Am Montag nimmt der "Neue" auf dem Chefsessel in Hemmoor Platz
Künftig wird Hendrik Lunden im Hemmoorer Rathaus das Sagen haben. Sein Vorgänger Jan Tiedemann wurde feierlich verabschiedet. Doch im Rathaus wird Tiedemann dennoch auch künftig vorbeischauen - ebenso wie Lundens Vorvorgänger.

Das war's: Wenn sich am Montag die Türen des Hemmoorer Rathauses öffnen, wird im Chefbüro ein Neuer sitzen: Hendrik Lunden. Sein Vorgänger Jan Tiedemann wurde nach fünf Jahren als Verwaltungschef in dieser Woche verabschiedet. Doch ganz raus aus dem Politik- und Verwaltungsgeschäft ist er nicht; im Gegenteil.
1996 hatte ihn der damalige Hechthausener Bürgermeister Bodo Neumann überredet, bei der Kommunalwahl zu kandidieren. Nach einigen Tagen Bedenkzeit sagte er zu - und bereut das nicht: "Das war die richtige Entscheidung", sagte Tiedemann (SPD) bei seiner Verabschiedung in der Hemmoorer Kulturdiele.
Zunächst war er "einfaches" Ratsmitglied, engagierte sich in seiner Heimatgemeinde und war schließlich später zehn Jahre lang auch ehrenamtlicher Bürgermeister. Vor fünf Jahren erfolgte dann der Rollenwechsel. Er kandidierte 2021 als hauptamtlicher Verwaltungschef und wurde zum Samtgemeindebürgermeister gewählt. Es war kein gewöhnlicher Beginn, denn der Wahltermin und der Start in den neuen Job erfolgten mitten in der Corona-Krise mit allen damit verbundenen Einschränkungen: Maskenzwang und Abstand waren angesagt statt Bürgernähe und Antrittsbesuche in Firmen oder bei Vereinen.
Drei "Vize" in fünf Jahren
Trotz Corona schoben Tiedemann, sein Rathausteam und die Politik Projekte voran. Da Tiedemann zwar kommunalpolitisch aktiv war, aber nicht über eine Verwaltungsausbildung verfügt, war er natürlich am Start (und auch später) auf den Rat seiner Stellvertreter und der Fachbereichsleiter angewiesen. In den letzten fünf Jahren begleiteten ihn gleich drei "Vize": Wolfgang Poits Amtszeit endete ein Jahr nach seinem Amtsantritt, es folgte Frank Springer, der aber nach einer kurzen Phase Samtgemeindebürgermeister in der benachbarten Börde Lamstedt wurde, bevor jetzt Karina Kramer für Kontinuität sorgt. Diese sprach von einer "stets vertrauensvollen Zusammenarbeit, Wertschätzung und guten Gesprächen" im Rathaus. Und wenn es Kontroversen bei Projekten, Planungen und mit der Politik gegeben habe, dann "haben wir versucht, den Ärger wegzuatmen".
Seitens des Samtgemeinderates und der drei Mitgliedsgemeinden warfen Birgit Meyn-Horeis und Sabine Wist ein Schlaglicht auf Tiedemanns Amtszeit. Dieser habe zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht oder Vorhaben abgeschlossen, die die Samtgemeinde und die Kommunen nach vorn gebracht hätten. Dazu hätten unter anderem die Baumaßnahmen in den Bereichen der Feuerwehr, der Kinder- und Jugendbetreuung und auch der "Glasfaserausbau bis zur letzten Milchkanne" gezählt.
"Du hast klare Haltung gezeigt"
Birgit Meyn-Horeis räumte ein, dass natürlich zwischen Politik und Verwaltung nicht alles geräuschlos verlaufen sei: "Du hast uns manchmal einiges abverlangt; wir dir aber auch." Aber die politische Auseinandersetzung gehöre nun einmal zum Geschäft. Tiedemann habe "klare Haltung gezeigt" und sei kein "Ja-Sager" als Verwaltungschef gewesen.
Er habe in seiner hauptamtlichen Funktion eine "hohe Wertschätzung" gehabt. Und nicht nur dort: Auch im Kreis der Hauptverwaltungsbeamten des Cuxlandes war er erfolgreich aktiv. Dies ging aus den Worten des Cuxhavener Landrates Thorsten Krüger und der "HVB"-Sprecherin Gabi Kasten (Stadt Geestland) hervor. "Wir Kommunen stehen vor ähnlichen Problemen. Da sind ein gegenseitiger Austausch und die Zusammenarbeit wichtiger denn je", so Kasten.
Tiedemann selbst sprach von einem "besonderen Lebensabschnitt" in seiner beruflichen Laufbahn und vielen Erfahrungen, die er gesammelt habe. Gleichzeitig dankte er seiner Familie, die ihm den Rücken freigehalten habe, und seinem Team im Rathaus.
In eben diesem Rathaus wird er auch künftig noch häufig anzutreffen sein. Der Hechthausener hat sich erfolgreich für die Wahl zum Samtgemeinde- und Gemeinderat beworben. In Hechthausen dürfte er auch wieder ehrenamtlicher Bürgermeister werden. Sein Nachfolger Hendrik Lunden, der an diesem Abend bewusst auf einen Ausblick auf seine Tätigkeit als neuer Verwaltungschef verzichtet hatte, wird es übrigens in der Ratsarbeit nicht nur mit Tiedemann zu tun bekommen, sondern auch mit seinem Vorvorgänger Dirk Brauer: Auch Brauer sitzt im Samtgemeinderat - und auch im Stadtrat.
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