AfD-Veranstaltung in Havenstudios Bremerhaven: Gastgeber Grotelüschen äußert sich
In den Havenstudios Bremerhaven wird die AfD ihre Landeswahlversammlung abhalten, begleitet von Protesten. Vermieter Jens Grotelüschen gerät in die Kritik, während Initiativen zur Kundgebung aufrufen.
Die "Havenstudios" Bremerhaven an der Kantstraße werden am kommenden Sonnabend (22. August 2026) im Blickpunkt des Interesses stehen. Sowohl von Gegnern als auch Befürwortern der AfD. Die Partei wird dort ihre Landeswahlversammlung abhalten. Mehrere Initiativen haben zu Protestaktionen aufgerufen. Unternehmer Jens Grotelüschen, der der AfD den Raum zur Verfügung stellt, sieht sich und seine Mitarbeiter seitdem "Anfeindungen und Erpressungen" ausgesetzt, wie er mitteilt.
Grotelüschen, Inhaber von Havenhostel und "Havenstudios", spricht von Diffamierungen unter anderem in den sozialen Medien, verteidigt aber seine Entscheidung, Gastgeber zu sein. Es sei doch liberal und demokratisch, jeder Partei einen Raum anzubieten. "Die Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit sind geschützte Rechte, genau wie das Ausüben von Opposition", sagt Grotelüschen, der mit einer Gesellschaft auch das Cuxhavener Havenhostel betreibt.
AfD nominiert Bremerhavener Bewerber für die Bürgerschaft
Wenn er als Unternehmer der AfD einen Ort für die Versammlung verweigere, wo solle dann die Grenze gezogen werden? Sollen Mobilfunkanbieter AfD-Mitgliedern keine Verträge mehr anbieten? Die Partei sei schließlich nicht verboten. Grotelüschen ist für die FDP politisch aktiv und verweist darauf, dass er Gegenwind gewohnt ist, er habe auch schon "politisch Verfolgten, Flüchtlingen und sonstig diskriminierten Menschen" Unterkünfte zur Verfügung gestellt.

Mit Blick auf die Protest-Veranstaltungen, die für Sonnabend geplant sind, hofft Grotelüschen nur, dass es friedlich bleibt. Beim Protest von Hafenarbeitern und Gewerkschaft für den Erhalt des Gesamthafenbetriebs (GHB) sei das gelungen. Die GHB-Aufsichtsratsitzung hatte im April im Havenhostel stattgefunden, seinerzeit auch begleitet von einer Kundgebung.
FDP Bremerhaven distanziert sich von Grotelüschen
Da Grotelüschen seine FDP-Mitgliedschaft ins Spiel brachte, reagierte der Parteivorsitzende am Dienstag mit einem Statement: "Die FDP Bremerhaven lehnt es ab, der AfD Räume zur Verfügung stellen", betonte FDP-Chef Hauke Hilz. Jens Grotelüschen habe weder Amt noch Mandat. "Auf sein privates und geschäftliches Handeln haben wir keinen Einfluss", so Hilz. Der FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Gökhan Brandt distanzierte sich wiederum von Hilz‘ Aussagen. "Das ist Hauke Hilz‘ Privatmeinung. Ich distanziere mich nicht von Jens Grotelüschen, ich lehne aber die AfD ab."
Die SPD Bremerhaven kritisiert scharf, dass der Geschäftsführer der "havenstudios" der AfD am kommenden Samstag Räumlichkeiten für eine Parteiveranstaltung zur Verfügung stellt. "Wer einer Partei, deren Landesverbände teilweise als gesichert rechtsextrem eingestuft werden, seine Räume für Parteiveranstaltungen öffnet, kann sich nicht darauf zurückziehen, lediglich ein neutraler Vermieter zu sein", so SPD-Parteivizechefin Janina Strelow.
Die AfD wird am Samstag die Bewerber für die Bürgerschaftswahl 2027 im Wahlbereich Bremerhaven wählen. Dazu hatte der Landesvorstand rund um Sergej Minich eingeladen. Mehrere Initiativen rufen ab 9 Uhr zum Protest gegen die Veranstaltung auf, unter anderem das Aktionsbündnis "Bremerhaven bleibt bunt" und die "Omas gegen Rechts". Mit einer Menschenkette wollen sie deutlich machen, dass "diese Wahlversammlung in unserem demokratischen Land kein normaler Vorgang ist", so Gertrud Wiehler für das Aktionsbündnis gegen Rechts. Der Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Michael Labetzke rief ebenfalls dazu auf, sich an der Menschenkette zu beteiligen, und forderte Grotelüschen auf, die AfD auszuladen. Das wiederum kritisierte Jan Timke von Bündnis Deutschland als "zutiefst undemokratisch".
Von Jens Gehrke
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