Monarchien enden 1918: Revolution zwingt Fürsten zur Abdankung
Im November 1918 endet die Monarchie in Norddeutschland: Revolutionäre Wellen zwingen Fürsten zur Abdankung, während das Kaiserreich unter Kriegsniederlagen und Unruhen zusammenbricht.
von Hinrich Hildebrandt
Herzog Ernst August war der erste Bundesfürst, der am 8. November 1918 in Braunschweig eine Abdankungserklärung unterzeichnete.
Im Herbst 1918 ist das Deutsche Kaiserreich durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg, Versorgungskrisen und wachsende Unruhen stark destabilisiert. Anfang November greift mit dem Kieler Matrosenaufstand eine revolutionäre Welle in ganz Deutschland um sich.
Während Wilhelm II. sich am 8. November in der belgischen Stadt Spa noch seiner Abdankung widersetzt, fällt an diesem Tag im Herzen des Reiches, im Herzogtum Braunschweig, die erste Krone. Vor dem Stadtschloss versammelt sich eine große Menschenmenge, die Wachen sind bereits verschwunden. Eine Abordnung des örtlichen Arbeiter- und Soldatenrates überbringt Ernst August, dem Schwiegersohn des Kaisers, die Abdankungserklärung. Der junge Welfe realisiert die Lage und unterzeichnet nach nur zwanzig Minuten Bedenkzeit den Thronverzicht für sich und seine Nachkommen.

Am gleichen Tag zwingen in Schwerin demonstrierende Arbeiter und Soldaten den Großherzog Friedrich Franz IV., der auch über Mecklenburg-Strelitz kommissarisch herrscht, zur Einsetzung einer neuen Regierung. Am 14. November nötigen sie ihn schließlich zum Verzicht auf den Thron. Der Souverän zeigt sich über diese hochverräterischen Forderungen seiner mecklenburgischen Untertanen gleichermaßen überrascht und erschüttert. Mit großer Erleichterung nimmt er daher zur Kenntnis, dass der Anführer der Aufständischen, der Arbeiter Haller, ihm auf Nachfrage bestätigt, kein Mecklenburger, sondern Wiener zu sein.
Auch im Großherzogtum Oldenburg endet mit der Revolution die Monarchie: Am 11. November 1918 dankt Großherzog Friedrich August ab, wodurch das Land zum Freistaat Oldenburg wird. Dieses Datum markiert den gewaltfreien Übergang von der Monarchie zur republikanischen Ordnung im Land.

Zum Fürstentum Waldeck und Pyrmont, dessen Residenz sich in Arolsen befindet, gehört mit der Grafschaft Pyrmont auch ein Teil Niedersachsens. Da von der Bevölkerung vor Ort keine Initiative zur Abschaffung der Monarchie ausgeht, müssen am 13. November erst Arbeiter- und Soldatenräte aus Kassel anreisen, um den Fürsten zur Abdankung zu zwingen. Friedrich nimmt die Erklärung zur Kenntnis und quittiert den Empfang. Er ist jedoch der einzige deutsche Bundesfürst, der sich entschieden weigert, freiwillig abzudanken. Der frühere Kasseler Oberbürgermeister Philipp Scheidemann, der besonders wegen seiner eigenmächtigen Ausrufung der Republik in Berlin am 9. November bekannt wird, gibt dem Waldecker Fürsten scherzhaft den Beinamen "Friedrich der Trotzige".

In dem Kleinstaat Schaumburg-Lippe dauert die Monarchie ein paar Tage länger, da es keiner der einheimischen Sozialdemokraten wagt, Fürst Adolf II. zur Abdankung zu bewegen. Erst als das sozialdemokratische Parteisekretariat in Bielefeld droht, den Rücktritt notfalls mit militärischer Gewalt zu erzwingen, tritt Adolf II. am 15. November zurück.
Lediglich der Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen (Thüringen) verabschiedet sich in einem Schreiben in Würde: "Allen unseren getreuen Untertanen und Dienern danken Wir für ihre langjährige Treue und Anhänglichkeit." Am 25. November legt er schließlich als letzter regierender Monarch die Regierungsgeschäfte nieder.
Die Abdankungen im November 1918 sind Teil eines umfassenden Umbruchs im Deutschen Reich: Die Kriegsniederlage sowie Streiks und spontane Aufstände von Soldaten und Arbeitern setzen die Regenten aller deutschen Bundesstaaten unter Druck. Dadurch enden nahezu alle deutschen Monarchien zugleich.
