25 Jahre nach 9/11: So hat sich die Polizeiarbeit im Kreis Cuxhaven verändert
Entführte Flugzeuge, Rauch über Manhattan, Tausende Tote: Die Bilder des 11. September 2001 haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Die Anschläge veränderten die Weltpolitik - und die Arbeit der Sicherheitsbehörden im Landkreis Cuxhaven.
25 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September ist die tägliche Polizeiarbeit im Landkreis Cuxhaven zwar in ihren Grundzügen dieselbe geblieben. Gefahrenabwehr, Strafverfolgung, Verkehrssicherheit und Prävention bilden weiterhin den klassischen Aufgabenmix. Doch der Blick auf mögliche Gefahren ist weiter geworden.
"Ereignisse mit überregionalem oder internationalem Bezug fließen heute stärker in Lagebewertungen und Einsatzvorbereitungen ein", erklärt Moritz Meyer, Pressesprecher des Niedersächsischen Innenministeriums, auf Anfrage unserer Redaktion. Gleichzeitig betont er: Die Veränderungen der vergangenen 25 Jahre seien "nicht ausschließlich auf die Anschläge vom 11. September zurückzuführen". Auch spätere Anschläge, internationale Krisen und neue Bedrohungsformen hätten die Sicherheitsarbeit geprägt.
Deutlich wichtiger geworden sind seit 2001 die frühzeitige Erkennung terroristischer Gefahren und die Prävention von Radikalisierung. Dabei geht es nicht nur um organisierte Netzwerke. Auch radikalisierte Einzelpersonen stehen im Fokus der Behörden.
Hinweise auf politisch oder religiös motivierte Radikalisierung hätten heute "einen dauerhaft hohen Stellenwert in der täglichen Polizeiarbeit", sagt Meyer. Verdachtsmomente würden aufgenommen, bewertet und an die zuständigen Fachstellen weitergeleitet. Polizei und Verfassungsschutz arbeiten dabei ebenso zusammen wie weitere Partner, etwa Schulen.
Bei überregionalen Fällen reicht die Zusammenarbeit noch weiter. Erkenntnisse werden länderübergreifend ausgetauscht, bundesweit spielt unter anderem das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum eine Rolle.
Überhaupt ist die engere Vernetzung der Sicherheitsbehörden eine der wesentlichen Veränderungen seit 2001. Polizei, Nachrichtendienste und andere Stellen tauschen Informationen heute intensiver und schneller aus. Für die Polizei bedeutet das, mögliche Gefahren früher erkennen und Lagen umfassender bewerten zu können.
Für die Stadt und den Landkreis Cuxhaven kommen besondere geografische und infrastrukturelle Bedingungen hinzu. Hier treffen maritime Wirtschaft, Tourismus, stark frequentierte Verkehrswege und wichtige Versorgungsinfrastruktur aufeinander. Dadurch entstehe "ein vielfältiges Lagebild - von alltäglichen polizeilichen Aufgaben bis hin zu besonderen Ereignissen mit überregionaler Bedeutung", so Meyer. Gerade dort, wo maritime, technische und infrastrukturelle Zuständigkeiten ineinandergreifen, sei eine enge Abstimmung erforderlich. Die Polizeiinspektion Cuxhaven steht deshalb unter anderem mit der Bundespolizei See, der Wasserschutzpolizei und dem Havariekommando in kontinuierlichem Austausch.
Stark an Bedeutung gewonnen hat zudem der Schutz sogenannter Kritischer Infrastrukturen, kurz KRITIS. Darunter fallen Einrichtungen und Anlagen, deren Ausfall erhebliche Folgen für das öffentliche Leben haben könnte. Ging es früher vor allem um klassische Gefahren, beschäftigen sich die Sicherheitsbehörden inzwischen zusätzlich mit Cyberangriffen, Sabotage, Spionage, Desinformation und sogenannten hybriden Bedrohungen. Der Austausch mit Unternehmen, Behörden und Betreibern solcher Einrichtungen sei deshalb erheblich ausgebaut worden.
Veranstaltungen werden breiter geschützt
Verändert haben sich auch die Sicherheitskonzepte für Feste und Großveranstaltungen. Sie werden fortlaufend an die jeweilige Lage, Besucherzahlen, Zufahrtswege und örtliche Besonderheiten angepasst. Eine für Besucher sichtbare Konsequenz sind etwa Durchfahrtssperren. Sie können verhindern, dass Fahrzeuge in Bereiche mit großen Menschenansammlungen gelangen. Nach Angaben des Ministeriums sind Sicherheitskonzepte heute insgesamt breiter angelegt als früher.
Auch die Aus- und Fortbildung der Polizei ist fortlaufend angepasst worden. Beamte sollen nicht nur für alltägliche Einsätze vorbereitet sein, sondern auch für atypische Situationen mit besonderer Eigengefährdung - etwa Anschlagslagen.
Eine weitere tiefgreifende Veränderung hat mit dem 11. September zunächst nur indirekt zu tun: die Digitalisierung. Informationen können heute zwischen Polizeidienststellen und anderen Sicherheitsbehörden wesentlich schneller ausgetauscht werden. Digitale Spuren sind aus Ermittlungen kaum noch wegzudenken.
Das gilt besonders für extremistische Entwicklungen. "Der digitale Raum stellt eine wachsende Herausforderung dar", sagt Meyer. Radikalisierung könne dort schnell, anonym und über Grenzen hinweg stattfinden. Extremistische Inhalte verbreiteten sich über soziale Medien und Messenger in hoher Geschwindigkeit.
Zugleich bietet die Technik der Polizei neue Möglichkeiten. Moderne Analyseverfahren helfen dabei, große Datenmengen zu strukturieren und Zusammenhänge zu erkennen. Auch mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz im polizeilichen Alltag beschäftige sich Niedersachsen - soweit dies rechtlich zulässig ist.
Aufmerksamer geworden ist offenbar auch die Bevölkerung. Das Ministerium verweist etwa auf eine deutlich gestiegene Zahl gemeldeter Drohnensichtungen - besonders im Umfeld kritischer Infrastrukturen, militärischer Einrichtungen, Flughäfen und anderer sensibler Bereiche. Solche Hinweise seien für die Polizei eine wichtige Quelle, um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen.
25 Jahre nach den Anschlägen von New York und Washington zeigt sich damit: Die grundlegenden Aufgaben der Polizei im Landkreis Cuxhaven sind geblieben. Doch die Gefahren, auf die sie vorbereitet sein muss, sind vielfältiger, internationaler und digitaler geworden.
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