Dumpingpreis und Kundenklau? Cuxhavener Taxiunternehmen erhebt schwere Vorwürfe
Ein Cuxhavener Taxiunternehmen ist sauer: Seit Jahren ärgert es sich über Mietwagenunternehmen, die sich bereithalten, obwohl sie es nicht dürfen, Kunden wegnehmen und mit Dumpingpreisen locken. Von der Stadt fühlt sie sich im Stich gelassen.
Jedes Wochenende sei es das gleiche Spiel: Wenn die Cuxhavener Taxiunternehmerin - deren Name der Redaktion bekannt ist, die aber anonym bleiben möchte - ihre Fahrer zur Diskothek nach Lüdingworth schickt, um die Partygäste nach Hause zu bringen, sollen Mietwagenfahrer ihr die Kunden wegschnappen. "Die Minicars locken mit Dumpingpreisen. Ihre Fahrten kosten nur halb so viel, wie mit dem Taxi", sagt die Unternehmerin, die auch von ihren Berufskollegen weiß, dass es ihnen ähnlich gehe. Sie gibt an: "Die Minicars benehmen sich wie Taxis, halten sich bereit und der Disco-Besitzer duldet das." Ihre Fahrer würden sich an den Wochenenden nachts "die Beine in den Bauch stehen". "Die Nachtschicht lohnt sich nicht mehr. Ich gebe mehr Personalkosten aus, als ich Einnahmen habe", so die Taxi-Inhaberin. Wenn sich nicht bald etwas ändere, müsse sie die Nachtschicht einstellen und Fahrer entlassen. Allerdings wolle sie das nicht, schließlich habe sie ihre Mitarbeiter sogar während der Corona-Krise halten können. Konkrete Namen, um welche Mietwagenunternehmen es sich genau handele, wurden nicht genannt.
Mietwagenunternehmen bestätigt niedrigere Preise
Auf Nachfrage unseres Medienhauses bei den verschiedenen Mietwagenunternehmen gab es vom Inhaber der Firma Ahoi-Minicars eine schriftliche Stellungnahme zu den Vorwürfen. Lukas Gorenkov bestätigt: "Richtig ist, dass wir günstigere Preise anbieten als die ansässigen Taxiunternehmen. Diese sind jedoch öffentlich einsehbar, fest und basieren auf einem legalen Geschäftsmodell. Wir bieten keine Dumpingpreise an, um Kunden zu ködern."
Die Cuxhavener Taxi-Inhaberin kritisiert zudem, dass die Minicars an allen belebten Standorten wie am Bahnhof oder Krankenhaus stehen würden. In Duhnen seien Taxis von Minicars eingeparkt worden, so dass potenzielle Kunden nicht in die Taxis hätten einsteigen können, und somit den Mietwagen hätten nehmen müssen. "Das ist frech. Die machen alles kaputt", sagt die Unternehmerin verärgert. Lukas Gorenkov sagt dazu: "Unsere Mietwagen parken ausschließlich auf unserem eigenen Betriebshof und keinesfalls an belebten Plätzen oder gar in einer Art und Weise, dass andere Fahrzeuge blockiert werden."
Vorwürfe zu Bedrohungen weist Minicar-Inhaber entschieden zurück
Sollte es sich anders verhalten, bittet die Stadt Cuxhaven darum, Fotos von der jeweiligen Situation zu machen und der Stadt zukommen zu lassen. Die Taxi-Inhaberin habe dies in der Vergangenheit bereits getan. Die Behörde hat offenbar reagiert, denn kurze Zeit später erhielt die Taxizentrale einen Anruf, in dem Bedrohungen ausgestoßen worden seien. Diesen Vorwurf weist Ahoi-Minicar deutlich zurück: "Die Behauptung, es habe Bedrohungen unsererseits gegeben, nachdem Taxiunternehmen Fotos von unseren Fahrzeugen gemacht und bei der Stadt eingereicht haben, ist völlig absurd. Derartiges Verhalten liegt uns fern und wir distanzieren uns auf das Schärfste von solchen Unterstellungen. Wir sind ein seriöses Unternehmen, das sich an geltendes Recht hält."
Sich an das geltende Recht zu halten wünsche sich auch die Cuxhavener Unternehmerin: "Jeder soll doch seine Arbeit haben. Leben und leben lassen. Aber, man muss mit fairen Mitteln spielen." Einen fairen Wettbewerb begrüße auch das Mietwagenunternehmen, halte die Verbreitung von haltlosen Anschuldigungen jedoch für höchst bedenklich.
Der Stadt Cuxhaven ist die Situation bekannt
Es ist eine angespannte Situation, in der sich beide Parteien im Recht sehen. Für Aufklärung und Entspannung könnte die Stadt Cuxhaven sorgen. Auf Nachfrage unserer Zeitung heißt es von der Pressestelle: "Der Stadt Cuxhaven ist bekannt, dass Cuxhavener Mietwagenunternehmen verstärkt versuchen, ihre Fahrzeuge unerlaubt im Bereich von Taxiständen, zum Beispiel am Bahnhof oder an Diskotheken, zu platzieren, um den ansässigen Taxiunternehmen durch das Anbieten preiswerterer Fahrten Kunden wegzunehmen." Minicars seien gesetzlich dazu verpflichtet, nach der Durchführung ihrer Aufträge sofort wieder an ihren Betriebssitz zurückzukehren, um den Taxiunternehmen keine existenzbedrohende Konkurrenz an den für die Taxis bestimmten Plätzen machen zu können.
Verstärkte Kontrollen und Zusammenarbeit mit Polizei und Zoll
"Zur Sicherstellung der Einhaltung der beschriebenen Rückkehrpflicht gibt es schon seit einigen Wochen verstärkte Kontrollen des Verkehrsaußendienstes der Stadt Cuxhaven. In diesem Zuge sind bereits gegen mehrere Mietwagenunternehmen Bußgeldverfahren eröffnet worden", erklärt Cora Strate von der Stadt Cuxhaven.
Da Verstöße gegen die Rückkehrpflicht relativ schwierig nachgewiesen werden können, suche die Stadt aktuell verstärkt die Zusammenarbeit mit der Polizei und anderen Behörden, um die Kontrollen effizient und wirksam ausüben zu können. Im Zuge der Unterbindung von Dumpingpreisen soll die Zusammenarbeit der Stadt mit dem Zoll und den Finanzbehörden wieder intensiviert worden sein.