Tierheimleiterin Laura Reyelts und ihre Shar-Pei-Hündin „Schnapp“. Foto: Tierschutz Eine Pfote ein Versprechen
Tierheimleiterin Laura Reyelts und ihre Shar-Pei-Hündin „Schnapp“. Foto: Tierschutz Eine Pfote ein Versprechen
"Eine Pfote, ein Versprechen"

25-Jährige aus Steinau ist Cuxhavens neue Tierheim-Leiterin: Liebe zu "Problemfällen"

von Lennart Keck | 12.04.2024

Seit Herbst vergangenen Jahres steht das Tierheim in Cuxhaven unter neuer Leitung. Bereits seit einigen Jahren engagiert sich Laura Reyelts aus Cuxhaven im Tierheimverein "Eine Pfote, ein Versprechen". Früher wäre ein solcher Job undenkbar gewesen.

Seit 2017 ist Laura Reyelts fest beim Tierheim angestellt, nutzte zwischenzeitlich die Chance, sich zur Tierpflegerin ausbilden zu lassen und wurde später zur stellvertretenden Leiterin ernannt. Als die damalige Leitung schließlich zurücktrat, sei Reyelts "irgendwie reingerutscht", erzählt die 25-Jährige schmunzelnd.

Sie habe schon immer eine Ausbildung zur Tierpflegerin machen wollen, habe schon während der Schulzeit und auch außerhalb der Schule erste Erfahrungen gesammelt: Praktika im Tierheim und beim Tierarzt gemacht oder auch bei einer Kastration zugesehen.

Aber auch eine Fehlentscheidung prägte den beruflichen Werdegang der gebürtigen Bremervörderin. So hatte sie zunächst eine Ausbildung zur Konditorin begonnen. "Das war aber überhaupt nicht mein Ding", weiß Laura Reyelts heute. "Ich habe immer gerne gebacken und wollte eine Ausbildung machen. Leider war es sehr schwer, eine Ausbildung zur Tierpflegerin zu bekommen. Also habe ich eine Ausbildung zur Konditorin gemacht."

Wie die Tierschützerin aus Steinau ihre Angst vor Hunden überwand

Ihre große Motivation für die Arbeit im Tierschutz sei immer ihre Tierliebe gewesen. Dabei habe sie früher eigentlich Angst vor Hunden gehabt und nur Kaninchen zu Hause gehalten, erzählt sie. "Später hatte ich dann irgendwann auch eine Katze und dann hat es sich irgendwie so ergeben, dass ich nur noch die Tiere genommen habe, die keiner haben will. Also die Kranken, die Behinderten, die Verhaltensauffälligen, die Beißer, die Angsthunde." Alles, was keiner haben wolle, lebe jetzt bei ihr. "Und jetzt arbeite ich nur noch mit den Problemfällen und nicht mehr mit den ,Netten'." Bei der Überwindung ihrer Angst vor Hunden habe ihr vor allem eine Shar-Pei-Hündin geholfen, die gefunden wurde, als sie an einen Laternenpfahl gebunden war.

"An die war nicht heranzukommen", erinnert sich die Tierpflegerin. "Ich hatte schon vorher Kontakt mit schwierigen Hunden, aber die waren nicht so schlimm wie sie." "Schnapp" habe sie oft gebissen. "Aber danach waren wir die besten Freunde. Sie hat auch bei mir gewohnt. Bis sie eingeschläfert werden musste, konnte nur ich sie anfassen und streicheln. Alles andere hat sie gebissen und nicht an sich rangelassen. Durch sie konnte ich viel lernen."

Verantwortung für Tiere übernehmen

Mittlerweile ist sie der Meinung: "Tiere sind die besseren Menschen. Je länger man hier arbeitet, desto mehr merkt man das. Leider gibt es viele Tierquäler und Leute, die ihre Tiere aussetzen." Deshalb ihr Appell: "Wenn man sich ein Tier zulegt, muss man sich der Verantwortung bewusst sein. Dass man Freigänger kastriert, Tiere medizinisch versorgt und auch wenn man Tiere nicht mag, sollte man sie wenigstens zufrieden lassen."

Ihr größter Wunsch ist ein baldiger Umzug des Tierheims. "Wir haben hier viel gemacht, aber das Gebäude ist abrissreif." Die Gespräche würden laufen, doch noch sei nichts spruchreif. "Wir würden gern in das Munitionsdepot nach Altenwalde ziehen. Das wäre ein Traum." Doch die finanziellen Mittel ließen das im Moment nicht zu.

Tierheimleiterin in Cuxhaven habe keine Zeit für Hobbys und Urlaub

Aktuell lebt die 25-Jährige in Steinau und fährt Tag zur Arbeit nach Cuxhaven. "An manchen Tagen auch drei Mal", sagt sie. Wenn Einsätze anstehen würden.

Urlaub und Hobbys seien mit ihrem Beruf nur noch schwer zu vereinen: "Das ist auch mein Hobby. Sonst habe ich gar keine Zeit mehr für Hobbys oder Urlaub." Ohnehin sei sie nicht gerade ein Urlaubsmensch, erwähnen ihre Arbeitskollegen. "Na ja, ich gehe gerne wandern", antwortet Reyelts und ergänzt: "Mit den Hunden."

Der Beruf und die Leidenschaft für die Tiere verlangen es, so zu leben. Schließlich muss das Tierheim sieben Tage die Woche rund um die Uhr erreichbar sein. Da sei "einfach mal Feierabend machen" leichter gesagt als getan, wenn fünf Minuten vor Feierabend doch noch ein Notfall eintrifft.

Aber genau diese täglich neuen Herausforderungen seien unter anderem das Spannende an diesem Beruf. Lachend erzählt die Tierschützerin: "Der schlimmste Satz, der vormittags fallen kann: Heute läuft alles gut. Das darf man nicht sagen. Das geht nie gut, nie."

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