Seit 2009 haben in Niedersachsen 491 Apotheken geschlossen, während lediglich 219 neu eröffnet wurden. Während es in den Jahren 2009 und 2010 zum Beispiel noch insgesamt 52 Neueröffnungen gab, wurden zwischen 2022 und 2025 (innerhalb von vier Jahren) nur noch 14 neue Apotheken eröffnet.

Es gibt keine Nachfolger, weil es sich nicht lohnt

Für diese Entwicklung sind vor allem wirtschaftliche Gründe verantwortlich. Die Vergütung für rezeptpflichtige Arzneimittel wurde zuletzt Anfang 2013 angepasst. Seitdem sind die Kosten für Personal, Energie und Betrieb allerdings deutlich gestiegen - das Honorar wurde aber nicht entsprechend angepasst. "Keine andere Branche arbeitet noch für die Vergütung von 2013", so Apotheker Mathias Grau. "Egal welche Krisen und Mehrkosten es seitdem gab, es gab keine Honoraranpassung." Hinzu kommt ein weiteres Problem: "Apotheken schließen, weil es keine Nachfolger mehr gibt, weil es sich nicht lohnt." Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, traten in der vergangenen Woche mehrere Apotheken im Cuxland in den Streik.

Der Rückgang der Apotheken gefährdet die Arzneimittelversorgung im Kreis Cuxhaven - insbesondere nachts sowie an Sonn- und Feiertagen. Foto: Ole Spata/dpa

Online-Apotheken sind ein Dorn im Auge

Auch der Onlinehandel hat Auswirkungen auf die Vor-Ort-Apotheken. Versandapotheken locken mit Rabatten und kostenfreier Lieferung, während sie gleichzeitig anderen Rahmenbedingungen unterliegen als stationäre Betriebe. "Die Online-Apotheken sind ein Dorn im Auge. Die haben nicht die gleichen Vorschriften und ganz andere Rabatte", sagt Mathias Grau. Dennoch sieht er die Vor-Ort-Apotheken weiterhin im Vorteil, wenn es um schnelle Hilfe geht: "Wenn ein Kind einen Hustensaft heute braucht, besorgen wir ihn noch am gleichen Tag. So schnell wie wir ist keiner." Andere Wettbewerber wie Drogerien spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Rund 80 Prozent ihres Umsatzes erzielen Apotheken mit verschreibungspflichtigen Medikamenten - ein Bereich, in dem Drogerien nicht tätig sind.

Impfservice: eine Stunde Arbeit unter Mindestlohn

Trotzdem müssen Apotheken kämpfen, denn auch zusätzliche Dienstleistungen konnten die wirtschaftliche Lage bislang kaum verbessern, wie Mathias Grau an einem Beispiel erklärt: "Für eine Corona-Impfung mit Aufklärung, Durchführung, Nachbeobachtung und Dokumentation investieren wir mehr als eine Stunde - vergütet wird dies mit rund zehn Euro brutto. Das ist weit unter dem Mindestlohn." Um dem Apothekensterben entgegenzuwirken, fordert die Branche vor allem eine regelmäßige Anpassung der Honorare sowie eine bessere Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen. Leistungen wie die Kontrolle von Impfpässen oder Beratungen sollten künftig von den Krankenkassen übernommen werden. "Eine jährliche Anpassung des Honorars und die Möglichkeit, mehr Dienstleistungen anzubieten, die bezahlt werden, wären wichtige Schritte", so der Apotheker. Er meint, ohne solche Maßnahmen könnte sich die Lage weiter verschärfen - mit spürbaren Folgen für die Menschen im Kreis Cuxhaven.  

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Denice May

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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