Das Alte Schloss in Neuhaus an der Oste zeigte sich auf einer Postkarte ca. aus dem Jahr 1910 dicht berankt.
Das Alte Schloss in Neuhaus an der Oste zeigte sich auf einer Postkarte ca. aus dem Jahr 1910 dicht berankt.
Achteran

Graf Königsmarck nutzte Geld und Macht im Elbe-Weser-Raum

17.04.2026

Es gibt spannende Geschichten um Hans Christoph von Königsmarck, der im 17. Jahrhundert als skrupelloser Feldherr das Elbe-Weser-Dreieck prägte und mit dem Bau des Schlosses Agathenburg ein bleibendes Erbe hinterließ.

von Hinrich Hildebrandt
Das Schloss Agathenburg, das Hans Christoph von Königsmarck im Jahr 1655 nach seiner Frau Agathe benannte, erinnert noch heute an den skrupellosen Feldherrn. Für seine Dienste erhielt er unter anderem das Amt Neuhaus an der Oste. 
Hans Christoph von Königsmarck, der aus einer alten märkischen Familie stammt, zählt zu den prägenden Adelsgestalten im Elbe-Weser-Raum im 17. Jahrhundert. Wie die meisten anderen Feldherren auch, betreibt er im Dreißigjährigen Krieg die militärische Auseinandersetzung als Unternehmer. Da die involvierten Fürsten nur selten über die erforderlichen Mittel verfügen, um eigene Heere auszurüsten und zu besolden, stellen sie Feldherren in ihre Dienste, die auf eigene Rechnung Truppen anwerben. Die Entlohnung erfolgt dann durch die Plünderung der leidtragenden Bevölkerung in den eroberten Gebieten.
Im Jahr 1643 stellen die Dänen mit einem Landsmann, dem späteren König Friedrich III., den Erzbischof im Erzstift Bremen. In diesem Jahr erklärt Schweden Dänemark den Krieg und verlangt nicht nur 100.000 Taler, sondern auch, dass sich die Truppen im Erzstift schwedischem Befehl unterstellen. Als der Erzbischof dies ablehnt, erobert Hans Christoph von Königsmarck die Region im Elbe-Weser-Dreieck.
Königsmarck, der im Jahr 1600 geboren wird, schließt sich bereits früh dem König Gustav II. Adolf an, als dieser deutschen Boden betritt. Für die Eroberung des Erzstifts, das nun als die weltlichen Herzogtümer Bremen und Verden bezeichnet wird, ernennt ihn Gustav Adolfs Tochter, Königin Christina, zum Generalgouverneur. Zudem erhält er die Ämter Neuhaus und Rotenburg/Wümme persönlich.
In Neuhaus lässt er einen Hof zu einem repräsentativeren Gebäude umbauen, das als "Altes Schloss" bekannt ist. Es gibt Hinweise darauf, dass das Gebäude bereits 1541 als "Guien Hof" existiert. Königsmark selbst hält sich nur kurz hier auf. Das Gebäude übersteht die Jahrhunderte und wird dicht mit Efeu berankt. Im Jahr 1901 erwirbt Charlotte von Borstel aus Hamburg das Objekt für 7.020 Mark mit dem Ziel, es zu erhalten. Doch zwanzig Jahre später steht das Anwesen erneut zum Verkauf. Da es sich zur Ostseite hin jedoch stark abgesenkt hat, lässt der neue Eigentümer das Alte Schloss im Jahr 1921 abbrechen. Im Inneren sind zu dieser Zeit noch einige eiserne Öfen mit dem Wappen von Hannover erhalten.
Königsmarck wird in den schwedischen Adelsstand als Graf erhoben. In den Herzogtümern Bremen und Verden übernimmt er nicht nur administrative Verantwortung, sondern prägt das Gebiet auch politisch und kulturell nach seinen Vorstellungen.
Ein bis heute sichtbares Zeichen seines Wirkens ist der Bau des Schlosses Agathenburg. Der barocke Landsitz vereint repräsentativen Anspruch mit landesherrlicher Autorität und dient zugleich als Symbol dauerhafter Machtentfaltung im Elbe-Weser-Raum. Das Schloss ist nach Königsmarcks Gemahlin Agathe benannt.
Hans Christoph von Königsmarck verstirbt 1663 in Stockholm und wird in Stade begraben. Auf Veranlassung seines ältesten Sohnes Kurt Christoph von Königsmarck trennt die schwedische Regierung in Stade im Jahr 1667 die Kirchengemeinde Neuhaus von Geversdorf und erhebt sie zu einer selbstständigen Parochie. Kurt Christoph von Königsmarck stiftet eine neue Glocke für die Emmaus Kirche. In der dritten Generation verliert die Familie ihren Reichtum schließlich vollständig.

Hans Christoph von Königsmarck (1600 bis 1663) war in schwedischer Zeit Generalgouverneur der Herzogtümer Bremen und Verden. Foto: Wikipedia
Der Guien Hof aus dem Jahr 1541 in Neuhaus wurde 1643 zum Schloss des Grafen von Königsmarck. Hier ist das Anwesen auf einer kolorierten Postkarte aus dem Jahr 1912 zu sehen.
. Das Schloss Agathenburg wurde 1655 vom Grafen Königsmarck errichtet. Foto: Wikipedia
Neuhaus mit der Emmaus Kirche, hier auf einer Postkarte von 1920 zu sehen, wurde 1667 unter dem Patronat des Sohnes des Grafen Königsmarck zu einer eigenständigen Kirchengemeinde erhoben.

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