Mythos Freitag, der 13. - Geschichte, Aberglaube und was wirklich dahintersteckt
Der heutige Freitag, der 13., gilt für viele als Unglückstag. Doch woher kommt dieser Aberglaube eigentlich? Ein Blick in Geschichte und Forschung zeigt, wie der Mythos entstanden ist und was Wissenschaftler heute darüber sagen.
Für viele Menschen gilt Freitag, der 13. als Unglückstag. Manche verschieben Termine, andere steigen lieber nicht ins Flugzeug oder meiden wichtige Entscheidungen. Doch woher stammt dieser Aberglaube eigentlich und gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass dieser Tag wirklich mehr Unglück bringt?
Die Ursprünge des Mythos
Der Aberglaube rund um Freitag, den 13., hat keine eindeutige Quelle. Historiker gehen vielmehr davon aus, dass sich zwei ältere Unglückssymbole miteinander verbunden haben: der Freitag und die Zahl 13.
Die Zahl 13 galt in vielen europäischen Kulturen schon lange als problematisch. In der christlichen Tradition etwa saßen beim Letzten Abendmahl 13 Personen am Tisch - der dreizehnte war Judas, der Jesus verriet. Auch in nordischen Mythen taucht eine ähnliche Geschichte auf: Dort soll der Trickster-Gott Loki als 13. Gast zu einem Fest der Götter erschienen sein und Chaos ausgelöst haben.
Der Freitag wiederum hatte im christlichen Europa ebenfalls einen schlechten Ruf. Nach kirchlicher Überlieferung wurde Jesus an einem Freitag gekreuzigt. In einigen mittelalterlichen Traditionen galt der Tag deshalb als ungünstig für wichtige Vorhaben wie Reisen oder Hochzeiten.
Die Kombination aus beidem - Freitag und die Zahl 13 - tauchte jedoch erstaunlich spät als konkreter Unglückstag auf. Viele Historiker vermuten, dass sich der Mythos erst im 19. Jahrhundert im englischsprachigen Raum verbreitete. Einen weiteren Schub erhielt er durch den Roman "Friday, the Thirteenth” des amerikanischen Autors Thomas W. Lawson aus dem Jahr 1907, in dem ein Börsencrash an diesem Datum eine zentrale Rolle spielt.
Ein berühmtes historisches Ereignis
Häufig wird auch ein Ereignis aus dem Mittelalter mit dem Aberglauben verbunden: Am Freitag, dem 13. Oktober 1307, ließ der französische König Philipp IV. zahlreiche Mitglieder des Templerordens verhaften. Dieses Datum wird oft als Ursprung des Mythos genannt. Historiker betonen jedoch, dass es keine Belege dafür gibt, dass dieses Ereignis den Aberglauben tatsächlich ausgelöst hat. Wahrscheinlicher ist, dass die Verbindung erst später hergestellt wurde.
Was sagt die Wissenschaft?
Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Hinweis, dass Freitag, der 13., tatsächlich mehr Unglück bringt als andere Tage. Statistische Untersuchungen zu Verkehrsunfällen, Börsenbewegungen oder Krankenhausaufnahmen zeigen im Durchschnitt keine signifikanten Unterschiede.
Ein bekanntes Beispiel ist eine Studie aus den 1990er-Jahren im British Medical Journal. Sie untersuchte Verkehrsdaten in Großbritannien und stellte zwar weniger Autos auf den Straßen fest - vermutlich weil manche Menschen vorsichtiger sind - fand aber keinen eindeutigen Beleg dafür, dass mehr Unfälle passieren.
Psychologen erklären den Aberglauben eher mit einem bekannten Effekt: der selektiven Wahrnehmung. Menschen erinnern sich besonders gut an negative Ereignisse, die an einem vermeintlichen Unglückstag passieren. Bleibt ein Freitag, der 13., dagegen völlig normal, wird das meist schnell wieder vergessen.
Ein verbreiteter Aberglaube
Trotz fehlender Beweise ist der Mythos weit verbreitet. Für die extreme Angst vor Freitag, dem 13., gibt es sogar einen wissenschaftlichen Begriff: Paraskevidekatriaphobie (zusammengesetzt aus griechischen Wörtern für Freitag, dreizehn und Angst). In vielen Hotels fehlt beispielsweise die Zimmernummer 13, manche Hochhäuser überspringen die 13. Etage, und einige Fluggesellschaften verzichten auf eine Sitzreihe mit dieser Nummer.
Historische Traditionen, religiöse Vorstellungen und moderne Popkultur haben gemeinsam einen Mythos geschaffen, der sich bis heute hält. Wissenschaftliche Belege für eine besondere Unglücksrate gibt es jedoch nicht. Oder anders gesagt: Für die meisten Menschen ist Freitag, der 13., am Ende ein ganz normaler Tag - nur mit besonders vielen Geschichten darüber.